Antwort von Kardinal Schönborn auf den Artikel „Im Namen des Vaters?“ von Dr. Tassilo Wallentin in der Ausgabe der Kronen Zeitung vom 24. 12. 2017:
Tassilo Wallentin hat einen Artikel geschrieben, in dem leider nur ein einziges Faktum stimmt: Ja, es gibt eine erneuerte offizielle katholische Übersetzung der Bibel ins Deutsche, die vom Vatikan genehmigt wurde. Aber darin findet kein „Genderwahn“ statt, entgegen den Behauptungen des Artikels.
„Adam“ ist das hebräische Wort für Mensch. Schon bisher wurde im Buch Genesis Adam meistens mit „Mensch“ übersetzt, das waren bisher 11 Stellen, nun sind es 15. An allen anderen Stellen steht auch in der neuen Übersetzung der Eigenname „Adam“.
Das Wort Gott wird nicht durch „JHWH“ ersetzt. Wo im Originaltext „Gott“ steht, wird das auch weiterhin so übersetzt. „JHWH“ ist die hebräische Schreibweise des Eigennamen Gottes. Wie bisher steht dort als Übersetzung „HERR“, jetzt in Großbuchstaben, damit man weiß, hier ist Gott mit Namen angesprochen. Es ist alte Tradition, den Namen Gottes nicht auszusprechen, deshalb wird er auch nicht ausgeschrieben.
„Söhne“ werden nicht in Kinder umbenannt. Es gibt aber Stellen, wo das Original „Söhne und Töchter“ oder eben „Kinder“ bedeutet. Dort wird so übersetzt, dass beide Geschlechter gemeint sind. Paulus spricht von der „Sohnschaft“, das bleibt auch so. Andererseits heißt es in den Paulusbriefen dort, wo die ganze Gemeinde angesprochen ist, jetzt „Brüder und Schwestern“.
Die zwölf Apostel, die Jesus begleitet haben, waren alle Männer, daran wird sich nichts ändern. Das Wort „Apostel“ kann aber auch einen weiteren Sinn haben, Bote (so muss man Apostel wörtlich übersetzen), Verkünder Jesu zu sein. Alle Christen sind berufen, Apostel zu sein. In diesem Sinne ist Paulus ein Apostel und auch einige andere, etwa die erste Zeugin der Auferstehung, die hl. Maria Magdalena oder eben „Junia“, eine Frau, der Paulus Grüße ausrichten lässt. Dass zuvor dort „Junias“ stand, hat man als Fehler in der Überlieferung erkannt. Bei den Theologen der ersten Jahrhunderte finden wir den richtigen Text.
Die erneuerte Einheitsübersetzung ändert den Bibeltext nicht. An manchen Stellen übersetzt sie richtiger und verständlicher. Es gibt sie übrigens schon mehr als ein Jahr, sie wurde sorgfältig überarbeitet, ganz treu zum Originaltext und zum Glauben. Niemand hat dabei den Bibeltext „selbst erfunden“.
Es ist gut, dass viele Menschen in der Bibel lesen. Oft tauchen dabei Fragen auf, die man Fachleuten stellen muss. Das hätte Tassilo Wallentin tun sollen, bevor er seinen Artikel geschrieben hat. So sind leider viele Menschen verunsichert worden. Mit der Bibel, dem Wort Gottes, soll man sorgfältig umgehen!
Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien
Artikel "Im Namen des Vaters?" zum Nachlesen