Am 22. Jänner 1920 wurde Chiara Lubich in Trient geboren. Durch die Erlebnisse des Krieges und die gesellschaftlichen Spannungen geprägt, gründete sie 1943 die Fokolar-Bewegung, die heute in 182 Ländern verbreitet ist und deren Präsidentin sie bis zu ihrem Tod am 14. März 2008 war. Lubich engagierte sich zeitlebens für die Ökumene und den interreligiösen Dialog.
Der steirische Priester Stefan Ulz legt nun im Echter-Verlag seine Dissertation zum Thema „Dreifaltigkeit leben. Trinitarische Anthropologie bei Chiara Lubich“ vor.
Lubichs Charisma war das Charisma der Einheit. Jesus der Verlassene ist der Angelpunkt, um den sich das gesamte Denken der Gründerin der Fokolar-Bewegung dreht. Konkret ausgeführt im Gebet Jesu um die Einheit (Johannes-Evangelium 17,21: „Dass alle eins seien“) und im Schrei der Verlassenheit Jesu am Kreuz (Markusevangelium 15,34: „Mein Gott, mein Gott, wozu (!) hast du mich verlassen?“).
Hinzu kommt für die Fokolar-Bewegung das „neue“ Gebot der gegenseitigen Liebe (Johannesevangelium 15,12f). Überhaupt ist das sogenannte „Testament“ Jesu (Johannesevangelium, 17,21-23) eine der zentralen Schriftstellen im Charisma Lubichs.
Das neuzeitliche „Cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) wird überschritten in ein „Amo ergo sum“ („Ich liebe, also bin ich“), in dem der einzelne Mensch hineingestellt wird in den Raum der Dreifaltigkeit.
Mein Fazit:
Wer sich grundsätzlich mit dem Denken von Chiara Lubich beschäftigen will, wird in diesem Buch fündig. Italienisch-Freaks kommen bei den Original-Texten im Anhang zusätzlich auf ihre Rechnung. Sehr empfehlenswert.