Reisen ins Heilige Land boomen. Alleine im vergangenen Jahr gab es eine Steigerung von 40 Prozent bei den Besucherzahlen. Außerdem liegt Jerusalem heuer erstmals sogar auf Platz eins der beliebtesten Destinationen bei den Städtereisen der Österreicher.
Konkret bedeutet das, dass immer mehr Menschen nach Jerusalem, Betlehem oder an andere biblische Orte reisen, um sich entweder selbst auf die Spuren der Bibel zu begeben, oder einfach nur, um sich Land und Leute anzuschauen.
Klarerweise stellt das auch die Reiseleiter vor Herausforderungen. Denn um Reisen ins Heiligen Land – und an andere biblischen Destinationen – zu begleiten, reicht es definitiv nicht aus, historische Fakten und Jahreszahlen zu kennen.
Sondern es geht um weit mehr, weiß Friedrich Schipper aus eigener Erfahrung. Er ist Professor für biblische Archäologie an der Hochschule Heiligenkreuz und selbst langjähriger Reiseleiter: „Ich begleite regelmäßig Menschen ins Heilige Land und kenne daher die Herausforderungen.
Es braucht dabei Kompetenzen, die weit über die eines normalen Reiseleiters hinausgehen“, erklärt der Professor aus Heiligenkreuz: „Es braucht dabei ein fundiertes Wissen über allgemeine theologische Aspekte, etwa darüber, wie die Heilsgeschichte einzuordnen ist. Außerdem Kenntnis über die biblische Landes- und Altertumskunde, über Bibelwissenschaft im Allgemeinen, Judaistik, Kirchengeschichte und Patrologie, also über die Lehre der Kirchenväter.
Gerade im Heiligen Land bewegt man sich mit Reisegruppen nicht durch ein Freiluftmuseum, sondern man ist in einem Land unterwegs, in dem es Leben gibt und in dem es vor allem auch ein starkes kirchliches Leben in den unterschiedlichen Konfessionen und Religionen gibt – samt allen Konflikten die damit verbunden sind.“
Aus Erfahrung weiß Professor Schipper, dass Menschen auf Reisen im Heiligen Land gezielt und sehr vielfältige Fragen zu genau diesen Bereichen stellen, auf die sie klarerweise auch kompetente Antworten erhalten möchten. Und genau hier setzt ein neuer Studienlehrgang an, den Fachhochschule Krems in Kooperation mit der Hochschule Heiligenkreuz plant, erklärt Schipper:
„Der neue Lehrgang heißt ‚biblisches Reisen‘ und beginnt im Oktober 2020. Er wird insgesamt fünf Semester dauern und richtet sich als postgraduale Ausbildungsmöglichkeit an Interessenten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.
Der Lehrgang ist einzigartig, weil er den Teilnehmern einerseits fundiertes handwerkliches Know-How vermittelt, wie z.B. Wirtschaftsgrundlagen, Rhetorik, Rechtswissenschaft und Touristik – also alles, was man braucht, um eine Reise zu planen, anzubieten und durchzuführen.
Andererseits wird den Teilnehmern ein umfassend theologisch fundiertes Fachwissen vermittelt, wie z.B. Bibelwissenschaft, Pastoraltheologie, Liturgiewissenschaft usw. Mit dem Abschluss dieses Lehrganges erhält man also die notwendigen Kompetenzen auf all diesen Gebieten.“
An wen richtet sich dieser Lehrgang?
Ich habe im Vorfeld eine Bedarfsanalyse durchgeführt und festgestellt, dass es ein sehr breites Interesse aus allen Bereichen für diesen Lehrgang gibt, etwa von Menschen aus Kunst und Kultur, Bildung und Schule, Wirtschaft und Touristik und natürlich der Kirche. Und zwar definitiv weit über unsere Landesgrenzen hinaus.
Deswegen richtet sich der Lehrgang auch an den gesamten deutschsprachigen Raum, also Österreich, Deutschland und an die Schweiz. Da wir eine beschränkte Teilnehmerzahl von 25 Personen haben, wird der Lehrgang wahrscheinlich auch sehr schnell voll sein.
Warum diese beschränkte Teilnehmerzahl, trotz des von Ihnen beschriebenen Interesses?
Die Lehrenden werden sich mit den Teilnehmern sehr persönlich und intensiv auseinandersetzen, damit wir sie auch individuell bestmöglich fördern können. Das gilt für alle vier Semester des Lehrganges und insbesondere auch für das fünfte Semester, während dem die Teilnehmer ihre Masterarbeit – durch uns betreut – schreiben werden.
Wir legen hier wirklich den gesamten Fokus darauf, weil dieser Lehrgang für uns ein enorm wichtiges Projekt ist, den wir in weiterer Folge auch auf Italienisch, Französisch, Englisch und in andere Sprachen übertragen wollen, um ihn auch in andere Länder zu exportieren.
Das klingt sehr betreuungsintensiv. Wieviel wird die Teilnahme am Lehrgang kosten?
In Summe 7.900 Euro pro Teilnehmer für die gesamten fünf Semester, inklusive Abschluss. Das klingt wahrscheinlich nicht preiswert, aber wir wissen, dass es im Bereich der postgradualen Ausbildungen definitiv einer der preiswertesten Lehrgänge ist.
Wir wollen die Kosten so niedrig wie möglich halten - und wir verdienen an dieser Ausbildung auch nichts. Aber wir machen das deshalb, weil es uns wichtig ist, dass es für Reisen ins Heilige Land ein kirchliches Kompetenzfeld auf Hochschulniveau gibt.
Die Verantwortlichen für diesen Lehrgang sind überzeugt davon, dass wir hier einen extremen Wachstumsmarkt betreten und dass wir den Lehrgang recht schnell der Weltkirche anbieten können.
Wie wird der Lehrgang ablaufen?
Die Lehrveranstaltungen werden sowohl an der Hochschule Heiligenkreuz als auch an der Fachhochschule Krems stattfinden. Und zwar jeweils geblockt für eine ganze Woche lang, jeweils von Montag bis Samstag. Pro Studienjahr gibt es fünf Theorie-Wochen und eine Praxiswoche, bei der wir in Jerusalem oder in Rom jeweils vor Ort sein werden. Also in Summe sind es in geblockter Form jeweils sechs Wochen pro Jahr.
Warum wird der Lehrgang gemeinsam mit der Fachhochschule Krems stattfinden?
Die FH-Krems ist ursprünglich als Tourismus-Fachhochschule entstanden - und Tourismus ist immer noch ihr Kerngebiet. Zudem ist die Kremser Expertise rund um den Globus gefragt, etwa am Arabischen Golf und in Fernost. Wir haben hier also definitiv einen international höchst renommierten und ausgewiesenen Partner.
Rund um Weihnachten pilgern viele Österreicher ins Heilige Land, speziell nach Betlehem. Wird dort das Weihnachtsevangelium besonders spürbar?
Die Geburtskirche in Bethlehem gehört zu den wenigen Beispielen vollkommen erhaltener frühchristlicher Kirchenbauten, das einzige Beispiel im Heiligen Land selbst. Sie vermittelt damit den Besuchern, den Pilgern, allen Reisenden einen besonders authentischen Eindruck. Das spüren die Menschen, selbst ohne Wissen über achitektonische Zusammenhänge und heilgeschichtliche Bezüge.