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18.11.2013

Gebet zur ukrainisch-polnischen Versöhnung

Feier gegen das Vergessen im Stephansdom zum 70. Jahrestag der Wolhynischen Tragödie

Am Samstag, 16. November 2013 beteten im Dom zu St. Stephan die polnische und ukrainische Kirchengemeinde in Österreich um die Versöhnung anlässlich des 70. Jahrestages der Wolhynischen Tragödie.

 

Die Messe "Erinnerung, die eint" wurde von Weihbischof Franz Scharl gefeiert, es konzelebrierten Bischofsvikar Dariusz Schutzki, Generalvikar Yuriy Kolasa, Rektor Krzysztof Kasperek, Zentralpfarrer Taras Chagala und andere römisch-katholische und griechisch-katholische Priester. Auch Artur Lorkowski, Botschafter der Republik Polen und Andrii Bereznyi, Botschafter der Ukraine wohnten der Messe bei. In ihrer Ansprache am Ende der Feier unterstrichen die Botschafter die große historische Bedeutung dieser Veranstaltung, die die geistliche Einheit zweier europäischer, christlicher Nationen manifestiert. Mit einer Kranzniederlegung vor dem Altar wurde anschließend der Opfer der Wolhynischen Tragödie in einer Minute der Stille gedacht.

 

Opfer vor 70 Jahren

Wolhynien war vor 70 Jahren Schauplatz tragischer Ereignisse. Viele Polen lebten in den 40er Jahren auf ukrainischem Boden. Die verbrecherische nationalistische Ideologie, die ihren dramatischen Höhepunkt im Zweiten Weltkrieg erreichte, forderte zehntausende Leben von Frauen, Kindern und älteren Menschen, die im Zuge ethnischer Säuberungen Weise ermordet wurden. Zu den Opfern zählten Großteils Polen, aber auch Ukrainer und all jene, die versuchten, ihre bedrohten Nachbarn und Verwandten zu retten.

 

Gemeinsame Erklärung

Am 28. Juni 2013 unterzeichneten Großerzbischof Sviatoslav Shevchuk im Namen der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche und Erzbischof Jozef Michalik im Namen der katholischen Kirche in Polen in Warschau, in Gegenwart von ukrainischen griechisch-katholischen Metropoliten und polnischen Erzbischöfen, sowie dem polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski, eine gemeinsame Erklärung zum 70. Jahrestag der blutigen Konfrontation zwischen Ukrainern und Polen in Wolhynien und Ostgalizien im Zweiten Weltkrieg.

 

Die Hierarchen verurteilten den radikalen Nationalismus und Chauvinismus, der im Laufe der Geschichte zu kriminellen Handlungen führte, und riefen alle Ukrainer und Polen in Polen, in der Ukraine und in der ganzen Welt dazu auf, Herz und Geist zu öffnen und gegenseitige Vergebung und Versöhnung zu suchen.

 

Die polnischen und ukrainischen Gemeinschaften in Österreich beschlossen, dem Aufruf der Hierarchen zu folgen und planten daruafhin eine gemeinsame Liturgie zur ukrainisch-polnischen Versöhnung zum 70. Jahrestag der Wolhynischen Tragödie: "Erinnerung, die eint" im Dom zu St. Stephan.