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13.10.2019

Ich danke, also bin ich (Lk 17,11-19)

Gregor Jansens Evangeliumsauslegung zum 28. Sonntag im Jahreskreis (13.10.2019)

 

 

 

Das Wort zur Schrift - meine Gedanken zum Evangelium

zum 28. Sonntag im Jahreskreis:

 

mit Impuls - Inspiriert vom Evangelium; Lukas 17,11-19

 

Kürzlich berichtete ein Bekannter auf facebook von einer Beobachtung im Flugzeug: Der Flugbegleiter fragt nach dem Getränkewunsch. Ein vielleicht 12jähriger Bursch bestellt einen Orangensaft. Der Flugbegleiter reicht ihm das Getränk und der junge Passagier bedankt sich. Darauf schaltet sich seine neben ihm sitzende Mutter ein: „Du musst dich nicht bei dem Herrn bedanken, der tut nur seine Pflicht“.

 

Diese Begebenheit kommt mir beim Lesen des Evangeliums von den geheilten Aussätzigen in den Sinn. Warum bedanken sich die neun nicht – und warum kehrt ausgerechnet der eine Samariter zurück, um sich bei Jesus zu bedanken?

 

Haben die neun vielleicht schon das ganz „moderne“ Anspruchsdenken: Mir steht es zu, ich bin niemandem etwas schuldig, nicht einmal einen Dank? Vielleicht klingt uns auch noch der Satz aus dem Evangelium vom letzten Sonntag im Ohr (das der heutigen Textstelle unmittelbar vorausgeht), wo Jesus sagt: „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan“.

 

Jetzt erfährt Jesus am eigenen Leib die Undankbarkeit derer, die von ihm ihm die Heilung und den Beginn eines neuen Lebens geschenkt bekamen.


Der eine Geheilte dankt dabei nicht nur seinem Wohltäter Jesus persönlich, sondern er „lobt Gott mit lauter Stimme“. Die neun hingegen tun genau das, was Jesus ihnen aufgetragen hat: „Geht zu den Priestern“.

 

Sie erfüllen die Gebote ihres Glaubens. Darüber hinaus vergessen sie aber den Dank und das Lob Gottes. Sie tun das, was ihre religiöse Pflicht ist, aber bleiben wortwörtlich „in der Ferne stehen“. Sie lassen Jesus nicht zu nah an sich heran. Überspitzt gesagt: Sie leben ihre Religion so wie sie es gelernt haben, als „Dienst nach Vorschrift“.


Wie oft habe ich gedacht oder es so erlebt, dass der Glaube aus religiöser Pflichterfüllung (bis hin zur Sonntagspflicht) besteht? Dabei ist die zentrale Feier unseres Glaubens doch zunächst Ausdruck der Dankbarkeit: die Eucharistie ist die große Dankfeier der Glaubenden.

 

Dank und Lob ist aber Ausdruck einer Beziehung zu Gott, nicht die Erfüllung einer lästigen Pflicht.


In diesen Tagen beraten die zur Synode versammelten Bischöfe die Situation der Kirche in Amazonien. Viele Christen dort können nur ein oder zwei Mal im Jahr die Eucharistie erleben, weil es zu wenig Priester gibt, die sonntags mit den Gemeinden feiern können.

 

Und es stellt sich brennend die Frage, ob die Einhaltung kirchenrechtlicher Pflichten und Regeln schwerer wiegt als der Wunsch der Gläubigen, einen Zugang zur Feier der Eucharistie zu erhalten.

 

Hier geht es nicht um die Erfüllung einer „Sonntagspflicht“, sondern darum, Gläubigen die Vollform der liturgischen Dankfeier zu öffnen, die für Christen lebensnotwendig ist.  

 

 

 

Evangelium

nach Lukas 17, 11-19

 

Es geschah auf dem Weg nach Jerusalem:
Jesus zog durch das Grenzgebiet von Samárien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte,kamen ihm zehn Aussätzige entgegen.

 

Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!
 

Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und es geschah: Während sie hingingen, wurden sie rein.
 

Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm. Dieser Mann war ein Samaríter.
 

Da sagte Jesus: Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind die neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.

 

 

 

Impuls

Inspiriert vom Evangelium

 

Für wen und für was in meinem Leben

bin ich dankbar?


Wie drücke ich meinen Dank aus –  
und wie nehme ich Dank von anderen an?


Ist der Gottesdienst für mich

eine Pflichterfüllung oder

freudiger Ausdruck von Lob und Dank?

 

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