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12.12.2019

Was sagt und denkt der neue Kärntner Bischof?

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen aus den Interview, die Bischof Marketz der Kleinen Zeitung und der KATHPRESS gegeben hat.

 

 

In jedem Menschen ist Gott schon da.“ Davon ist der designierte Kärntner Bischof Josef Marketz überzeugt. Wo er das feststellt? „Speziell in den zwischenmenschlichen Beziehungen, da ist Liebe, da wird sie gesucht, und wo die Liebe ist, da ist Gott“, sagt Marketz im Interview mit der Kathpress. Nicht umsonst hat er daher den Bischofsspruch „Deus caritas est“ (Lateinisch für: „Gott ist Liebe“) gewählt. Mit diesem Spruch möchte er Christen aufmerksam machen, aber „ohne jemanden zu irgendetwas zu zwingen“.

 

Glaube ohne Kirche?

„Glaube hat viel mit Angebot  zu tun und nichts mit Gängelung“, veranschaulicht der bisherige Kärntner Caritas-Direktor. Auf die Frage, wie er einem 19-Jährigen mit der Einstellung „Man kann auch ohne Kirche an Gott glauben“ den Kirchenbeitrag plausibel machen würde, antwortet er: „Gerade die Jugend sucht nach sogenannten ,peer groups’. Die Kirche soll deshalb bei der Suche nach passenden Gemeinschaften von Gleichaltrigen helfen.“


Marketz sagt, dass sich ein Jugendlicher wahrscheinlich in Gemeinden fehl am Platz fühlt, „in denen es keinen Gläubigen unter 60 gibt.“ Aber er weist auch darauf hin, dass es ebenso altersmäßig passende kirchliche Beheimatungen in Kärnten und in ganz Österreich gibt, die sehr zeitgemäß sind: „Wir haben auch einem 19-Jährigen etwas anzubieten, die Entscheidung liegt bei ihm.“

 

Wie also mit Jugendlichen richtig umgehen, wollen wir vom neuen Kärntner Bischof wissen: „Gegenüber Jugendlichen darf man nicht mit dem moralischem Zeigefinger agieren. Man sollte sie stattdessen Lebenserfahrungen machen lassen und Türen offenhalten“, betont Marketz.

 

Für die Abschaffung des Zölibats

Der designierte Kärntner Bischof spricht sich übrigens deutlich für die Abschaffung des (Pflicht-)Zölibats aus. „Nicht so sehr, weil jeder Mann unbedingt eine Frau neben sich braucht.

 

Doch ich sehe die Vereinsamung vieler alter Priester, deren eigene Familie oft nicht mehr da ist“, sagt er im Interview der ,Kleinen Zeitung’. „Ohne eigene Familie wird es ganz schwierig, würdevoll zu leben. Es gibt viele Gründe für die Abschaffung des Zölibats“, so der 64-Jährige, der am 2. Februar zum Bischof geweiht werden soll.

 

Der langjährige Caritasdirektor wird Nachfolger von Bischof Alois Schwarz, der im Juli 2018 in die Diözese Sankt Pölten gewechselt ist und dessen Amtsführung für Kritik gesorgt hatte. Marketz erklärt im Interview, dass er seinen Vorgänger motivieren möchte, sich bei den Kärntnern zu entschuldigen: „Er muss einsehen, dass manche Dinge bei Menschen anders angekommen sind als er es erlebt hat. So ergeht es uns allen immer wieder einmal. Da muss man dann die Größe haben und sich entschuldigen.“

 

Dem nunmehrigen St. Pöltner Bischof war unter anderem auch vorgeworfen worden, wegen seiner Lebensführung in Bezug auf den Zölibat erpressbar zu sein. Für sich selbst und „für die Jetztzeit“ könne Marketz eine Erpressbarkeit ausschließen, betont er. Allerdings sei er 64 Jahre alt „und ich lebe schon ziemlich lange und habe Zuneigung von vielen Menschen, auch von Frauen erfahren. Jeder Mensch hat ein Recht auf Privatsphäre.“

 

Laien ermächtigen

Das Alter beschäftigt den künftigen Bischof auch beim Thema, wer die Seelsorge trägt. Er bezeichnet „die Überalterung des Klerus als große Sorge“ und betont: „Unter den heutigen Gegebenheiten ist es absehbar auch nicht viel Priesternachwuchs zu erwarten, auch wenn wir noch so beten.“

 

Marketz: „Ich setzte deshalb darauf, viel mehr die Laien zu ermächtigen - Männer und Frauen -, in der Kirche Dienste zu übernehmen. Damit spreche ich aber noch nicht die Frage der kirchlichen Ämter an, die letztlich ja auch Dienste sind“, betont er. Marketz ist der Überzeugung, dass „Vertrauen in Laien belohnt wird und dass aus deren Lebenserfahrung viel Wertvolles in die Kirche einfließt“. Marketz: „Die Spiritualität eines Laien mit Familie und Berufserfahrungen, die einem Priester fehlen, ist bereichernd.“


Frauen stärken

Zum Thema Frauen in der Kirche sagt der designierte Kärntner Bischof: „Wenn eine Frau sagt, sie möchte Priesterin werden, dann kann ich nur mit ihr zusammen hoffen, dass das möglich wird – das sag ich ganz ehrlich.“ In Bezug auf weibliche Kirchenämter ist nach Marketz’ Eindruck vieles am Wachsen, „da braucht man ein bisschen Geduld“. Der Kärntner Slowene zieht dabei eine Parallele zur slowenischen Bevölkerung in Kärnten, die sich auch „lange Zeit Zugang zu Möglichkeiten gewünscht hat, die sich erst allmählich auftaten“.

 

Einfacher Lebensstil als Ziel

Mit seinem künftigen Bischofsamt verbindet Josef Marketz Herausforderungen, wie etwa die Bewahrung der Schöpfung und der sozialen Sensibilität, wo er einiges von seiner bisherigen Aufgabe bei der Caritas in die Bischofskonferenz einbringen möchte. „Bischof zu sein ist eine große Verantwortung“, sagt er: „Man wird auf meinen Lebensstil als Bischof schauen – ob ich das, was ich verkünde, auch im Leben umsetze“.


Für sein Hirtenamt bezieht sich Marketz auf das Bild von der Herde: „Der Hirte muss auch das letzte Schaf im Blick behalten bzw. sogar prioritär behandeln. Die Ränder nicht zu übersehen, die es auch in einer Herde gibt, passt gut zu meiner bisherigen Arbeit bei der Caritas.“

 

Und: Der Hirte geht oft hinter der Herde, so Marketz’ Beobachtung. Die Schafe würden spüren, wohin es geht: „Der Hirte ist dann gefordert, wenn sich der Herde Hindernisse entgegenstellen, denn dann muss er nach vorne und dabei helfen, diese zu überwinden.“


Josef Marketz will aber auch - so lässt er deutlich erkennen - selbst Teil der Herde sein. D.h. im Sinne von Papst Franziskus „bescheiden bleiben, einfach leben, weiterhin mein Frühstück zubereiten, meine Wäsche waschen, meinen kleinen Garten bestellen - einfache Dinge, die mir helfen, am Boden zu bleiben und so zu leben wie andere Menschen auch“, betont der Kärtner.

 

Obwohl er erst im kommenden Jahr zum Bischof geweiht wird, weiß Marketz jetzt schon, was er einmal gerne einmal über sich selbst von den Leuten hören würde, wenn er in Pension geht: „Schade, dass er jetzt wieder in den Hintergrund tritt, weil er so menschlich war, einer von uns.“