(zum Evangelium zum 2. Sonntag im Jahreskeis Mt 3,13–17
Das Fest der Taufe des Herrn beschließt den weihnachtlichen Festkreis. In diesen Wochen haben wir drei Aspekte der Menschwerdung und „Erscheinung“ (Epiphanie) des Herrn betrachtet: Die Geburt in Betlehem, die Huldigung durch die Sterndeuter und am heutigen Sonntag die Taufe Jesu im Jordan.
In Jesus kommt Gott zur Welt: Seine Familie und die Hirten in Betlehem sind die ersten, die dies erkennen. Die Sterndeuter – die für die ganze damalige (heidnische) Welt stehen – erkennen in ihm den neugeborenen König. Johannes schließlich kündigt Jesus als den Messias an, bei der Taufe kommt der Geist auf ihn herab und die Stimme aus dem Himmel bezeugt ihn als „geliebten Sohn“. Damit schlägt das Fest der Taufe Jesu den Bogen von der Kindheit zum erwachsenen Jesus, vom Aufwachsen im Verborgenen der Familie zum öffentlichen Wirken Jesu.
Johannes kennt Jesus. Sie sind verwandt und es ist anzunehmen, dass sie einander in Kindheit und Jugend, wohl auch als Erwachsene begegnet sind. Wir wissen nicht, ob sie befreundet waren. In Auftreten und Predigt unterscheiden sich beide deutlich. Aus den Evangelien klingt neben der Vertrautheit auch immer eine gewisse Distanz mit – bis hin zu der dramatischen Frage, die Johannes aus dem Gefängnis an Jesus richtet: „Bist du der, der kommen soll?“
(Mt 11,3 – Evangelium des dritten Adventsonntags).
Das Evangelium berichtet vom Zögern des Johannes, als Jesus zur Taufe kommt. In dem, den er kennt, erkennt er den Messias. Vielleicht ist es für ihn eine große Überraschung, dass es Jesus ist, von dem er bisher gepredigt hat, dessen Kommen er den Menschen ankündigte. Die zuvor noch abstrakte Prophetie vom Messias wird konkret im Menschen Jesus – in einem, den er kennt.
Oft fällt es schwer, anzuerkennen, dass einer, den ich kenne, für mich unerwartet zum Träger einer ganz neuen Mission wird. Eine mir vertraute Person wächst in eine neue Aufgabe und Position hinein. Das zuzulassen fällt oft schwer – Jesus selbst wird es in seiner Heimatstadt und bis in die eigene Familie hinein erleben.
Lass es nur zu – im noch jungen Jahr wird Gott uns häufig überraschen. Manchmal auch durch mir nahe stehende Menschen. Unerwartet bricht er in meine vertraute Umgebung ein. Lassen wir es zu.
In jener Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.
Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?
Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.
Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.