Die katholische Kirche in Österreich trauert um einen ihrer profiliertesten Kirchenmusiker: Armin Kircher, langjähriger Leiter des Referates für Kirchenmusik der Erzdiözese Salzburg und maßgeblich am Österreichteil des neuen "Gotteslobes" beteiligt, starb am Montag, 12. Oktober 2015 völlig unerwartet im erst 49. Lebensjahr. Auf seine Initiative gingen u.a. der "kirchenmusikalische Herbst" und die regionale Betreuung der Kantoren und Kirchenmusiker in den Salzburger Pfarren zurück.
Armin Kircher wurde 1966 in Kufstein geboren. Er wuchs in Breitenbach in Tirol auf und maturierte am Erzbischöflichen Gymnasium Borromäum in Salzburg. Er studierte anschließend Kirchenmusik an der Universität Mozarteum und schloss dort 1991 ab. Seit 1988 war Kircher im Dienst der Erzdiözese Salzburg tätig, seit 2001 leitete er das Kirchenmusikreferat. Er wirkte außerdem als Stiftskapellmeister in St. Peter und Organist in der Kajetanerkirche. Die Termine der Trauerfeierlichkeiten werden noch bekannt gegeben.
Laut dem Präsidenten der Österreichischen Kirchenmusikkommission, Franz Karl Praßl, hinterlässt sein Vize Armin Kircher "mehr als nur eine Lücke in der Kirchenmusik Salzburgs und Österreichs". Der Verstorbene sei "die wesentliche Triebkraft hinter dem Entstehen des Österreichteils" des Gotteslobs von 2013 gewesen, so der in Graz lehrende Kirchenmusiker, Komponist und Theologe. Zahlreiche Kehrverse im Kirchengesangbuch stammten aus Kirchers Feder. Als Herausgeber bzw. Mitherausgeber habe er Gotteslob-Begleitbücher vor allem für den Österreich-Teil herausgegeben. Von Kircher editiert wurde auch das "Orgelbuch light" mit leichteren dreistimmigen Orgelsätzen fürs gesamte Neue Gotteslob, erinnerte Praßl in seinem Nachruf.
Ellenlang ist die Liste von vorwiegend geistlichen Werken aus der Salzburger Musikgeschichte, die Kircher in praktischen Ausgaben herausgab und so für den tatsächlichen Gebrauch für Chöre erschloss. Beinahe 100 Titel listet der Carus-Verlag auf, für den Kircher diese Knochenarbeit machte: zahlreiche Messen von Michael Haydn, dessen Responsorien für die Karwoche, die Schöpfungsmesse von Gatti, Messen und Chorwerke von Heinrich Ignaz Franz Biber und Johann Ernst Eberlin sowie Stücke von so manchem Kleinmeister. Nicht nur aus Barock und Klassik, sondern auch manches Werk aus der Zeit des Caecilianismus.
In der von ihm über 20 Jahre lang geleiteten Stiftskantorei St. Peter hatte Armin Kircher auch den Chor zur Verfügung, um all diese Musik praktisch zu erproben. Unter seinem Einfluss wurde St. Peter über die Jahre "zu einem Hort der musikalischen Feldversuche", würdigte Franz Karl Praßl. Er habe dafür auch Musiker auf Originalinstrumenten herangezogen - "auch und gerade für den kirchenmusikalischen 'Alltag', der in St. Peter eben oft nichts Alltägliches war".
Maßgeblich war Armin Kirchers pädagogisches Wirken. Seit 1992 war er Leiter der Österreichischen Werkwoche für Kirchenmusik, die jeden Sommer in Salzburg stattfindet. Auch dafür hat Kircher eine Unzahl von Chor-Editionen zu speziellen Themenkreisen veröffentlicht. Ein Anliegen war ihm qualitätsvolle Musik für "einfache Verhältnisse", sagte Franz Karl Prassl.