„Wir sind immer nur durch Türen gegangen, die uns der liebe Gott geöffnet hat“, erklärt Pater Karl Wallner, warum sich die Mönche erneut auf ein großes CD-Projekt eingelassen haben: „Wir wollen nicht auf Bühnen klettern, um weltlichen Ruhm zu ergattern.“ Die Zisterzienser aus dem Stift Heiligenkreuz wollten schon lange etwas tun, um zu erinnern, wie „entscheidend positiv“ das Verhältnis zwischen Christentum und Judentum ist – was die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils besagt, das vor 50 Jahren war.
Das Judentum ist die Wurzel, aus der das Christentum entstand, es gehört unverzichtbar dazu. Und um das zu feiern, braucht es nicht nur Vorträge an der Hochschule. Pater Karl fasst zusammen: „Wir Mönche wollen das tun, was wir am besten können: beten und singen. Und damit inhaltliche und geistige Einheit zwischen den Religionen schaffen.“
Dass Pater Karl dann Timna Brauer in einer Talkshow kennenlernte, war göttliche Fügung. Die Tradition der Sängerin, die bereits für Österreich beim Eurovision Song Contest auftrat, sind jüdisch-sakrale Gesänge. „Meine Mutter ist Jemenitin und gerade jemenitische Juden haben eine sehr spannende und reiche Liturgie“, sagt Brauer. Um den christlichen und jüdischen Gesang zu vereinen, hat die Interpretin schon am 9. November 2014 mit den Heiligenkreuzer Mönchen ein Konzert gegeben – am Gedenktag der Kristallnacht, in der der nationalsozialistische Terror gegen die Juden ausbrach.
Brauer hat jüdische Texte aus dem Alten Testament gesungen, die Heiligenkreuzer Mönche dieselben aus der christlichen Bibel, Pater Karl Wallner beschreibt das Konzert als „großes religiöses Ereignis“. Und daraus entstand die Idee für eine CD, die den jahrhundertealten gregorianischen Gesang der Zisterziensermönche mit den hypnotischen hasidischen und jemenitischen Gesängen von Timna Brauer verbindet.
Ausschlaggebend für das Projekt war aber der wachsende Antisemitismus in Europa, konkret die Terroranschläge in Paris. "Wir Menschen sollen nicht aufeinander los-, sondern aufeinander zugehen“, sagt Abt Maximilian Heim. Die Musik ist ein Zugang. „Als Mönche schlagen wir jeden Tag eine große Brücke zu unserer Wurzel, wir beten 3000 Jahre alte Gebete. Damit stimmen wir uns täglich in den Gebetsschatz ein, der uns mit dem Judentum verbindet“, betont der Abt. Und das Gebet ist kräftiger, wenn es gesungen wird. „Wenn aus dem Herz heraus gesungen wird, dann zischt die Musik ins Herz hinein und baut mich auf. Dann ist Musik meines Erachtens religiöse Musik, dann ist sie wirklich gut“, sagt Pater Karl.
Konzerte wird es für die Mönche nicht geben: „Wir machen nur Musik, wenn wir authentisch sind und wenn es uns Freude macht.“ Das neue Album "Chant for Peace" aber wird am 8. Mai veröffentlicht, dem Tag, an dem wir dem 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges und des NS-Regimes in Europa gedenken.