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22.02.2019

Sakramente: Zu komplex für eine einheitliche Lösung

Die „neue Marschrichtung“ für die Praxis der Sakramente von Erstkommunion und Firmung.

 

 

Am vergangenen Wochenende haben rund 200 Personen an wichtigen Studientagen im Kardinal König-Haus in Wien teilgenommen. Dabei wurde noch einmal über die derzeitige Praxis der Abwicklung und Vorbereitung der Sakramente Erstkommunion und Firmung – und damit verbunden Beichte – gesprochen, gebrainstormt und auch die derzeitigen Probleme aufgezeigt.

 

Vorausgegangen ist diesen Studientagen eine groß angelegte Pfarrumfrage. Jetzt stehen mehr als 50 Erkenntnisse fest – die gleichzeitig auch Arbeitsfelder sind.

 

Denn in allen Erkenntnisfeldern werden jetzt im nächsten Schritt konkrete Entscheidungsvorschläge für die Diözesanleitung erarbeitet. Diese soll dann im Mai entscheiden, wie es mit Erstkommunion, Firmung und Kinder- und Jugendbeichte in unserer Erzdiözese in Zukunft weiter geht.

 

Hier die wichtigsten Erkenntnisse (in redaktioneller Reihenfolge) aus dem bisherigen Prozess, bei dem alle Pfarren eingeladen wurden, sich zu beteiligen. Das haben mehr als 40 Prozent auch gemacht, wodurch die Erkenntnisse für unsere Erzdiözese repräsentativ sind:

 

1. Selbstständige Entscheidung
Insgesamt gibt es eine breite Einigkeit darüber, dass Kinder und Jugendliche sich selbstständig für die Sakramente entscheiden sollen. Damit direkt verbunden:

 

2. Das richtige Alter
Speziell in Bezug auf die Firmung zeigen die Ergebnisse aus der Pfarrbefragung und auch die Eindrücke von den Studientagen, dass das derzeitige Firmalter mit 14 als zu jung empfunden wird. Das erleben beteiligte Firmvorbereiter, Priester und Ehrenamtliche als herausfordernd und schwierig. Die Frage wird sein, wann das richtige Alter für eine bewusste Entscheidung von Jugendlichen für die Firmung ist.


3. mehrjährige Begleitung
Da offensichtlich weniger als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen nach der Feier der Sakramente in der Gemeinde noch sichtbar sind, gilt es zu entscheiden, wie lange eine entsprechende Erstkommunion- und Firmvorbereitung dauern sollte, sodass auch längerfristig ein Bezug zur Pfarre gegeben ist. Die Überlegungen gehen hierbei bis hin zur Möglichkeit einer mehrjährigen Begleitung in der Sakramentenpastoral.


4. Die Eltern sind entscheidend

Die Zusammenarbeit mit den Eltern gilt als Schlüssel für gelingende Sakramentenpastoral. Deshalb wird in den kommenden Wochen an Konzepten gearbeitet, die es ermöglichen, dass Familien (insbesondere Eltern) bei den Sakramentenvorbereitungen gut erreicht und von Anfang an mitbeteiligt werden.


5. Beziehung
Klar herausgekommen ist, dass eine wichtige Voraussetzung für gute Sa­kramentenpastoral darin liegt, eine gute Basis – also eine Beziehung – zu den Jugendlichen aufzubauen. Das erfordert Bereitschaft und Zeit von Ehrenamtlichen und Jugendlichen.


6. Zeit-Knappheit

Im Konflikt mit dieser Erkenntnis, also dass nachhaltige Sakramentenvorbereitung idealerweise über einen längeren Zeitraum geht (Stichwort: mehrjährig), Beziehungsaufbau beinhaltet und auch die Eltern mitbeteiligt, steht die Erkenntnis, dass die Zeitplanung von Kindern und Erwachsenen als schwierig zu vereinbaren scheint.

 

Die Ergebnisse zeigen hier recht deutlich, dass Jugendliche oft angeben, „keine Zeit“ für Kirche zu haben und auch die Angebote der Pfarren sind zeitlich nicht immer so ausgerichtet, dass sie terminlich etwa auf berufstätige Eltern zugeschnitten sind. Das scheint eine der größten Herausforderungen zu sein.

 

7. Qualität
Ehrenamtliche brauchen gute Begleitung und gute Unterlagen. Außerdem gelten gehaltvolle Inhalte auch für die Kinder und Jugendlichen als Schlüsselfaktor. In den kommenden Wochen und Monaten stellen sich die Verantwortlichen deshalb die Frage, wie die entsprechenden Materialien zeitgemäß, kompakt und ausgewählt gestaltet werden können.

 

8. Taufe
Immer mehr Kinder werden erst im Zuge der Erstkommunionsvorbereitung getauft. Darauf ist aber die bisherige Vorbereitung nicht wirklich ausgerichtet, die eher auf Kinder abzielt, die bereits getauft sind. Deswegen gilt es hier Konzepte zusammenzutragen und weiterzuentwickeln, wie Kinder im Grundschulalter auf die Taufe vorbereitet werden können.

 

9. Beichte
Die Beichte im Kinder- und Jugendalter wird von den meisten pfarrlichen Mitarbeitern als sehr schwieriges Thema betrachtet. Viele Seelsorger stehen vor der Herausforderung, dass Eltern von Kirche und Glaube entfremdet sind, was besonders im Blick auf die Beichte zum Ausdruck kommt.

 

Dass die eigenen Kinder „Sünder“ sind, ist eine Vorstellung, die gerade kirchenfernen Eltern komplett fremd ist. Deshalb geht es darum, Beichtfeste und Beichtwege sichtbar zu machen, die kinder- und jugendgerecht sind und keine abschreckende Wirkung haben.