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24.01.2019

Ordensleute haben „offene Herzen und offene Hände“

„Ordens“-Bischofsvikar P. Gerwin Komma SJ über das Charisma der Ordensgemeinschaften.

 

 

Ordensleute sind Menschen, die mit einem offenem Herzen auf die Menschen zugehen, die um Gottes Beistand beten, auch in den Anliegen der Menschen, und die offene Hände haben, und die teilen, was sie sind und was sie haben“, sagt  P. Gerwin Komma SJ, seit Ostern 2018 Bischofsvikar für die „Institute des geweihten Lebens“, vereinfacht gesagt für die „Orden“ und Säkularinstitute in unserer Erzdiözese.

 

Ordensleute würden „für Glaube und Gerechtigkeit eintreten, hier deutliche Spuren hinterlassen und Bruchlinien aufzeigen und die Kirche aufrütteln und sagen: Hier gilt es einzutreten für alle, die in Not sind.“

 

Pater Komma ist seit 1967 Mitglied der Gesellschaft Jesu, der Jesuiten. Geboren in Brünn und aufgewachsen in Wien, fühlt er sich daher als „echter Wiener“. Für  seinen Orden war er u. a. in Innsbruck, in Linz, in Wien, in Straßburg/Brüssel, in Rom und in Brixen/Südtirol tätig.

 

Das Charisma des Jesuitenordens fasst P. Komma so zusammen: „Es ist ein Mitdenken und Mitfühlen mit der Kirche und als Kirche.“ Die ignatianische Unterscheidung der Geister befähigt dabei im Dreischritt von „Unterscheidung, Entscheidung und Entschiedenheit“ zu einer indifferenten Haltung, die möglichst frei von Vorlieben und Abhängigkeiten dazu beiträgt, für den Willen Gottes sensibel zu sein und dem Magis, der je größeren Ehre Gottes entsprechend, zu handeln.  


Die Vielzahl der Orden in der Erzdiözese

„In der Erzdiözese Wien gibt es laut letzter Statistik 57 männliche Ordensgemeinschaften mit 620 Mitgliedern, weiters 52 weibliche Gemeinschaften mit 978 Mitgliedern“, zählt P. Komma auf: „Dazu kommen neun Säkularinstitute, die auch unter dem Anspruch der Evangelischen Räte (Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam) leben, aber nicht unbedingt in Kommunitäten, sowie eine ganze Reihe neuer Gemeinschaften.“ 

 

Nicht vergessen werden dürfe auch der Bereich der Schulen, Heime, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Österreichweit besuchen ca. 74.000 Schüler Ordens-Schulen, die ähnlich den 23 Ordensspitälern vom Geist der jeweiligen Ordensgemeinschaft geprägt sind.


Orden als Zweige am Stamm der Kirche

Gefragte, was der Kirche in unserer Erzdiözese Wien fehlen würde, wenn es keine Orden gäbe, antwortet P. Komma: „das Wesentliche der Stadt“, und verweist beispielsweise auf das Dekanat Wien 1 (Bezirk Innere Stadt), das, abgesehen von der Dompfarre, von Ordensgemeinschaften geprägt ist.

 

Bei einer Kirche ohne Orden würden „mächtige Zweige am Stamm der Kirche Jesu Christi“ fehlen. „Die Kirche ist das Volk Gottes, und in diesem Volk Gottes hat es über die Jahrhunderte immer wieder Bewegungen gegeben, die letztlich zu der Gründung von Ordensgemeinschaften geführt haben, von den Wüstenvätern bis in unsere Zeit, wo es eine ganze Reihe von neuen Gemeinschaften gibt“, sagt P. Komma: „Unter diesem Aspekt blüht und sprießt die Kirche auch heute.

 

Es wird sich dabei immer wieder zeigen, was nach zwei, drei Generationen übrigbleibt. Manche Zweige sind dann auch herausgebrochen oder sterben ab, und andere wachsen neu nach.“


Ordensleben: Evangelium als Maßstab

Charakteristisch für das Ordensleben sei „das Evangelium, die Lebensweise Jesu als absoluter Maßstab“, unterstreicht P. Komma, „und immer auch die Rückkehr zum Ursprung, zum Geist der Gründer“: „Wie ist dieses Institut in der Gründerzeit fruchtbar geworden und wie kann das dem ,aggiornamento’ entsprechend auch heute geschehen?“

 

P. Komma: „Der Heilige Geist, um den wir manchmal so locker beten, kann uns ganz schön durcheinanderbringen. Lernen wir immer wieder auf das Wirken des Geistes zu hören und beten wir um ihn.“