Mit der Segnung des Baufeldes tritt am Freitag, 19. Juni 2015 der geplante "Campus der Religionen" in der neuen Seestadt in Wien-Aspern in eine weitere Umsetzungsphase. Der Campus in dem städtischen Neubaugebiet im Norden Wiens soll in wenigen Jahren mehrere christliche, jüdische, muslimische und buddhistische Gotteshäuser an einem Platz vereinen.
Einen genauen Bauplan gibt es noch nicht, zumal für den Baublock noch der Abschluss der Umweltverträglichkeitsprüfung sowie des Flächenwidmungsverfahrens abgewartet werden muss. Ab sofort werden aber zehn Fahnen auf dem Bauplatz den "Campus der Religionen" ankündigen: sechs zeigen die Symbole der vertretenen Glaubensgemeinschaften, vier weitere stehen für Europa, Österreich, Wien und den 22. Gemeindebezirk. Beteiligt an dem Projekt sind neben der katholischen Erzdiözese Wien derzeit die evangelische und die orthodoxe Kirche, die Israelitische Kultusgemeinde, die Muslimische Glaubensgemeinschaft und die Buddhistische Religionsgesellschaft.
Nächster Schritt wird sein, dass die Kirchen und Religionsgemeinschaften gemeinsam einen Masterplan für die Umsetzung des Campus erstellen. Ein grundlegendes Konzept habe sich bei den bisherigen Gesprächen bereits herauskristallisiert, schilderte der Bauamtsdirektor der Erzdiözese Wien, Harald Gnilsen, am Freitag auf Anfrage von "Kathpress" erste grobe Skizzen. Jede Religionsgemeinschaft wird ihre eigenen Sakralräume und Gebetshäuser bekommen, die einzelnen Gotteshäuser sollen sich rund um einen ovalen Platz gruppieren. Angedacht ist zudem ein Saal für Veranstaltungen, der gemeinsam genutzt wird. Auch eine gemeinsame Verwaltung könnte es geben. Für die Planer gibt es zudem eine besondere Herausforderung, so Gnilsen: "Wir wollen offen bleiben, falls noch jemand dazu kommt. Gleichzeitig soll aber architektonisch keine Lücke gesehen werden."
Insgesamt sei die Umsetzung des geplanten "Campus der Religionen" ein spannender Prozess, bei dem viel Neuland betreten werde. Jede Religionsgemeinschaft habe etwa andere Anforderungen an ihre Gotteshäuser, vieles müsse erst zusammenwachsen, berichtete der Bauamtsdirektor der Wiener Erzdiözese. Dabei gebe es zwischen den Religionen ein gutes Einvernehmen.
An der Segnung des Bauplatzes am 19. Juni um 16 Uhr werden neben dem katholischen Wiener Bischofsvikar Dariusz Schutzki, der evangelische Superintendent Hansjörg Lein, IGGiÖ-Präsident Fuat Sanac, Generalsekretär Raimund Fastenbauer von der Israelitischen Kultusgemeinde, der Präsident der Buddhistischen Religionsgesellschaft, Gerhard Weissgrab, sowie ein orthodoxer Vertreter teilnehmen. Ansprachen werden auch der Wiener Vizebürgermeister Michael Ludwig und Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy halten.
Die Wiener Seestadt ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekten Europas. Bis 2030 entsteht auf dem ehemaligen Flugfeld Aspern in Wien-Donaustadt ein neuer Stadtteil für rund 40.000 Menschen, die dort wohnen oder arbeiten werden.