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26.06.2014

"Perspektiven für den Einsatz von Priestern"

Im Rahmen des Diözesanen Entwicklungsprozess APG2.1 ändert sich auch für die Priester viel.

Der Diözesane Entwicklungsprozess APG2.1 verändert die Strukturen und das Gemeindeleben in den Pfarren. Ein wichtiger Punkt im Zentrum dieser Veränderungen sind die Priester, deren Aufgabengebiet sich mit der Pfarre Neu verändern wird, wenn nicht mehr ein Priester in einer Pfarre für alles zuständig ist, sondern gemeinsam ein größeres Gebiet betreut wird.

 

Im Herbst 2013 wurde im Auftrag des Generalvikars der Erzdiözese Wien die Arbeitsgruppe "Perspektiven für den Einsatz von Priestern in der territorialen Seelsorge in der EDW" ins Leben gerufen. Im Juli 2014 werden der Diözesanleitung die Ergebnisse vorgelegt.

 

Übergang von Pfarre Alt zu Pfarre Neu

Unter der Leitung von Markus Muth, dem Subregens des Wiener Priesterseminars, wird nicht nur das Dienstrecht für die Priester und Pfarrer überarbeitet, sondern auch nach Wegen gesucht, den Übergang von Pfarre Alt zu Pfarre Neu so problemlos und so gut als möglich zu gestalten. "Zuerst ging es darum, wahrzunehmen, was schon ist", erklärt Markus Muth: "Die Teile, die schon die zukünftige Struktur in sich tragen, zu sehen. Also dass eine Priestergemeinschaft ein größeres Gebiet übernommen hat. Ein Orden, der für ein größeres Gebiet zuständig ist oder wie sich das Miteinander der Pfarren gestaltet, wie schaut die Arbeit aus. Bis hin zu den Seelsorgeräumen. Oder wie sieht es in Pfarren aus, wo ein Team sich an der Leitung beteiligt, wo zum Beispiel eine Pastoralassistentin mit erweiterten Kompetenzen einen bischöflichen Auftrag zur Beteiligung an der Leitung der Gemeinde hat."

 

Fragen des Dienstrechts

In einem zweiten Schritt ging es darum, sich das Priester- und Pfarrerbild anzusehen und sich den Fragen des Dienstrechts zu widmen. "Die Hauptfrage war: Wie wird dieser Übergang von Pfarre Alt zu Pfarre Neu gelingen? Da ist es wichtig, Maßnahmen zu entwickeln, zu schauen, was die Priester an Unterstützung brauchen, damit es auch für sie ein guter Übergang wird", so Markus Muth. Es gehe auch um die Frage nach jenen Priestern, die jetzt Pfarrer und im Rahmen der Pfarre Neu nicht mehr Pfarrer sein werden und um Fragen des Ruhestands von Priestern.

 

Im Rahmen der Arbeitsgruppe wird auch das Priesterdienstrecht überarbeitet und viele Punkte, die längst Praxis, aber im alten Dienstrecht noch nicht enthalten sind, eingearbeitet. Der fertige Entwurf wird dann in den Priesterrat gehen und dort breit diskutiert werden.  

 

Zeit zur Vorbereitung

Angedacht ist im Rahmen der Neustrukturierungen auch, dass jeder Pfarrer der eine Pfarre neu übernehmen soll, eine Zeit bekommt, sich darauf vorzubereiten und nicht einfach hinein gestoßen wird. Das ist eine der konkreten Maßnahmen, die die Arbeitsgruppe der Diözesanleitung vorschlägt.

 

Ein heikler Punkt ist auch die Frage, wie überhaupt ein Team Pfarre Neu zustande kommt und wie Pfarrerwechsel ausschauen. "Wir haben uns in der Priesterdienstrechtsgruppe auch Gedanken dazu gemacht, wie das von den rechtlichen Rahmenbedingungen bzw. Abläufen aussieht." So sei auch nicht geplant, Teams beim Start von neuen Einheiten komplett auszutauschen. "Es wird Kontinuität und Veränderung zugleich geben. Es ist ein sehr heikler Prozess, weil es in der Seelsorge ja um viele Beziehungen geht, die gewachsen sind. Es geht nicht darum, Menschen wie Schachfiguren zu verschieben."

 

Auf die regionalen Begebenheiten Rücksicht nehmen

Nach einem ersten Feedback zu den Zwischenergebnissen zeigt sich, so Markus Muth, dass von Seiten der Diözese noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden muss. "Es ist einfach für eine Reihe von Priestern noch nicht nachvollziehbar, warum es überhaupt diese Veränderung braucht", so Markus Muth. Dazu kommt, dass die Situation von Dekanat zu Dekanat und in den Vikariaten durchwegs unterschiedlich ist. Darauf muss Rücksicht genommen werden. "Die Konzepte werden sehr unterschiedlich und an die räumlichen Gegebenheiten angepasst sein." Wichtig ist, dass es für alle Dekanate klare Ziele und Rahmenbedingungen gibt. Nicht nur für den priesterlichen Dienst.

 

Sorgen der Priester

Eine große Sorge viele Priester betreffe die Vita Communis. Viele haben sich ja bewusst nicht für das Ordensleben in Gemeinschaft entschieden. "Das ist kein Defizit, sondern eine Stärke", so Markus Muth, der die Diskussion rund um die Vita Communis auf den Lebensraum beschränkt sieht: "Es muss nicht nur zusammenleben heißen, es heißt vor allem auch zusammenarbeiten, Austausch pflegen, Dinge planen, Visionen entwickeln, zusammen beten."

 

Chance der Erneuerung

Die Chancen des Erneuerungsprozesses würden vor allem jene sehen, die es bereits gewohnt sind, im Team zu arbeiten, so Markus Muth: "Die wissen, dass nicht jeder Priester alle Menschen in gleicher Weise anspricht. Ein großer Vorteil der neuen Situation wird sein, dass Talente einzelner Priester und dass das, was Leute anspricht, mehr Menschen ansprechen wird und einzelne Schwächen in der Gruppe abgemildert werden. Ich glaube, dass die Zusammenarbeit von Priestern letztlich dem Volk Gottes zu Gute kommt. Das ist auch die große Orientierung im ganzen Prozess, denn wenn es am Ende keine wirkliche Hilfestellung für die Kirche ist, dann ist eh ein Konstruktionsfehler drinnen."

 

Menschen mit Visionen sind eine Wohltat

In den Dekanaten 10 und 15, die ja bereits sehr weit in ihrem Prozess sind, habe sich gezeigt, dass die Veränderungen auch dazu führten, dass sich konkret Menschen aus ihrem Engagement zurückziehen, auf der anderen Seite, kämen aber auch neue Menschen dazu. "Menschen mit Visionen und Energie sind eine Wohltat für alle, die mitten in solchen Prozessen stecken und vielleicht selber unsicher sind", erklärt Markus Muth.