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05.03.2020

Hilfe für Obdachlose – ein Stück des Weges gemeinsam gehen

Mit Engagement und Leidenschaft kümmert sich Barbara Trobej seit vielen Jahren um Obdachlose. In ihrer Freizeit betreibt sie mit einem Team die Wärmestube für junge Erwachsene in der Pfarre St. Florian.

Wir treffen Barbara Trobej im sogenannten „Wohnzimmer“ der Pfarre St. Florian im 5. Wiener Gemeindebezirk. Eine gemütliche Sitzecke, ein paar Tische und Stühle, ein Wuzzler und ein Bücherregal stehen hier. Auf der Bar steht ein großer Suppentopf aus dem es einladend dampft.


Meistens wird dieser Raum für Projekte genutzt, für Agapen, Gebetsabende oder etwa Alphakurse. Einmal im Monat aber wird das „Wohnzimmer“ seit einigen Wochen zur Caritas Wärmestube für junge Erwachsene. Barbara Trobej, Sozialarbeiterin und seit vielen Jahren in der Pfarre St. Florian beheimatet, ist verantwortlich für dieses wienweit einzigartige Angebot.

 

Jugendliche tun sich oft schwer Hilfe anzunehmen

„In den vielen Jahren, in denen ich als Sozialarbeiterin tätig bin, habe ich immer wieder erlebt, dass sich Jugendliche total schwer tun irgendwohin zu gehen und Hilfe anzunehmen, dass sie aber oft genauso dringend Hilfe brauchen, wie Erwachsene“, erzählt sie: „Da wollte ich mit unserer Wärmestube helfen und einen Ort schaffen, den man sozusagen ohne große Hürden erreicht.“ Die Jugendlichen können hierher kommen, auf ihrem Handy spielen, sich auf eines der Sofas legen und ein Buch lesen, einfach nur schlafen, etwas essen und trinken. Oder auch – wie Barbara Trobej sagt – „einfach einmal nur sein.“ Die Jüngste, die bisher den Weg hierher gefunden hat war 16 Jahre alt, der Älteste 25.

 

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Darüber hinaus finden die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hier immer ein offenes Ohr, um ihre Sorgen und Probleme zu besprechen. „Gerade bei dieser Altersgruppe geht es da vorwiegend um Themen wie Ausbildung, Familienplanung oder Familiengründung“, sagt Barbara Trobej: „Und es geht ganz stark auch um existenzielle Fragen wie: Wie finde ich eine Wohnung, die ich mir leisten kann? Kann ich am Ende des Monats noch etwas zu essen kaufen? Oder auch: Kann ich mir die Kleidung kaufen, die ich brauche? Kann ich mir ein neues Handy leisten?“

 

Spannend und herausfordernd

Dass Barbara Trobej ihren Job und ihr ehrenamtliches Engagement mit viel Herzblut macht, hört man aus jedem Satz. „Für Menschen da zu sein, ist genau meines – ganz egal ob ehrenamtlich oder beruflich “, sagt sie lächelnd und liefert auch gleich die Erklärung, warum das so ist: „Man sagt Sozialarbeitern ja oft nach, dass die dieses Helfersyndrom haben und jedem Menschen, alles abnehmen und alle Probleme lösen wollen. Aber das ist es bei mir nicht. Ich habe vielmehr irgendwann gemerkt, dass ich mit meiner Arbeit Dinge bewirken kann. Dabei geht es nicht darum, meinem Gegenüber alles abzunehmen, sondern es geht vielmehr darum miteinander einen Weg zu gehen.“

 

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Man fange bei einem Startpunkt an, wo es ganz viele Baustellen gibt, sagt Barbara Trobej, und dann begleite man den Menschen bis zu einem Punkt, wo diese Baustellen – oder wenigstens ein paar davon – weg sind. „Das ist eine geistig sehr, sehr anstrengende Arbeit“, sagt Barbara Trobej: „Auch wenn das von außen vielleicht nicht immer so aussieht. Es kann schwierig sein, wenn man seinem Gegenüber nichts anbieten kann, was seine Situation verbessert. Oder es auszuhalten, dass eine Lösung, die man für ein Problem sieht, noch lange keine – oder auch noch keine – Lösung für das Gegenüber ist.“


Dass sie das aushalten kann, dass sie jenen zur Seite stehen kann, die am Rande der Gesellschaft stehen, sieht Barbara Trobej dabei durchwegs als Geschenk: „Ich suche den Kontakt in diesen Bereich ganz aktiv und ich finde es schön und spannend und herausfordernd. Mit macht das Spaß.“

 

Die Türen waren offen

Ihre Kraft, sagt Barbara Trobej, schöpft sie – unter anderem – aus dem Glauben. Das sei nicht immer so gewesen, erzählt sie. „Ich bin sozusagen in einer klassischen Familie aufgewachsen. Wir waren zu Weihnachten und Ostern in der Kirche, 1996 bin ich gefirmt worden, das war sogar auch hier in St. Florian, aber viel mehr war da nicht. Als ich angefangen habe zu studieren, hatten Glaube und Kirche keinen Platz. Wenn ich ehrlich bin, habe ich auch keine Sehnsucht gespürt.“ Vor 5 Jahren schließlich ging sie eines Tages an der Kirche St. Florian vorbei. „Die Türen waren offen“, erinnert sich Barbara Trobej: „Und eine junge Frau hat mich total freundlich begrüßt und mich gefragt, ob ich nicht hereinkommen möchte. Dieses Willkommen-heißen hat mich so begeistert, dass ich an diesem Abend die Messe mitgefeiert habe.“

 

Besonders die Predigt habe sie berührt und eine tiefe Zufriedenheit in ihr bewirkt, erinnert sich Barbara Trobej. Seit diesem Tag sei sie nun wieder hier in St. Florian. „Das ist wie ein Nach-Hause-Kommen. Der Glaube ist ein wesentlicher Eckpfeiler in meinem Leben geworden, der mich zur Ruhe kommen lässt und wo ich auch wieder Kraft tanken kann für meine herausfordernde Tätigkeit.“


Darüber hinaus tanke sie Kraft in ihrem Freundeskreis, der „mich so nimmt, wie ich bin – mit meinen guten Seiten, aber auch mit all meinen Fehlern“ und auch in der Musik. „Ich spiele Bass und das mit großer Freude. Auch etwa jeden Sonntag im Gottesdienst „die messe“ in St. Florian – Musik zu machen ist für mich auch eine Form des Gebetes.“

 

Nicht allein

Die Idee für eine Wärmestube für Jugendliche trägt Barbara Trobej übrigens schon ganz lange mit sich herum. „Im Laufe meiner Tätigkeit als Sozialarbeiterin habe ich gesehen, dass es Jugendliche gibt, die warum auch immer nicht mehr zu Hause wohnen können oder nicht mehr zu Hause wohnen dürfen oder den Kontakt zur Familie abgebrochen haben.“ Notschlafstellen seien für die Nächte natürlich auch für diese Jugendlichen eine Anlaufstelle. Tagsüber müsse man eine Notschlafstelle aber verlassen. Und Angebote, spezifisch für Jugendliche, wie sie den Tag verbringen können, gebe es kaum. Ein Ort wie die Wärmestube helfe da ungemein.


Wichtig ist es Barbara Trobej in jedem Fall zu betonen, dass sie das alles hier nicht alleine macht, sondern in einem Team. „Ich bin keine One-Woman-Show – das ginge auch gar nicht“, betont sie. Konkret unterstütze sie das Team, das auch jeden Sonntag Abend den Gottesdienst „die messe“ vorbereitet. „Wir sind ein kunterbunter Haufen an Leuten, die seit 5 Jahren hier jeden Sonntag am Abend eine Messe mit einer etwas anderen musikalischen Gestaltung feiern.“