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Styria
23.07.2019

Auftanken im Augarten

Der Augarten in Wien-Leopoldstadt gilt als der älteste Barockgarten Wiens.

 

 

Der Augarten ist Kraftort für die Wiener. Man könnte ihn auch als unaufgeregtes Paradies bezeichnen, das uns vermittelt: „Genieße, sei wie du bist und hol dir Kraft!“ Er ist die älteste barocke Gartenanlage Wiens und lädt auf über 50 Hektar zum Spazierengehen, Schlendern, Spielen und Ausruhen ein.
 
„Der Augarten ist absolut ein Kraftort“, ist auch Heimatforscher und Fotograf Robert Bouchal überzeugt. „In jeder Jahreszeit zeigt sich, dass diese grüne Oase inmitten der Stadt eine unglaublich wichtige Erholungszone mit sehr viel verbindenden Elementen ist.“


Ein Kraftort und die Katastrophen der Geschichte

Die Ursprünge der Gartenanlage reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Angesichts der Katastrophen, die er überstanden hat, muss der Augarten wahrlich ein Kraftort sein:

 

  • Während der zweiten Wiener Türkenbelagerung im Jahr 1683 wurde die gesamte Anlage zerstört. Kaiser Karl VI. beauftragte 1712 den Gartenarchitekten Jean Trehet, der auch den Garten des Belvedere und den Park von Schönbrunn gestaltet hat, den Augarten in französischem Stil neu anzulegen.
     
  • Während der Wiener Hochwasserkatastrophe von 1830 wurde der Augarten völlig überschwemmt, das Wasser stand 1,75 Meter hoch. An der Innenseite des Hauptportals und bei dem Tor nahe der Castellezgasse erinnern zwei Gedenktafeln an dieses Schreckensereignis und an den Schiffsmeister Johann Lassingleithner, dem es gelang, unzählige Menschen vor dem Ertrinken zu retten.
     
  • Die schlimmsten Schäden erfuhr der Augarten während des Zweiten Weltkrieges: Hunderttausende Kubikmeter Schutt wurden abgeladen, für den Bau zweier riesiger Flaktürme legte man Feldbahngeleise durch die Gartenanlage, zahllose Betonfundamente und Sockel zerrissen den  Rasen. Als im April 1945 die letzte Kriegsschlacht tobte, rasselten die Panzer kreuz und quer zwischen hunderten Bombentrichtern.


Heute sind diese Wunden geschlossen, doch erinnern die beiden mächtigen Flaktürme mahnend an diese Zeit.
 

Faszination der Flaktürme

Heimatforscher Robert Bouchal hat die Flaktürme des Augartens erforscht und ist den Geschützturm, 55 Meter hoch, hinaufgestiegen: „Niemand kann sich der Faszination dieser gewaltigen, auch als moderne Burgen bezeichneten Bauwerke entziehen“, sagt Robert Bouchal. „Hat man einmal den Feuerleitturm und sein Pendent, den Geschützturm, entdeckt, wird man davon wie magisch angezogen.“

 

Besonders beeindruckte den Fotografen die Aussicht vom Dach des Geschützturmes: „Wenn Sie da oben stehen und runter schauen, dann sehen Sie erst, wie schön dieser Augarten ist“. In einem atemberaubenden und absolut sehenswerten Video kann Bouchals Besteigung des Geschützturms im Augarten mitverfolgt werden (Videotipp).

 
Robert Bouchal betont: „Ein wesentlicher Faktor für einen guten Kraftort ist der Einbezug der Natur. Wien ist eine wunderschöne Stadt! Wir haben so ein Glück, dass wir noch so viel Baumbestand haben.“

 

Mögen die Grünflächen dieser Stadt erhalten und vor Spekulanten geschützt werden, damit wir auch in Zukunft noch den Ruf vernehmen können: „Genieße, sei wie du bist und hol dir Kraft!“