Ich komme aus der Pfarre Groß-Enzersdorf im Marchfeld, bin seit 23 Jahren verwitwet, habe zwei erwachsene Kinder und war Büroangestellte", erzählt Maria Kleinferchner. Warum sie sich für ein Leben als geweihte Witwe entschieden hat?
„Da gibt es viele Gründe", sagt sie: „Geführt wurde ich in den letzten 15 Jahren von P. Bruno Meusburger, einem Kalasantiner, und auch durch viele Exerzitien." Lange, bevor sie sich mit P. Bruno über die Witwenweihe unterhielt, war für sie klar, „dass ich nicht mehr heiraten möchte". Die weltlichen Wünsche seien „immer mehr in den Hintergrund getreten, weil ich auch durch meine Verfehlungen, durch meine Irrwege, die ich in der Jugend gegangen bin, auf Gott-Suche war und Ihn durch verschiedenste Erlebnisse in meinem Leben auch kennengelernt habe". Kleinferchner: „Ich habe mich von Gott entfernt und ihn wiedergefunden. Er hat mich zurückgeholt, jetzt will ich die restliche Zeit meines Lebens für Ihn leben, die Tage nützen."
Ein äußeres Zeichen dieses neuen Lebens ist der Ring-Wechsel. „Ich habe meinen Ehering immer links getragen, seit ich verwitwet bin. Und jetzt trage ich ihn rechts", erzählt sie: „Für mich ist das ein ganz neues Gefühl. Ich brauche nur auf meinen Ring zu schauen und ich weiß, wem ich mich anvertraut habe." Wenn einmal „Versuchungen oder Schwierigkeiten kommen, so spüre ich diese Verbindung", weiß sie: „Diese Einschränkung, bewusst ehelos zu bleiben, nicht hinauszugrasen, wie es Wienerisch so heißt, die habe ich auf mich genommen."
Kleinferchners Lieblingsheilige sind der Pfarrer von Ars und die kleine Therese von Lisieux. Eine Lieblingsgestalt aus der Bibel ist für sie „die heilige Maria Magdalena, die dem Herrn nach der Auferstehung begegnet ist". Kleinferchner: „Ich fühle mich auch so ein wenig wie sie. Aus einem Leben der Sünde hat mich Gott in ein Leben der Fülle gerufen."
„Ich habe 34 Jahre in der Wiener Pfarre St. Josef am Wolfersberg mit meinem Mann, er war Diakon, gelebt. Vier Kinder, 11 Enkelkinder und ein Urenkel wurden mir geschenkt. Seit 1993 bin ich Witwe. 1997 bin ich in die Pfarre Penzing gezogen und bin dort beheimatet", erzählt Maria Janda. Auch sie hat einen bewegenden Glaubensweg. „Gott hat mich aus einer schweren Krankheit, einer Depression herausgeführt, durch die Begegnung mit dem Wort Gottes wurde ich geheilt. Dies geschah noch zu Lebzeiten meines Mannes. Nach dem Tod meines Mannes war mir klar, dass ich für die Familie und für die Pfarre da sein will", sagt sie. Den Weg zur geweihten Witwe eröffneten ihr Pfarrer Wank und P. Hans Buob, ein deutscher Pallotiner, der sagte, sie sollte sich als geweihte Witwe zur Verfügung stellen. Janda: „Ich hatte keine Ahnung und auch in Wien hatten sie keine Ahnung. Gott hat mich geführt, er hat auch mir P. Bruno geschickt, der uns begleitet hat auf unserem Weg."
„Das Gelübde beinhaltet die Gebundenheit ganz an Jesus", sagt Maria Janda: „Mit ihm, durch ihn zu leben und unter seinem Schutz zu stehen. Der Ring ist ein Zeichen meiner Bindung an Jesus Christus."
Auch für Maria Janda ist „die heilige Theresia vom Kinde Jesus" eine Lieblingsheilige. Maria, die Muttergottes, ist ihr „nicht nur Schutz und Schirm, sondern auch Vorbild im Leiden, im Schmerz und in der Freude".
Der Witwenstand ist auch Gebetsleben: „Ich bete das Stundengebet der Kirche – Laudes, Vesper und Komplet", sagt Maria Kleinferchner, „den obligaten Rosenkranz und verschiedene andere Gebete." „Das Stundengebet ist für mich Teilnahme am offiziellen Gebet der Kirche", unterstreicht Janda.
Die Wurzeln des Witwenstandes liegen „in den neutestamentlichen Pastoralbriefen und vor allem in der Alten Kirche", sagt „Ordens"-Bischofsvikar P. Michael Zacherl SJ: „Die Witwen waren früher sehr schutzlos und oft alleingelassen. Viele haben sich da an die Kirche, an die Gemeinden gewandt und viele haben dort Schutz gefunden und sich auch für die Gemeinde eingesetzt." Zacherl: „Papst Johannes Paul II. erwähnt in seinem Schreiben ,Vita consecrata' besonders auch die geweihten Witwen." In der offiziellen Statistik der Erzdiözese Wien sind Maria Janda und Maria Kleinferchner die ersten geweihten Witwen.