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28.09.2016

Seelsorge-Studie: Ein „Mehr“ an Lebensqualität

Prof. Christoph Jacobs über die große Studie zur Situation der Seelsorgerinnen und Seelsorger.

 

 

In den Monaten Oktober und November 2016 wird in der Erzdiözese Wien die „Seelsorgestudie“ durchgeführt.

 

Eine deutsche Forschungsgruppe, die diese Studie bereits in 22 deutschen Diözesen durchgeführt hat, befragt rund 1.300 Priester, Diakone und Laien, die im hauptberuflich pastoralen Dienst stehen.

 

Es geht unter dem Motto „Wie es mir als Seelsorger/in heute geht?“ um die Lebens- und Arbeitssituation von Seelsorgerinnen und Seelsorgern in der Erzdiözese Wien.


Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn hat sich mit einem Schreiben an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewandt und geschrieben, dass er der Bitte der Forschungsgruppe diese Studie in der Erzdiözese Wien durchzuführen gerne zugestimmt hat: „Der Fragebogen ist recht umfangreich, trotzdem bitte ich herzlich, die Zeit und die Mühe für das Ausfüllen zu investieren.

 

Es ist für das Gelingen der Studie wichtig, dass sich möglichst viele beteiligen. Dann können wir alle von den Ergebnissen profitieren.“

 

 

1. Warum ist es wichtig, dass Priester, Diakone und Seelsorger/innen aus der Erzdiözese Wien an der Befragung zu Lebens- und Berufssituation von Priestern, Diakonen und Laien im hauptberuflichen pastoralen Dienst teilnehmen?

 

Prof. Christoph Jacobs:  Wenn sich eine Organisation wandelt, dann führt das häufig zu größerer Belastung: mehr Arbeit, andere Tagesabläufe, andere Lebensorte, neue Arbeitsanforderungen.

 

Das Ziel muss sein: Ein „Mehr“, nicht ein „Weniger“ an Lebensqualität.

 

Die Frage dabei wird sein: Wie kann dabei die Gesundheit erhalten werden? Wie kann die Diözese für die Lebensqualität ihrer SeelsorgerInnen sorgen? Was können und was müssen sie selber leisten?

 

Ein bedeutsamer Punkt ist die Motivation: Es muss darum gehen, dass unsere Priester und Laien mit Überzeugung sagen können: "Ich engagiere mich gerne für die Verkündigung des Glaubens in unserer Diözese!" 

 

3. Welchen Beitrag zum Gelingen des Lebens von Seelsorgerinnen und Seelsorgern kann das „Ergebnis“ der Befragung leisten?

 

Prof. Christoph Jacobs: Es ist eigentlich erstaunlich, wie wenig gesichertes Wissen wir darüber haben, was unseren Seelsorgerinnen und Seelsorgern das Leben leicht oder schwer macht.

 

Wir wissen eigentlich nicht, woran ihre Gesundheit, ihre Zufriedenheit, ihre Motivation wirklich hängt.

 

Es hat sich bereits deutlich gezeigt: Es existieren viele vorgefasste Meinungen, die nicht unbedingt der Realität entsprechen. Wir brauchen Fakten, die wir bei der Planung der Seelsorge der Zukunft berücksichtigen müssen.

 

Der Maßstab der Organisation muss immer der Mensch sein. Das sind auf der einen Seite die Gläubigen. Auf der anderen Seite sind das aber auch die SeelsorgerInnen.

 

Wenn wir Fakten haben über die SeelsorgerInnen, dann brauchen wir nicht mehr spekulieren: dann können und müssen ihre Wünsche, ihre Lebensdynamiken und ihre Motivationen in den Prozess der Zukunftsgestaltung einbezogen werden.

 

4. Kommen die großen Veränderungen für die Seelsorgerinnen und Seelsorger (Stichwort „Entwicklungsprozess in der Erzdiözese Wien“) genügend in den Blick der Verantwortlichen?

 

Prof. Christoph Jacobs: Jede Organisation hat zunächst Interesse daran, dass sie sich selbst "in die Zukunft rettet“. Das gilt auch für die Kirche.

 

Wenn Verantwortliche klug sind, dann investieren sie bei jeder Reform Energie in die Frage: Wie können wir „unsere Leute“ mit auf den Weg nehmen?

 

Das tut jetzt die Erzdiözese Wien auf dem Weg ihres Entwicklungsprozesses. Der Fragebogen-Teil der Erzdiözese Wien ist richtig gut auf den Prozess abgestimmt. Er nimmt die realen Fragen ernst.

 

Besonders gespannt bin ich dabei auch auf die Antworten der Ordenspriester und der Priester aus anderen Ländern, deren große Zahl ein besonderes Kennzeichen der Erzdiözese Wien sind."

 

Als Forschungsgruppe der Seelsorgestudie sagen wir: für die Lebensqualität der SeelsorgerInnen könnte sicher überall mehr getan werden, als es tatsächlich geschieht. Es geht dabei auch um die Zukunft der Seelsorgeberufe selbst:

 

Menschen müssen sagen können: „Wenn ich Priester oder Diakon werde oder als Laie/Laiin in den pastoralen Dienst gehe, dann wird sich das lohnen, dann wird mein Leben gelingen, dann werde ich glücklich!“.

 

5. Weiß man jetzt in Deutschland nach den Studien besser, wie es Seelsorgern und Seelsorgerinnen wirklich geht?

 

Prof. Christoph Jacobs: Eindeutig: Ja! Die Ergebnisse haben ein hohes Potential für Konsequenzen für die Entwicklung für die Pastoral, für den Personaleinsatz und die Gesundheitsförderung.

 

In Deutschland haben 22 Diözesen mit 8500 Personen an der Studie teilgenommen. Das ist eine sehr hohe Zahl.

 

Dass die Ergebnisse viel Interesse erzielen und von hoher Bedeutung sind, sehen wir auf den Rückmeldeveranstaltungen in den Diözesen.

 

Es haben Hunderte, ja Tausende daran teilgenommen. Das gilt ebenso für die Verantwortlichen in den Diözesen.

 

Es gibt keine Gruppe von Verantwortlichen, die nicht Sonderkonferenzen zu den Ergebnissen der Studie veranstaltet hat oder noch veranstalten wird.

 

Manche Diözesen haben eigene Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, die an der Umsetzung der Ergebnisse für die eigene Diözese arbeiten.

 

Darüber hinaus finden die Ergebnisse, die wir in Deutschland erarbeitet haben, sogar international Beachtung, wie unsere Veröffentlichungen zeigen.