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24.05.2018

Handhaltungen: Falten, ausbreiten oder irgendwie halten

Was tun mit den Händen beim Gottesdienst? Gibt es eine gleichsam vorgeschriebene und damit offizielle Haltung der Hände beim Gottesdienst?

SONNTAG-Leser Helge Schöner aus der Pfarre Semmering berichtet in seinem Leserbrief von seinen Eindrücken, dass nämlich immer mehr Gottesdienstmitfeiernde mit ausgebreiteten Händen beten. Ihm kommt diese Gebetshaltung „theatralisch“ vor.

 

Was steckt dahinter?

 

Gibt es eine gleichsam vorgeschriebene und damit offizielle Haltung der Hände beim Gottesdienst?

 

Was sagt die Heilige Schrift über die Haltung der Hände?

 

Und wenn wir schon stehen, was machen wir dann mit den Händen?

 

Ein Blick in unsere eucharistiefeiernden Gemeinden zeigt hier die unterschiedlichsten Varianten: Manche verschränken die Arme, viele falten die Hände, wieder andere beten mit zu einer Schale geöffneten Händen, wieder andere beten mit den an den Körper angelegten Händen und viele beten mit verschränkten Fingern.


Faktum ist: Laut Psychologie ist die Körpersprache genauso wichtig wie das gesprochene Wort. Nonverbal drücken wir (oft unbewusst) viel aus, gerade auch im Bereich des Glaubens. Mit der Hand „hand-elt“ der Mensch, er „be-greift“ damit die Wirklichkeit.


„... soll man stehen ...“

Wir begeben uns auf Spurensuche und konzentrieren uns auf den Gottesdienst der Kirche, nicht auf das persönliche Gebet. Vielleicht finden sich in den
liturgischen Vorschriften konkrete Hinweise.

 

Eine grundsätzliche, aber sehr knappe Feststellung über die Gebetshaltungen generell, also Stehen, Sitzen oder Knien, ist schnell gefunden.

 

„Soweit keine andere Regelung getroffen wird, soll man in allen Messfeiern stehen“, heißt es nüchtern in der „Allgemeinen Einführung in das Römische Messbuch“ (Nr. 21).

 

Sitzen soll man während der Lesungen, beim Antwortpsalm, zur Homilie und zur Gabenbereitung.

 

Knien ist bei der Konsekration, Wandlung, vorgesehen.

 

Also generell „Stehen“, nicht nur bei den Gebeten.


Das zweite Eucharistische Hochgebet formuliert ganz klar: „Wir danken dir, dass du uns gerufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen“ – während in vielen Kirchen viele Betende schon wieder sitzen … Doch was dann tun mit den Händen?


Mit ausgestreckten Armen

Einen weiteren Hinweis liefert die Heilige Schrift. Wir Christen übernahmen das Stehen von den Juden als Haltung beim persönlichen Gebet und bei der gottesdienstlichen Versammlung.

 

„Die“ biblische Gebetshaltung ist also jene des Stehens mit den gegen den Himmel erhobenen Armen. König Salomo und der Apostel Paulus hoben beim Beten die Hände, was ihr Flehen und auch ihre Bereitschaft, von Gott etwas zu empfangen, ausdrückte.

 

Diese Haltung wird „Oranten-Haltung“ genannt, ein „Orante“ (lateinisch, „orare“, „beten“) ist ein Betender mit ausgestreckten Armen. In der frühen Christenheit finden sich in den Katakomben Fresken, die Betende zeigen, die mit ausgestreckten Armen stehen.

 

Eine Möglichkeit der Interpretation: Die Hände ganz nach oben auszustrecken, kann ausdrücken, dass wir uns wünschen, dass Gott an uns handelt. Strecken wir die Hände eher nach vorn aus, zeigen wir, dass wir uns von ihm führen lassen wollen.


Wie ein Pfeil zum Himmel ...

Diese „Orantenhaltung“ war jahrhundertelang die normale Gebetshaltung. Heute nimmt in unserer Kirche nur noch der Priester die „Orantenhaltung“ ein und zwar bei den sogenannten „Amtsgebeten“ (Tagesgebet, Gabengebet, Hochgebet und Schlussgebet) und beim Vaterunser.

 

Gerade beim Vaterunser gibt es dann die Vielfalt der Hände-Haltungen in unseren Gottesdiensten. Nicht nur bei Gläubigen aus dem charismatischen Umfeld.

 

In seinem Werk „Über das Gebet“ schreibt der große Theologe des Altertums, Origenes, über die Körperhaltung, die er bevorzugt: „... Stehend, mit ausgestreckten Händen und emporgerichteten Augen ...“ 

 

Die Orantenhaltung, zum Himmel erhobene, geöffnete Hände, ist in vielen Religionen verbreitet. So, als ob der Mensch den Himmel „berührt“. „Die Hände erheben verstärkt die bewusste Zuwendung zu Gott: Das Gebet gleicht einem ,Pfeil‘, der zum Himmel gesandt wird, und diese Form nimmt der Leib des Betenden an“, schreibt die Wiener Universitätsprofessorin für die Theologie der Spiritualität, Marianne Schlosser, in ihrem Buch „Erhebung des Herzens. Theologie des Gebetes“.


Nicht vergessen werden darf, dass der Priester die Amtsgebete einleitet mit den Worten: „Lasset uns beten.“ Es betet also nicht der Priester allein, sondern alle beten (mit), dies könnte sich auch deutlicher in der Haltung der Hände ausdrücken.

 

Die gefalteten Hände, millionenfach verbreitet durch Albrecht Dürers „Betende Hände“, werden auf germanischen Einfluss zurückgeführt. Damit sind die flach aneinander gelegten Hände erst spät in den Gottesdienst und in das Gebetsleben gekommen.

 

Wer sich freiwillig einem Lehens-Herrn unterwarf und zum Dienst verpflichtete, legte ihm seine gefalteten Hände in die Hände.

 

Die Geste drückt Verehrung, Unterwerfung und Abhängigkeit aus. Diese Gebärde wurde als Ausdruck einer inneren Haltung auf die Beziehung zu Gott übertragen. Händefalten meint: Treue zu Gott, außerdem Zeichen der inneren Sammlung und Ruhe.

 

Zusammengelegte Hände bei der Weihe

Heute findet sich dieser Gestus noch in der Priesterweihe: Der Weihekandidat legt seine zusammengelegten Hände in die Hände des Bischofs und verspricht ihm Ehrfurcht und Gehorsam.

 

Das Zusammenlegen (Falten) der Hände ist in vielen anderen Religionen, etwa auch im Hinduismus und Buddhismus, bekannt. In der Volksfrömmigkeit wurden die zusammengelegten, gefalteten Hände zum bestimmenden Ausdruck des Betens. „Fromm“ wurde und wird oft gleichgesetzt mit gefalteten Händen.

 

Während die ausgebreiteten Hände im Stehen eher Ausdruck des dankbaren, zugleich aber auch selbstbewussten Gotteslobes sind, Anteil zu haben an der Auferstehung Christi, kommt in den gefalteten Händen eher das demütige Bekenntnis der Abhängigkeit von Gott zum Ausdruck. Das Gebet mit verschränkten Fingern tauchte dann in der Reformation auf.
 

Die Hände zu Schalen geformt

Aus italienischen Gottesdiensten bekannt sind die Hände vor dem Körper, die eine Schale bilden. Italiener vollziehen diese Geste gerade auch bei den „Amtsgebeten“ der Priester, sie zeigen damit, dass sie innerlich und äußerlich „mit“beten.

 

Dies ist die Haltung der Offenheit und Aufnahmebereitschaft Gott gegenüber: Ich halte ihm meine leeren Hände hin. Geöffnete Hände verweisen auf die Annahme des Wortes Gottes, auf die Öffnung zu Gott hin, zu allem, was von ihm kommt. Die Hände beim Gebet zu einer Schale zu formen ist mit der Einführung der „Handkommunion“ in der Folge des II. Vatikanischen Konzils üblicher geworden.


Die gekreuzten Hände

Das Kreuzen der Hände über der Brust hat einen orientalischen Ursprung. Es findet sich in der byzantinischen Kirche, wo beispielsweise die Kommunikanten diese Haltung einnehmen. Bei Ordensgelübden ist dies auch bei uns noch vielerorts eine übliche Haltung, die Hingabe und gleichzeitig volles Vertrauen zeigt.