Die strukturellen Veränderungen in der Erzdiözese Wien, die einen Teil der Wiener Diözesanreform ausmachen, dürften länger dauern als geplant. Das hat der Wiener Generalvikar Nikolaus Krasa in einem Interview in der Tageszeitung "Die Presse" (Donnerstag, 27. September 2018) eingeräumt.
Gründe für die Verzögerung der Reform, die u.a. die Zusammenführung von Pfarren und die Gründung von großräumigeren "Pfarren neu" bis 2022 vorsieht, sei die hohe Komplexität der Erzdiözese mit ihren rund 660 Pfarren, die unterschiedlichen rechtlichen Konstruktionen etwa im Blick auf die vielen Ordenspfarren sowie Skepsis an der pfarrlichen Basis. "So schnell, wie wir uns das vorgestellt haben, bewegen wir uns nicht", so Krasa. Daher werde die Reform im Blick auf Strukturänderungen "vielleicht ein wenig länger dauern".
Unterschätzt habe man ein stückweit die "kirchliche Realität vor Ort" und die "komplexe Struktur der Diözese, die wesentlich weniger hierarchisch ist, als sie aussieht", unterstrich der Generalvikar. Und auch die Tatsache, dass nahezu die Hälfte der Pfarren der Erzdiözese von Ordensgemeinschaften betreut würden, bedeute "zusätzliche Gesprächsprozesse", die schließlich zur Verzögerung beitragen würden. Man habe sich schließlich bewusst entschieden, auf die Anliegen der Menschen vor Ort zu hören und nichts "am grünen Tisch" zu entscheiden bzw. nicht zu sagen "Ab einem Stichtag wird alles zusammengelegt".
Insgesamt sei man jedoch - auch wenn es verständlicherweise angesichts neu gesteckter Ziele immer auch Widerstände gebe, - auf einem guten Weg: Man habe es geschafft, "dass eine Bewegung entstanden ist, die durch die gesamte Diözese geht", so der Generalvikar. Pfarren würden den Mehrwert der Kooperation erkennen und sich auf die Bedeutung missionarischen Auftretens besinnen. "Es ist uns auch gelungen, das Thema, dass wir uns unserer Wurzeln neu besinnen und viel, viel mehr zusammenarbeiten, ganz weit in die Diözese zu streuen".
Krasa äußerte sich gegenüber der "Presse" aus Anlass der fünften Wiener Diözesanversammlung, die am Donnerstagabend im Wiener Stephansdom beginnt und bis Samstag dauern wird.
Dass auf dieser Versammlung auch weltkirchlich aktuelle Themen wie etwa die Missbrauchskrise oder die Angriffe auf Papst Franziskus angesprochen bzw. thematisiert werden könnten, halte er durchaus für möglich, so Krasa - etwa beim "offenen Mikrofon", bei dem Teilnehmer ansprechen können, was ihnen aktuell auf dem Herzen liegt. Zur Frage, ob die Erzdiözese Wien beim aktuellen Thema Missbrauch "alle Hausaufgaben" gemacht habe, führte Krasa aus: "Da ist viel geschehen. Trotzdem muss man sich fragen: Waren das alle Hausaufgaben, und sie sie alle gut gemacht? Wir versuchen nicht, uns auf dem Erreichten auszuruhen."
Trotz weiterhin hoher Austrittszahlen zeigte sich der Generalvikar zuversichtlich: Es gebe eine wachsende Zahl an Taufbewerbern, auch würde es durchaus Pfarren geben, die es geschafft hätten, einen hohen Katholikenanteil zu halten. Dennoch gehe aus den nüchternen Zahlen der Auftrag hervor, das Thema Mission offensiv anzugehen und sich zu fragen, "wie wir bessere Jünger Jesu werden können". Die Diözesanversammlung biete dazu eine "Gemeinsame Orientierung, Motivation und einen Energieschub", zeigte sich Krasa überzeugt.