Bei meiner Primiz in Wien-Lainz im Jahre 1973 hat mein Primizprediger – der damalige Prior des Stiftes Heiligenkreuz, P. Walter Schücker – seine Predigt mit den an mich gerichteten Worten geschlossen: „Du bist nun ein Gesegneter. Werde jetzt zum Segen für die Menschen!“
Für mich als neuen Bischofsvikar und überhaupt für uns Christ(inn)en ist es von vordringlicher Bedeutung, sich als vom Herrn Gesegnete(r) zu fühlen, und deshalb auch die Mitmenschen, sooft wir daran denken (auch im ganz gewöhnlichen Alltag) zu segnen.
Das ist einmal die Basis, auf der wir die Verkündigung des Glaubens („Masterplan“) aufbauen wollen.
Wir müssen also unseren Seelsorger/innen, aber auch allen Getauften dieses Bewusstsein neu wecken, dass sie Gesegnete, d.h. von Gott vorbehaltlos Geliebte sind, und daher berufen sind, diese Liebe zu verkünden und natürlich auch danach zu leben.
Denn die Unsicherheit in der Kirche landauf landab ist groß – sowohl im Klerus, wie auch im gläubigen Volk:
Wohin steuert das „Schiff der Kirche“?
Wir werden immer weniger, wie soll das weitergehen?
Ist die Zusammenlegung von Pfarren der richtige Weg?
Wo bleibt da der Mehrwert?
Wo bleibt die Jugend?
Die Berufungen?
Fragen über Fragen.
Aber vielleicht sind diese Fragen Anlass genug, hier in der Pastoral, in der Verkündigung nicht wieder „kosmetische“ Eingriffe vorzunehmen, sondern eine grundlegende Reform anzugehen.
Gerade das versucht unser Kardinal mit seinem Team, und letztlich mit uns allen, seit einigen Jahren.
Es geht um neue Wege: Es geht um ein neu erwecktes Bewusstsein vom Christsein: Jede(r) Getaufte ist kraft seiner (ihrer) Verbindung mit dem Herrn beschenkt mit dem Gemeinsamen Priestertum, und damit berufen zu verkünden.
Es geht um Vergrößerung der pastoralen Räume: Viele Gemeinden bilden eine Pfarre und bringen sich mit ihren Fähigkeiten in einem Team ein.
Es geht um eine stärkere Einwurzelung in die Liebe Christi, um für die Menschen zum Segen zu werden und sie bewusst zu segnen (ausgesprochen oder still).
Mir persönlich ist diese spirituelle Vertiefung ein großes Anliegen. Ich sehe darin die Basis, oder den „Motor“ für unsere Diözesanreform. Und ich werde auch versuchen, mich hier mit konkreten Vorschlägen einzubringen.
Wesentlich bleibt nach wie vor aber auch die menschliche Seite: Wir wollen geschwisterlich miteinander umgehen! Wir alle – Haupt- oder Ehrenamtliche – wollen die Freude am Herrn ausstrahlen. Die Leute sollen merken, „die mögen sich!“
Es soll bei unserem Christsein spürbar werden, dass wir einander mit Wohlwollen begegnen, mit Respekt und Toleranz. Wir sind ja schließlich die Jünger und Jüngerinnen unseres Herrn!
Dann wird nämlich das eintreten, dass die Leute den Wunsch verspüren: „Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört: Gott ist mit euch“. (Sach 8, 23)