Einmal monatlich mache ich Nachtdienst“, schildert die dienstälteste Mitarbeiterin der Seelsorge am Telefon. Um 20 Uhr beginnt ihr Dienst am Stephansplatz. „Die Nachtdienste sind durchgehend, es gibt kaum eine Pause“, so Engelmann. Über die Jahrzehnte „habe ich manchmal schon vorher im Gefühl, was kommt.“ Arbeitslosigkeit, Angst, psychische Belastungen sind die hauptsächlichen Themen.
Engelmann erzählt, dass sich das stark gewandelt hat. Früher ist es in den Gesprächen, „mehr um Isolation und Einsamkeit gegangen“. Sie hat gelernt, mit den Kräften hauszuhalten.
Wichtig ist ihr das ökumenische Miteinander in der Telefonseelsorge, die Kooperation zwischen katholischer und evangelischer Kirche.
Dazu gekommen ist die aus Schlesien stammende sudetendeutsche evangelische Christin durch den Rat eines evangelisch-lutherischen Pfarrers. „Als meine jüngere Tochter sechs Jahre alt war und die ältere ins Gymnasium kam, dachte ich mir, jetzt könnte ich wieder was machen.“
Anfang der 1970er Jahre gab es keine spezielle Ausbildung für die Telefonseelsorge. Ein Gespräch mit einem Psychiater und einem Therapeuten definierte die Eignung.
Ihr Mann Alfred, der vor vier Jahren verstarb, trug Evas Engagement immer mit. Ein Telefonat kann sehr kurz dauern, aber auch mehr als eine Stunde. „Ein Gespräch kann sehr aufbauend sein“, so Eva Engelmann. Eines das in die Tiefe geht, berührt und bewegt sie. „Es kommt viel zurück, wenn sich die Anrufer bedanken und sagen, es geht ihnen jetzt um vieles besser.“