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Der Sonntag
08.08.2016

Ausflugstipp: Sommersitz der Fürsterzbischöfe

Burg Kranichberg, oberhalb von Gloggnitz, war 200 Jahre lang war im Besitz des Erzbistums Wien.

 

Die Herren von Kranichberg waren Ministeriale, also Angehörige des Dienstadels, der Grafen von Formbach und Pitten.

 

Um 1150 scheint ein „Siggefridus de Craneberch“ in den Urkunden auf. Ein Wehrbau muss damals bereits existiert haben. 1202 wird ein Hermann von Kranichberg erstmals genannt.

 

Nach dem Aussterben des auf Kranichberg sitzenden Zweiges wird 1352 Ulrich II. von Wallsee-Graz, der Landeshauptmann von Steiermark, als Herrschaftsinhaber erwähnt. 1363 folgte Leutold von Stadeck. Die Tochter des letzten Stadeckers heiratete 1400 Ulrich von Montfort.

 

Nach 1420 war Kranichberg bereits landesfürstlich und an Walter Zebinger, einem Ratgeber von Kaiser Friedrich III., verpfändet. 1480 wurde die Burg durch den ungarischen König Matthias Corvinus und seinem Heer erobert, wurde aber im Frieden von Pressburg 1491 wieder zurückgestellt.


Im 16. Jahrhundert war die Herrschaft mehrmals Lehens- oder Pfandbesitz kaiserlicher Hofbediensteter. So auch an Ulrich Maschwander, der den bereits stark vernachlässigten Bau zwischen 1561 und 1566 restaurieren ließ. 1602 verkaufte die Hofkammer die Herrschaft an Hans Unterholzer. 1661 gelangte Johann Franz Graf Lamberg über seine Gemahlin Constantia, eine geborene Unterholzer, in den Besitz der Burg. Durch eine Verstärkung der Wehreinrichtungen konnte das Türkenjahr 1683 unbeschadet überstanden werden. Ein Brand zerstörte jedoch 1745 große Teile der Anlage, darunter die Eingangsfront und den Westtrakt. Aus Kostengründen wurde beim Wiederaufbau lediglich einer der drei Schlosstürme erneuert.

 

1769 verkaufte Anton Franz Adam Graf Lamberg die Herrschaft an das Erzbistum Wien, in der Ära von Kardinal Christoph Anton Graf Migazzi. Sie wurde bischöfliches Mensalgut, also zweckgewidmetes Vermögen, damit der Bischof sein Amt ausüben kann.

Rückzugsort in den Bergen

Während der Revolution von 1848 kam es am 5. April zu Tumulten vor dem Erzbischöflichen Palais. Erzbischof Vincenz Eduard Milde verließ darauf am nächsten Tag sein Palais und zog sich bis November auf den erzbischöflichen Sommersitz Schloss Kranichberg zurück. Er kam nur fallweise und kurzfristig zur Erfüllung geistlicher Funktionen nach Wien, etwa zur Fronleichnamsprozession.

 

Ein anderer Erzbischof verbrachte Jahrzehnte später viel Zeit an diesem Ort. Auf Anraten der Ärzte verweilte der alternde Kardinal Anton Josef Gruscha die Wintermonate in Arco am Gardasee und die Sommermonate auf Kranichberg. Dort starb er vor 105 Jahren, am 5. August 1911.

 

Auch der letzte Fürsterzbischof von Wien, Kardinal Friedrich Gustav Piffl, hielt sich oft und gerne in Kranichberg auf. Als er 1932 in Wien verstarb, wurde er auf seinen Wunsch hin zunächst am Kranichberger Ortsfriedhof beigesetzt und dann 1954 in die Bischofsgruft von St. Stephan überführt.

 

Dass auch noch Kardinal Theodor Innitzer nach seinem Amtsantritt in den 1930er Jahren Kranichberg aufsuchte, zeigen Dokumente mit Ausstellungsort „Kranichberg“.

 

Für Kardinal Franz König war der Sommersitz der Wiener Erzbischöfe stets ein Grund großer Sorge, vor allem wegen der enormen Unterhaltskosten.

 

1970 verkaufte das Erzbistum Wien die Burg an den amerikanischen Industriellen Henry Reichhold, der sie einige Jahre besaß. Die Hochburg kam danach wieder in Privatbesitz. In der Vorburg ist ein Hotel untergebracht. Im 19. Jahrhundert diente dieses Gebäude bereits als Brauerei und Wirtshaus.