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05.05.2019

Mitten im Alltag (Joh 21, 1-19)

Andrea Geigers Evangeliumsauslegung zum 3. Sonntag der Osterzeit (5. Mai 2019)

 

Das Wort zur Schrift - meine Gedanken zum Evangelium

Impuls - Inspiriert vom Evangelium

 

zum 3. Sonntag der Osterzeit; Johannes 21, 1-19

 

Als ich ein Kind war – und auch noch sehr viel später – war Christsein und Kirche für mich etwas ganz Außergewöhnliches. Ja, fast spektakulär… Das findet am Sonntag statt. Man zieht sich dafür extra schön an – Sunntaghäs (wie es in Vorarlberg heißt) und man benimmt sich irgendwie speziell…

 

Simon Petrus sagt „Ich gehe fischen.“ Und die anderen sagen „Wir kommen auch mit.“ Das ist nichts Außergewöhnliches. Das ist absolut normal. Das ist Alltag. Schließlich sind sie alle Fischer. Das ist ihr Job. Das haben sie gelernt. Das können sie.

 

Allerdings heißt es, dass sie in dieser Nacht keinen einzigen Fisch gefangen haben. Man kann das Scheitern nennen – mitten im Alltag.


Eine merkwürdige Logik – genau in diesem Moment steht Jesus am Ufer und empfängt die erfolglosen Fischer mit der Frage „Habt ihr keinen Fisch?“ Und dann fordert er sie auf, nochmal rauszufahren und das Netz auf der rechten Seite auszuwerfen. Als ob die Seite entscheidend für den Erfolg wäre…

 

Irgendwie fast zynisch. Warum auch immer diese Profi-Fischer auf den seltsamen Rat eines Unbekannten gehört haben – sie hatten damit Erfolg. Der Unbekannte war sich seiner Sache sicher. Denn während die einen mit Fischen beschäftigt waren, hat er bereits ein Feuer gemacht.


Nicht im Scheitern, im Erfolg erkennen sie den Unbekannten als ihren Herrn und Mentor. Aber im Scheitern begegnet er ihnen, mitten im Alltag, unerkannt, baut auf, motiviert, ermutigt – das zu tun, was sie können – ohne langes Erklären.  Und dann am Ufer sorgt er sich um das kräftigende Frühstück für alle.

 

Alltag. Nach dem Frühstück – gestärkt und fit für alle Herausforderungen des Lebens – geht es um das Fundament. Nein, keine Theorie, kein Regelwerk, kein komischer Firlefanz… – Jesus, der Auferstandene, stellt nur eine Frage: „Liebst du mich?“


Wenn ich liebe, ist mein Alltag durchflutet von Liebe. Wenn ich wirklich liebe, fange ich an zu leiden, wenn ich nicht liebe, nicht aufmerksam bin, grantig, egoistisch oder unehrlich oder…


Jesus, der Auferstandene, begegnet mir mitten im Alltag, in dem, was ich so mache – Tag für Tag. Und gerade im Scheitern ist er da. Und – er erwartet nichts Unmögliches von mir, keine Sonder- oder Höchstleistungen – will einfach nur da sein, mit mir sein. 

 

Evangelium

nach Johannes 21, 1-19

 

Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.

 

Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.


Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

 

Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.


Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.

 

Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.

 

Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!


Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.

 

Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.

 

Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

 

Der Auftrag an Petrus und sein Ruf in die Nachfolge
Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.

 

Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.

 

Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Liebst du mich? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!


Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott  verherrlichen werde.

 

Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!  

 

 

 

Impuls

Inspiriert vom Evangelium

 

Wie schaut mein Alltag aus?  
Was kann ich?
Was mache ich gerne?

 

Wenn Jesus mich fragt: „Liebst du mich?“
Antworte ich …

 

Jesus, danke,
dass du meinen Alltag mit Liebe durchflutest!  –  

Auch wenn ich nur mühsam aufmerksam
auf andere werde…

 

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