Getaufte Männer und Frauen sind „Brüder und Schwestern“ in Christus. Diese – als Übersetzung der männlich-inklusiven Form adelphoi (griech. „Brüder“) längst unstrittige – Anrede kann deshalb laut Lektionar den Lesungen aus der neutestamentlichen Briefliteratur vorangestellt werden.
Die fallweise gebrauchte Anrede „Geschwister“ (eigentl. „Gesamtheit der Schwestern“) bietet eine weiblich-inklusive, doch recht sperrige Alternative (wo werden je „Geschwister“ angesprochen?).
Ein Vergleich der Briefanfänge zeigt außerdem: an „adelphoi“ richtet sich ein einziges Schreiben (nach Kolossä); alle anderen wenden sich an „die Heiligen/Geheiligten“, die „Auserwählten Gottes“ – und qualifizieren die Gläubigen (beider Geschlechter) kraft der Taufe.
Auch heute könnte es heißen „Ihr Geheiligten!“ Die Alternative dazu wäre, die Anrede (außer am Briefanfang) wegzulassen: ein Signal dafür, dass Paulus & Co weder an „uns“ noch überzeitlich an alle „Brüder und Schwestern“ weltweit geschrieben haben und ihre kanonisch gewordenen Briefe erst daraufhin zu befragen sind, was sie heutigen Heiligen in Mödling, Gänserndorf oder Hernals zu sagen haben.