Der Welternährungstag am 16. Oktober kann auch in Österreichs Küchen zum Anlass genommen werden, auf Nachhaltigkeit zu setzen.
Der SONNTAG sprach mit Helene Brandstätter, Autorin des Buches „Kochen mit Brotresten“ über einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln. „Ich möchte anregen, gezielt einzukaufen, gut zu planen und nichts wegzuwerfen“, sagt die Autorin.
Helene Brandstätter und ihr Mann führten viele Jahrzehnte gemeinsam eine Bäckerei in Tragwein im Mühlviertel. „Das war Beruf und Berufung“, erinnert sich die Oberösterreicherin. Das Bäckereiwesen habe sich inzwischen stark verändert. „1970 gab es z. B. fünf Arten von Salzbrotgebäck (Flesserl, Salzstangerl...), heute gibt es unzählige“. Doch die augenscheinliche Vielfalt hat ihre Nachteile. „Das Meiste wird aus Fertigteigmischungen gemacht, und die sind überall dieselben. Früher haben wir alle Teige selbst gemischt.“
Helene Brandstätter bemerkt derzeit ein Umdenken: „Immer mehr Leute wollen wieder ein gutes Brot“. Der Tod ihres Mannes stürzte Helene Brandstätter in ein tiefes Loch. Ihre Tochter fand eine Beschäftigung für sie und bat sie, Rezepte für Gerichte mit Brotresten zu suchen. „Sie ist beruflich viel in Betrieben unterwegs und hat wahrgenommen, wie viel Brot übrig bleibt.“
Helene Brandstätter fand so viele Rezepte, dass daraus ein Buch entstand. Das Buch „Kochen mit Brotresten (Leopold Stocker Verlag) enthält über 130 Rezepte und wurde mit dem Viktualia Award des Lebensmittelministeriums ausgezeichnet.
Es lohnt sich, mit Brotresten zu kochen. „Die Gerichte sind sehr schmackhaft und preisgünstig“, betont die Autorin. Für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln empfiehlt Brandstätter, selbst zu kochen und auf Fertiggerichte zu verzichten. „Auch für Alleinstehende! Das kommt weitaus billiger. Man vermeidet Zusatzstoffe und Verpackungsmüll“.
„Ich fühle große Dankbarkeit“, sagt Brandstätter: „Uns geht es so gut – und wir können sehr viel tun.“ Brotreste nicht wegzuwerfen und daraus köstliche Speisen zuzubereiten, können ein erster Schritt sein.
Der Welternährungstag – jedes Jahr am 16. Oktober – macht darauf aufmerksam, dass weltweit rund eine Milliarde Menschen an Hunger leidet.
Die positive Nachricht zum diesjährigen Welternährungstag lautet: Die Zahl der Hungernden geht erneut zurück. Über 37 Millionen Menschen konnten sich binnen des letzten Jahres vom Hunger befreien.
Doch noch immer gehen rund 805 Millionen Menschen auf der Welt jeden Abend hungrig schlafen. Besonders Kinder sind durch Unterernährung gefährdet. Mehr als 100 Millionen Menschen in Kriegs- und Krisengebieten brauchen akute Nothilfe.