In Köln, außerhalb der Stadtgrenze, wurden 1163 sechs Männer und zwei Frauen als Häretiker verbrannt. Abt Eckbert von Schönau war wahrscheinlich Zeuge der Hinrichtung. Er bezeichnete sie als Katharer. Daraus leitet sich das deutsche Wort „Ketzer“ ab.
Katharer gab es nicht nur im Rheinland und in Flandern. Die Volksbewegung entwickelte sich dann vor allem in Südfrankreich wie auch in einer Reihe von Städten in Oberitalien.
Das südfranzösische Albi in der Nähe von Toulouse war eine zentrale Stadt für sie, so dass die Katharer auch „Albigenser“ genannt wurden. Sie waren die größte religiöse Bewegung des Mittelalters, die aus vielen unterschiedlichen Gruppen mit unterschiedlichen Ritualen bestand.
Diese Bewegung erfasste vor allem Laien, Männer wie Frauen. Ihre Mitglieder bezeichneten sich selbst als boni homines oder bonhommes, gute Menschen oder gute Christinnen und Christen.
Zum inneren Kreis zählten die „Vollkommenen“ (lat. perfecti und perfectae), dazu gab es die einfachen Gläubigen (lat. credentes), die Hörer und Hörerinnen ihrer Predigten (lat. audientes), ihre Unterstützer und Anhängerinnen. Die Perfecti zogen von Ort zu Ort und übernachteten bei den sie unterstützenden Gläubigen. Dort kamen die Leute im Verborgenen zusammen und hörten ihre Predigten. Die einen sorgten also für das Heil, die anderen für das Auskommen der Asketen.
Die Katharer mit ihren zahlreichen Sympathisanten waren eine antiklerikale Reformbewegung und wurden der etablierten Kirche gefährlich. Allein in Südfrankreich gab es sieben Katharerbistümer. Sie wurden von vielen lokalen Adeligen unterstützt.
Die Katharer wurden zunächst durch Predigten zu bekehren versucht. Auf dem dritten Laterankonzil 1178 wurden sie aus der Kirche ausgeschlossen. Papst Innozenz III. (1198–1216) begann den blutigen Kreuzzug gegen die Katharer. Er verstand Ungehorsam gegen Papst und Kirche als Häresie.
Der Albigenserkreuzzug 1209–1229 wandte das kriegerische Mittel der Kreuzzüge gegen andersdenkende Christen und Christinnen an und zerstörte eine blühende Kulturlandschaft Europas. In Zusammenarbeit zuerst mit den Zisterziensern und später mit den Dominikanern unterwarf das nordfranzösische Königtum gewaltsam die südfranzösischen Gebiete.
Schließlich wurden die Katharer jahrzehntelang durch die neue, von Papst Gregor IX. (1227–1241) eingeführte Institution der Inquisition verfolgt. Sie hielten sich dann noch weiter im Untergrund.
Der letzte „Vollkommene“ in Frankreich wurde 1321 verbrannt, bis zum Ende des 14. Jahrhunderts waren die Katharer auch in Italien gewaltsam ausgerottet.
Versprichst du, nun nicht mehr Fleisch, Eier, Käse oder irgendein Fett zu essen außer von Wasser und Holz? Nicht zu lügen, zu schwören, kein Kriechtier zu töten, keine körperliche Lust zu üben, nicht allein zu gehen, wenn du einen Gefährten haben kannst, nicht allein zu essen, nicht ohne Hemd und Hose zu schlafen, den Glauben nicht aus Furcht vor Feuer oder Wasser oder einer anderen Todesart zu verlassen?
Aus dem Gelöbnis beim Consolamentum (gemäß einer Prozessakte)
Greift die Ketzer an, furchtloser, als ihr die Sarazenen angegriffen habt, denn die Ketzer sind schlimmer! Vorwärts, Christi Soldaten!
Aufruf von Papst Innozenz III. zum Albigenserkreuzzug
Tötet sie alle!
Es kennt der Herr die Seinen!
Arnold Alméric (Zisterzienserabt und päpstlicher Legat) vor der Erstürmung der Stadt Béziers. Das Kreuzzugsheer aus Nordfrankreich richtete dort nach kurzer Belagerung 1209 ein Blutbad an.
Mit Exkommunikation und Anathem belegen wir jede Häresie, die sich gegen diesen heiligen, rechtgläubigen und katholischen Glauben erhebt … So verurteilen wir sämtliche Häretiker aller Denominationen, die zwar verschiedene Gesichter haben, aber an ihren Schwänzen zusammengebunden sind, weil ihr Unsinn auf dasselbe hinausläuft. Die Verurteilten werden den anwesenden weltlichen Gewalten oder deren Vögten überlassen. Sie sind mit der gebührenden Strafe zu bestrafen ….
Beschluss am Vierten Laterankonzil 1215 (Dokumente)

von em. Univ.-Prof. Dr. Josef Weismayer lehrte Dogmatische Theologie an der Uni Wien
Das Wort „Ketzer“ kommt vom Namen „Katharer“, aber man kann ernsthaft fragen, ob man diese Gruppe wirklich zu den Christen zählen kann. Die Katharer haben ihren Wurzelgrund bei den Bogomilen am Balkan mit ihrem dualistischen Glauben.
Im 11. und 12.Jh. gewann diese Lehre konkrete Gestalt in Frankreich, in Spanien, in Italien. Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts stellten sich die Katharer als eine gute organisierte „Gegenkirche“ dar. Asketisch lebende Wanderprediger beeindruckten in einer Zeit, die durch Armutsbewegungen in der Kirche geprägt war.
Sie bezeichneten sich selbst als „Gute Menschen“, als „boni homines“. Zum innersten Kreis gehörten die „Vollkommenen“. Durch eine Art Geisttaufe, das „consolamentum“, wurde man in den innersten Kreis aufgenommen.
Der tiefste Grund ihres Glaubens, der eher im Hintergrund gehalten wurde, war die Lehre von zwei Grundprinzipien: Geist und Materie. Dem guten Schöpfergott steht fast unversöhnlich der Teufel gegenüber.
Sie bekannten nicht – mit dem 4. Laterankonzil 1214 – den Glauben an den einen Gott, den Schöpfer des Sichtbaren und des Unsichtbaren, des Geistigen und des Körperlichen. Durch den Einsatz der Zisterzienser und Dominikaner versuchte man, diese Gläubigen zum Glauben der Kirche zu führen. Die Erfolglosigkeit dieses Bemühens führte zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Katharern, die sich in befestigten Burgen vor allem in Südfrankreich verschanzt hatten.
Man nannte die Katharer deshalb auch Albigenser, nach einem ihrer Hauptstützpunkte in der südfranzösischen Stadt Albi.
Diese "Verkündigung" mit dem Schwert ist zweifellos einer der Tiefpunkte in der Kirchengeschichte.