In den Monaten Oktober und November 2016 wird in der Erzdiözese Wien die „Seelsorgestudie“ durchgeführt. Eine deutsche Forschungsgruppe, die diese Studie bereits in 22 deutschen Diözesen durchgeführt hat, befragt rund 1.300 Priester, Diakone und Laien, die im hauptberuflich pastoralen Dienst stehen.
Es geht unter dem Motto „Wie es mir als Seelsorger/in heute geht?“ um die Lebens- und Arbeitssituation von Seelsorgerinnen und Seelsorgern in der Erzdiözese Wien. Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn hat sich mit einem Schreiben an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewandt und geschrieben, dass er der Bitte der Forschungsgruppe diese Studie in der Erzdiözese Wien durchzuführen gerne zugestimmt hat: „Der Fragebogen ist recht umfangreich, trotzdem bitte ich herzlich, die Zeit und die Mühe für das Ausfüllen zu investieren. Es ist für das Gelingen der Studie wichtig, dass sich möglichst viele beteiligen. Dann können wir alle von den Ergebnissen profitieren.“
Einer, der den Fragebogen schon ausgefüllt hat, ist Wiens Bischofsvikar P. Dariusz Schutzki CR. „Ich habe viel nachgedacht, noch vor dem Ausfüllen“, erzählt er: „Es ist gut und wichtig, dass die Seelsorgerinnen und Seelsorger befragt werden. Dies ist eine Wertschätzung und ein Ernstnehmen ihrer Freuden und Sorgen.“
Beim Ausfüllen selbst hat Schutzki nachgedacht „über die Ziele, die Reflexion über die eigene Rolle und die Aufgabe und Funktion eines Priesters in einer sich stetig wandelnden Welt“. Seine generelle Erwartung im Hinblick auf die Studie: „Ich hoffe, dass der Berufsstand der Priester wahrgenommen wird. Es wird ja schon viel getan in der Priesterbegleitung, da ist die Erzdiözese durchaus ein Vorbild.“
Manche Priester fühlten sich trotzdem „alleingelassen, nicht gehört“. Dabei gilt, so Schutzki: „Wer Hilfe und Begleitung in Anspruch nehmen will, dem wird sie auch gegeben.“
Das Priesterbild wandle sich, ist Schutzki überzeugt: „Die Kriterien für einen Pfarrer mit mehreren Teilgemeinden ändern sich. Es geht um Teamfähigkeit, den Stellenwert der Spiritualität und um den Umgang mit Belastbarkeit.“
„Meine Arbeit als Krankenhausseelsorgerin bei schwer kranken und oft auch sterbenden Kindern und ihren Familien ist eine sehr versteckte, diskrete Tätigkeit und geschieht oft im Verborgenen.
Als glaubender Mensch begleite ich sie in allen Höhen und Tiefen und werde dadurch oft auch reich beschenkt“, erzählt Pia Schildmair, Krankenhausseelsorgerin im Wiener St. Anna Kinderspital, Vorsitzende der Berufsgemeinschaft für Krankenhaus- und PflegeheimseelsorgerInnen und katholische Religionslehrerin im Evangelischen Gymnasium: „Ich verstehe meine Arbeit als Dienst an Gott und den Menschen und mache meine Arbeit sehr gerne. Schade finde ich aber, dass die Arbeit, die Krankenhaus-und PflegeheimseelsorgerInnen leisten, oft zu wenig wahrgenommen wird, obwohl sie ein wichtiger Dienst der Kirche ist. Deshalb habe ich den Fragebogen ausgefüllt.“
Ihr ist beim Ausfüllen des Fragebogens „noch einmal klar geworden, wie gerne ich meine Arbeit mache, wie sehr ich meine Kraft dazu aus dem Glauben schöpfe und mit welchem hohen Idealismus ich herangehe, aber auch welche Frustrationstoleranz ich in Bezug auf manche Strukturen der Kirche entwickelt habe“, betont Schildmair: „Manches lässt sich nur mit einer sehr starken Gottesbeziehung durchhalten.
In meiner Funktion als Sprecherin der Berufsgemeinschaft nehme ich aber auch wahr, dass aufgrund der mangelnden finanziellen und verbalen Anerkennung, die PastoralassistentInnen, Krankenhaus- und PflegeheimseelsorgerInnen und JugendleiterInnen in der Erzdiözese Wien erfahren, bei einigen KollegInnen der Bogen der Frustrationstoleranz überspannt ist und sich das auf sie und manchmal auch auf ihre Arbeit auswirkt.“
Schildmair wünscht sich von der Studie, „dass sichtbar wird, wie viele PastoralassistentInnen, Krankenhaus- bzw. PflegeheimseelsorgerInnen und JugendleiterInnen ihre Arbeit nicht nur als „Job“, sondern als Berufung leben und welche spirituellen und menschlichen Ressourcen und Charismen wir in den Dienst einbringen.“
Ein weiterer Wunsch wäre „eine neue Kultur der Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden in der Diözese und dass kein Kollege/keine Kollegin nach Jahren des Engagements die Arbeit frustriert aufgibt, weil sein/ihr Dienst zu wenig wahrgenommen wird oder er/sie nicht davon leben kann“.
„Ich habe den Fragebogen gleich ausgefüllt, als ich ihn bekommen habe. Ich habe ihn deswegen ausgefüllt, da ich es als wesentlich und wichtig empfinde, einmal die echte Stimmung eines Priesters wiederzugeben. Viel zu wenig gibt es die Möglichkeit, dass die Stimmungen und Empfindungen der Priester gehört werden“, unterstreicht Dechant Karl Engelmann (Pfarre Hernals, Dekanat Wien 17):
„Beim Ausfüllen selbst bin ich auch auf wesentliche Akzente meiner eigenen Berufung gestoßen. Man wurde auf sich selbst zurück geworfen. Ich erkannte meine Möglichkeiten aber auch meine Grenzen. Die Fragestellungen waren so gewählt, dass sie an die Existenz der eigenen Berufung gingen.“
Was er sich von der Seelsorgestudie erwartet? Engelmann: „Ich erwarte mir, dass eine Stimmungslage des Wiener Presbyteriums wiedergegeben wird. Ich hoffe, dass wirklich viele Priester sich die Zeit nehmen und diesen Bogen ausfüllen. Nur wenn wir die Stimmungslage im Presbyterium kennen, können wir auch wirklich Akzente setzen.“
„Ich habe den Fragebogen schon ausgefüllt, weil ich total gespannt auf die Ergebnisse bin“, erzählt Diakon Andreas Frank, stv. Ausbildungsleiter im Institut für den Ständigen Diakonat: „Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Aussagekraft einer empirischen Studie mit gutem Prozentsatz beim Rücklauf wächst.
Die riesige Mühe, die in diesem Projekt steckt, soll sich nicht nur für die Autoren auszahlen, sondern ganz besonders auch für uns SeelsorgerInnen als die Nutzer.“
Das Ausfüllen hat ihm geholfen, seinen gegenwärtigen „Zustand“ als Diakon „selbst bewusster zu machen“. „Schon alleine dafür haben sich die 70 Minuten, die ich gebraucht habe, ausgezahlt“, sagt Frank:
„Ich hoffe, dass die Ergebnisse unter uns SeelsorgerInnen zu interessanten Gesprächen anregen und Grundlagen liefern werden, die sowohl die Berufsgruppen als auch die Diözesanleitung zu manchen Verbesserungen z.B. bei der Berufszufriedenheit motiviert.“
Ab 1.12. ist er als Institutsleiter für den Ständigen Diakonat mit der Hauptverantwortung für die Diakone in unserer Diözese betraut. Frank: „Aus den Ergebnissen erwarte ich mir neue Schwerpunkte für die Arbeit des Diakonenrates, damit wir, gemeinsam mit den 205 Diakonen, die Rahmenbedingungen für „geglückte“ Einsatzmöglichkeiten verbessern können. Ich bitte alle Diakone, sich aktiv an der Studie zu beteiligen!
Ebenso erwarte ich mir verbesserte Ausgangsdaten, die für das Gespräch und die Zusammenarbeit mit den PastoralassistentInnen, Priestern und JugendleiterInnen relevant sind.“