Goldene Herbsttage zu verbringen ist für viele ein besonderer Genuss. Strahlende Herbstfarben sowie frisches Obst und Gemüse aus der Region erfreuen Leib und Seele.
„Für mich ist der Herbst eine der schönsten Jahreszeiten. Er ist Erntedank und bedeutet immer auch Rückschau auf alles, was in diesem Jahr gewachsen, gereift und geworden ist und das erfüllt mich mit Dankbarkeit“, sagt der Altabt von Stift Seitenstetten, Berthold Heigl, im Gespräch mit dem SONNTAG. Der Benediktiner befindet sich gerade auf Reha im salzburgischen Großgmain. Große gesundheitliche Probleme zwangen ihn vor einigen Jahren, sich einer Herztransplantation zu unterziehen und das Amt des Abtes, das er bereits mehr als 28 Jahre lang ausübte, niederzulegen.
In seiner Zeit als Abt ließ Berthold Heigl den Hofgarten von Stift Seitenstetten vollständig revitalisieren. Der Klostergarten ist seither öffentlich zugänglich und gliedert sich in verschiedene Teilbereiche wie einen Rosen-, Meditations-, einen Kräuter- und Gemüsegarten.
„Wir haben sehr gute Äpfel in unserem Stiftsgarten, die schmackhaft und saftig sind, auch mit dem nötigen Zuckergehalt durch die Sonne. Die schmecken mir immer besser als gekaufte“, schwärmt der Ordensmann. Wenn er an seine Kinder- und Jugendzeit in Ybbsitz denkt, fällt ihm der Hollerröster ein, den er heute noch gern zu Palatschinken, Gries- und Kaiserschmarrn genießt.
„Ich mag alles, was aus der Natur kommt, und was daraus gemacht wird“, sagt der Mönch und Gartenliebhaber. Im Stiftsgarten von Seitenstetten wachsen 110 vorwiegend historische Strauch- und Kletterrosenarten sowie über hundert verschiedene Kräuter. „Daraus lässt sich etwas Besonderes machen. Unser Kräuterlikör wird aus 15 Kräutern gemacht und ist sehr bekömmlich“, sagt Altabt Berthold.
Der Stiftsgarten lädt zur Dankbarkeit über Gottes Schöpfung, die Vielfalt der Obst- und Gemüsesorten, die Heilkraft der Kräuter und die Schönheit der Blüten und Bäume ein. „Der hl. Benedikt schreibt schon 529 in seiner Regel, dass jedes Kloster seinen Garten haben soll. Das ist gute monastische Tradition. Im Sinne der mittelalterlichen Heilkunde gibt es in unserem Garten die Pflanzen, die es schon in früher monastischer Zeit gegeben hat“, schildert Altabt Berthold.
Der Herbst ist für Altabt Berthold eine besondere Zeit der Besinnung: „Wir gehen schon auf Allerheiligen zu und zu den wesentlichen Fragen des Lebens: Wohin, auf was gehen wir zu? Dass wir das Ziel vor Augen haben... Wenn man schon so an der Grenze des Lebens war wie ich, ist man dankbar für jeden Tag“, sagt der Benediktiner.
Seit seiner Operation denkt Berthold Heigl manchmal an ein Wort von Bischof Stecher: „Er hat einmal in einer Predigt seinen Chauffeur zitiert, der jeden Abend betete: Herr, dein Diener legt sich nieder, wenn du ihn brauchst, dann weck ihn wieder.“ Seine schwere Herzerkrankung hat ihn gelehrt, das Leben als Geschenk anzunehmen und dankbar zu sein für das, was schon war. „Ich versuche auch jeden neuen Tag dankbar als Geschenk aus Gottes Hand anzunehmen.
Es ist nichts selbstverständlich – alles ist in Gottes Hand und es gibt keine Zufälle im Leben“, ist Berthold Heigl überzeugt. „Gott meint es immer gut mit uns, auch wenn er uns manchmal Schwieriges zumutet, was wir nicht gleich einordnen oder annehmen können.“
Nach seiner Herzoperation begann der Benediktinermönch zu malen, zunächst Ikonen, dann auch Aquarell- und Acrylbilder: „Im Herbst male ich besonders gern wegen der herbstlichen Farben.“
Wie die gemeinsamen Gebetszeiten und die täglichen Arbeiten, so prägt auch das gemeinsame Essen den Tagesablauf der Mönche von Stift Seitenstetten.
„Was gesund ist, was wir in der Region und in der Saison haben, das wird wertschätzend in unserer Küche eingesetzt“, schildert Berthold Heigl den Schwerpunkt der Stiftsküche. Altabt Berthold hat bereits an vier Kochbüchern mit Rezepten aus der Klosterküche mitgearbeitet, in dem er die frisch zubereiteten Gerichte mit der Kamera ablichtete.
Den Benediktinern ist die Gastfreundschaft ein wichtiges Anliegen. „Die Gäste sollen tadellos verköstigt werden“, schreibt er im Vorwort zu „Gesegnete Mahlzeit! Gutes und Gesundes aus der Klosterküche“.
Die Dankbarkeit für Gottes Schöpfung drückt sich auch in einem Tischgebet der Seitenstettner Mönche aus, das hier nachzulesen ist:
„Herr Jesus Christus,
jeden Tag beschenkst du uns mit deinen Gaben.
All dein Wohlwollen an uns hat seinen Grund
in der Großmut deines Herzens,
das immer für uns geöffnet bleibt,
jetzt und in Ewigkeit.
Amen“.
Am Ende unseres Gesprächs wünscht sich Altabt Berthold, „dass wir mit den Gaben Gottes achtsam umgehen und mit Maß genießen, so dass es uns wohl bekommt.
Eigentlich sollte unser ganzes Leben von der Haltung des Erntedankes und der Dankbarkeit geprägt sein“.