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31.08.2015

Spenden sammeln - die Pfarre gibt Sicherheit

"Helft uns helfen", die Pfarre St. Johann Nepomuk hat für Flüchtlinge gesammelt. Hier ihre Erfahrungen und Tipps.

Die Bilder im Fernsehen von den unhaltbaren Zuständen in Traiskirchen haben uns alle berührt. In der Pfarre St. Johann Nepomuk im 2. Wiener Gemeindebezirk entstand eine spontane Sammelaktion "Helft uns helfen" für die Flüchtlinge. Am Sonntag, 23. August 2015, konnten unzählige Kisten mit Sachspenden nach Traiskirchen gefahren werden. Wie es dazu kam und was die Organisatoren für sich selbst und für andere Pfarren oder Privatpersonen, die dem Beispiel folgen möchten, gelernt haben, haben sie uns erzählt.

 

Helfen wollen, aber wissen nicht so recht wie

Viele wollen gerne helfen, wissen aber nicht so recht wie. So ging es auch Michael Jayasekara. Als ihn nach einer Messe Monika Völk ansprach packten es die beiden an. "Es war eine richtige Euphorie gemeinsam etwas bewegen zu können", so Michael Jayasekara. Nach Absprache mit Pfarrer Konstantin Spiegelfeld wurde beschlossen, zuerst eine Messe für die flüchtenden Menschen abzuhalten und im Anschluss die gesammelten Spenden zu sortieren, in ein Auto zu laden und nach Traiskirchen zu bringen.

 

Durchwegs positive Reaktionen

"Wir bekamen Anfang an ein unglaubliches Feedback. Das war enorm motivierend und wunderschön", berichtet Monika Völk. Die Organisatoren haben durchwegs positive Erfahrungen gemacht. Innerhalb kürzester Zeit haben über 30 Leute ihre Hilfe über Facebook zugesagt. Dazu kamen noch all jene, die über andere Kanäle von der Hilfsaktion erfahren haben. "Ich hatte den Eindruck, dass es für viele wichtig ist, konkret zu handeln und die Möglichkeit zu haben selbst initiativ zu werden", erklärt Roswitha Feige, Pastoralassistentin der Pfarre St. Johann Nepomuk.

 

"Ganz unglaublich war, wie viele Spenden herein gekommen sind. Alles tolle, schöne und brauchbare Sachen", so Monika Völk. Den Verantwortlichen war es wichtig, die Aktion mit einem Gottesdienst und einem Gebet für die Flüchtlinge zu verknüpfen, denn die Spendenaktion war auch von ihrem Glauben getragen. "Nach der Messe haben uns viele Menschen ganz selbstverständlich beim Verpacken und Einladen in den LKW geholfen. Teilweise Menschen, die wenig bis gar nichts mit der Pfarre zu tun haben", so Völk. Auch Nachbarpfarren oder Menschen, die über den Freundeskreis und Arbeitskollegen von der Aktion erfahren hatten, kamen zur Hilfe.

 

Glaube an die Menschheit

Auch für die Organisatoren selbst war die Aktion bereichernd. "Zu sehen, wie viele Spenden da zusammen kamen, machte mich sprachlos. Der Glaube an die Menschheit war wieder da. Die wenigsten denken so negativ, wie es uns die Medien verkaufen möchten. Viele wollen helfen, das ist großartig", so Michael Jayasekara. Die logistische Herausforderung war, die Spenden auch nach Traiskirchen zu bringen, da wesentlich mehr als erwartet zusammen gekommen war.

 

Die Mundpropaganda hat gut geklappt, berichtet Michael Jayasekara. Die Gemeinschaft in der ganzen Pfarre sei durch die Aktion gestärkt worden.

 

Was würden wir anders machen

Die Organisatoren der Pfarre St. Johann Nepomuk haben viel gelernt. Hier eine Liste, die alle, die ähnliche Spendenaktionen aufstellen wollen, berücksichtigen können.

 

  • Sich als Pfarre überlegen welche Projekte und wie viele in einer konkreten Situation gut sind.
  • Einen Anfang und ein Ende des Projekts definieren.
  • Die Pfarrkanzlei in alle Belange gut einbinden, denn über sie kommen viele Anfragen herein.
  • Die Kommunikation nach außen und innen klar absprechen.
  • Für eine Vernetzung mit den Organisationen vor Ort sorgen, damit die Hilfe gut ankommen kann. Diese Absprachen sind notwendig, damit auch wirklich die Dinge gesammelt werden, die gebraucht werden.
  • Übersichtliche Listen mit den Sachen, die gebraucht werden erstellen.
  • Einen besonders hohen Nutzen haben Hygienartikel, Taschen und Lebensmittel.
  • Bitten, die Sachspenden schon vorsortiert vorbei zu bringen.
  • Klar kommunizieren, dass Sachspenden für Flüchtlinge kein Ramsch sein sollen. Es ist keine Möglichkeit einmal auszumisten.
  • Persönliche Werbung machen, die Menschen direkt und aktiv ansprechen und einladen.
  • Für eine gute Logistik beim Sammeln, Sortieren und Verteilen sorgen.
  • Für eine Nacharbeit sorgen: Notieren was haben wir wo und wie weitergegeben.

 

"Es hat sich gezeigt, dass für zeitlich begrenzte Hilfsaktionen viele bereit sind ihre Freizeit zur Verfügung zu stellen und ehrenamtlich zu helfen", erklärt Heinz Weinrad aus der Pfarre St. Johann Nepomuk.

 

Die Pfarre als Ansprechpartner gibt Sicherheit

"Wir müssen uns trauen. Viele Leute wollen spenden, wissen aber nicht wie. Gerade Pfarren können hier gute Ansprechpartner und Sammelplatz werden", so Michael Jayasekara. Gemeinsam mit Monika Völk erlebte er das, als sie vor einer Supermarktfiliale standen und Spenden sammelten: "Anfangs waren die Leute skeptisch und wussten nicht so genau, was sie einkaufen sollen. Danach hat sich so gut wie jeder bedankt, dass wir ihnen eine Möglichkeit gegeben haben, ihren Beitrag zu leisen. Vor Ort muss man allerdings gut organisiert sein und ausreichend Personen haben, die einem helfen."

 

Das Projekt braucht ein klares Ende

Selbst wenn die Not in Traiskirchen noch nicht vorbei ist, brauche jedes Projekt ein klares Ende, erklärt Roswitha Feige: "Jetzt verweisen wir auf andere Unterstützungsmöglichkeiten. So haben wir zum Beispiel auf unserer Pfarrhomepage eine entsprechende Infoseite eingerichtet."