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25.02.2018

Erst denken, dann reden!m (Mk 9,2-10)

Gregor Jansen: Evangeliumsauslegung zum 2. Fastensonntag  (25.2.2018)

 

 

Das Wort zur Schrift

(zum Evangelium zum 2. Fastensonntag; Markus 9, 2-10)

 

Immer wieder kommt es im Evangelium vor, dass Jesus den Menschen, die durch und mit ihm eine besondere Erfahrung gemacht haben, verbietet, darüber zu sprechen. Geheilte sollen schweigen – wobei wir gerade bei Markus wiederholt lesen, dass sie sich nicht an das Redeverbot halten, sondern „bei jeder Gelegenheit“ (Mk 1,45) über die erfahrene Heilung erzählen.


Auch Petrus, Jakobus und Johannes bekommen nach der außergewöhnlichen Erfahrung der Verklärung Jesu, deren Zeugen sie geworden sind, ein Schweigegebot auferlegt. Sie sollen „niemandem erzählen, was sie gesehen hatten“ (Mk 9,9). Bis zur Auferstehung Jesu gilt dieses Redeverbot, das vielleicht insbesondere dem Petrus, den wir als impulsiven Charakter kennen, schwer gefallen sein könnte.

 

Statt darüber zu reden, sollen die Jünger darüber nachdenken und im gegenseitigen Austausch das Erlebte erörtern und so ihr Verständnis vertiefen.

 

Das ist ein gutes „Programm“ für die Fastenzeit, die österliche Vorbereitungszeit: Über das, was ich glaube, nachdenken, in der Gemeinschaft von Vertrauten diskret austauschen und erörtern, im gemeinsamen Hören und Teilen das Verständnis vertiefen.

 

Und erst dann, gleichsam „nach der Auferstehung“, öffentlich darüber sprechen.

 

Was für das religiöse Sprechen gilt, möchte ich auch in den anderen Bereichen der Kommunikation einüben. Wie oft liegt mir in einem Gespräch ein Kommentar, eine Antwort auf der Zunge (oder in den allgegenwärtigen „social media“ in den Fingern auf der Tastatur), die ich so rasch wie möglich loswerden möchte.

 

Und wie oft ist diese Antwort „treffend“ in dem Sinn, dass sie nicht unbedingt das Thema, aber die Person eines Mitdiskutierenden trifft, ihn/sie angreift oder bloßstellt.

 

Wie schnell können wir mit Worten, spitzen Pointen und unüberlegten Kommentaren andere verletzen. Wie oft warte ich nur auf einen kleinen Fehler des anderen, den ich dann genüsslich aufgreifen kann.

 

Wie schnell lasse ich mich verführen, auf eine Provokation einzusteigen und das Gespräch eskalieren zu lassen.


Ein Fastenvorsatz wäre es doch, erst dann etwas zu sagen/zu schreiben/zu vertreten, wenn ich darüber eine Weile nachgedacht habe, wenn ich versucht habe, mich auf den Gedankengang des anderen einzulassen, andere Argumente zu würdigen und mich bemühe, sie zu verstehen.

 

Zugegeben: Das ist nicht gerade die Art von Gespräch, die uns im öffentlichen Diskurs derzeit vorgelebt wird. Hier geht es oft um das schnelle Punkten im „Duell“ der Diskussionspartner, die sich meist als Gegner verstehen.


Papst Johannes XXIII. hat diesen Vorsatz in seinen „10 Geboten der Gelassenheit“ (die alle mit den Worten „Nur für heute…“ beginnen) so formuliert: „Ich werde niemanden kritisieren; ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern... nur mich selbst.“ Auch wenn es oft schwer fällt.

 

 

Evangelium

nach Markus 9, 2-10

 

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.


Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus.


Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen.


Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus.


Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.


Dieses Wort beschäftigte sie, und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.