Papst Franziskus hat die mehr als 200 US-amerikanischen Bischöfe aufgerufen, sich der großen Themen der Zukunft der Welt anzunehmen und sich nicht nur auf Binnenkirchliches zu konzentrieren. Die Vereinigten Staaten seien eine Weltmacht und für die Entwicklungen auf der Erde stark verantwortlich. Mit seinen riesigen materiellen, politischen, technologischen und kulturellen Ressourcen stehe das Land in der Pflicht für die ganze Welt, sagte der Papst am Mittwoch, 23. September 2015 vor den Bischöfen in der St. Matthew's-Kathedrale der Hauptstadt Washington. Die Welt suche nach einem neuen Gleichgewicht des Frieden, des Reichtums und der Integration.
Den Bischöfen legte Franziskus nahe, in ihrem Land zum Wohl der Menschheit den "mächtigen christlichen Gemeinschaftsgeist" zu verbreiten. Vor allem rief er sie zum Engagement für die Migranten aus Lateinamerika auf. Sie brächten Ressourcen mit, die das Land und die Kirche bereicherten. Der Papst bat sie zudem, weiter entschlossen gegen Unrecht wie Abtreibung, Drogensucht und die Ausbeutung der Natur vorzugehen.
Papst Franziskus erinnerte auch an den Skandal um sexuellen Missbrauch in der US-Kirche. Sie habe sich diesem schwierigen Moment unter großen Opfern und ohne Furcht vor Selbstkritik gestellt, um verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen. Er unterstütze die großzügige Entschädigung von Opfern, so der Papst. Insgesamt hatten Diözesen rund eine Milliarde Dollar an die Betroffenen gezahlt und waren damit teils an den Rand des finanziellen Ruins geraten. Solche Verbrechen dürften sich niemals wiederholen, forderte Franziskus.
"Bischöfe müssen sich des Kampfes zwischen Licht und Dunkelheit sehr bewusst sein", sagte der Papst weiter. Er sei aber nicht gekommen, um sie zu belehren, sondern spreche zu ihnen als Bruder unter Brüdern. Als Bischöfe seien sie zuallererst Hirten ihrer Herde, die Gott ihnen anvertraut habe. Dies verlangt Franziskus zufolge nach einer besonderen Nähe und Liebe zu den Menschen.
Die richtige Methode für einen Bischof besteht nach Worten des Papstes stets im Dialog untereinander, mit ihren kirchlichen Mitarbeitern, mit Laien, Familien und der ganzen Gesellschaft. "Harsche und polarisierende Sprache passt nicht zur Zunge eines Hirten; sie hat keinen Platz in seinem Herzen", mahnte das Kirchenoberhaupt vor dem Hintergrund von scharfen Polemiken rund um Homo-Ehe, Abtreibung und Aufrufen zur Kommunionverweigerung. Vielmehr hätten sie die Aufgabe, die katholische Einheit der Kirche in Verbindung mit Rom zu bewahren. Das Kreuz dürfe nicht zum Banner weltlicher Kämpfe werden.
Franziskus appellierte in seiner auf Italienisch gehaltenen Rede an die Bischöfe, bei allen Schwierigkeiten der Verkündigung des Glaubens niemals den Mut zu verlieren. Gott habe seinem Volk die Ewigkeit versprochen; diese Ewigkeit müsse ein Bischof vor seiner Gemeinde ausstrahlen.