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10.10.2020

Covid19 - Schutzmaßnahmen: Nicht „Ich und die Maske“, sondern „Gott und der Nächste“

Ein Mediziner und ein Theologe rücken im Gespräch Engführungen im Rahmen von Hygienemaßnahmen bei Gottesdiensten zurecht. Es gelte, die Konzentration auf das persönliche Unbehagen dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe unterzuordnen.

Mit 9. Oktober 2020 treten österreichweit die aktualisierten Covid19-Schutzmaßnahmen der Bischofskonferenz in Kraft. Wir haben uns mit Univ. Prof. Dr. Hans-Peter Hutter, dem stellvertretenden Leiter der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin am Zentrum für Public Health der MedUni Wien, zu den Maßnahmen im einzelnen und Pater Dr. Thomas Figl, Oratorianer und Universitätsseelsorger zu seiner grundsätzlichen Sicht auf die geltenden Schutzmaßnahmen unterhalten.


Professor Hutter beantwortdie häufigsten Fragen, die (nicht nur) Gottesdienstbesucher in diesem Zusammenhang beschäftigen.


Worauf soll man als Teilnehmer eines Gottesdienstes besonders achten?

 

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Hutter zufolge spielt der Abstand beim Betreten der Kirche bereits eine entscheidende Rolle. Alles andere hänge zunächst von der „Größe des Kirchenraumes, von der Anzahl der Sitzplätze und der Enge der Sitzplätze sind“ ab. Da der übliche Abstand im Gotteshaus eher gering sei, sei es unbedingt nötig, Abstände zu schaffen, auch wenn das Einschränkungen mit sich bringt.
Bestimmte Elemente eines Gottesdienstes, vor allem das gemeinsame Singen erfordern, dem Umwelthygieniker zufolge, unbedingt einen deutlichen Abstand zwischen den Gottesdienstteilnehmern um die Übertragung durch Tröpfcheninfektion zu vermeiden.


Die prominenteste und vielleicht umstrittenste Maßnahme - ist der Mund-Nasenschutz, die Maske. Manche sind davon überzeugt, dass sie nicht nur keinen Schutz darstellt, sondern sogar schädlich ist. Was bringt die Maske wirklich?

 

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„Die Maske ist ein wirkungsvolles Instrument, um uns schlichtweg eine gewisse Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Das heißt, damit wir auch Gottesdienste feiern können“, so Hutter. „Diese einfache Maske hat einen Sinn, wenn sie systematisch von allen angewendet wird.“ Tatsächlich deuteten jüngste Studien darauf hin, dass sie auch bis zu einem gewissen Grad zum Eigenschutz beitrage. „Wirkungsvoll ist sie aber vor allem zum Schutz für andere. Es geht also um deinen Nächsten, der neben mir sitzt oder neben mir steht. Die Maske ist einfach in der Handhabung und zumutbar.“


Den Einwand, dass besonders Stoffmasken den Träger durch Bakterienbesiedlung auch gefährden können, beantwortet Hutter sehr klar. Wie alle persönlichen Wäschestücke müssten auch Masken regelmäßig gewechselt werden. Die Empfehlung: am besten habe man mehrere Masken und wasche sie regelmäßig bei 60 Grad, was völlig ausreichend sei.

 

Wie problematisch ist es, sich während des Gottesdienstes im Kirchenraum zu bewegen?

 

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„Wenn wir ein Gebäude betreten, ist es immer wichtig, eine Maske zu tragen“. Grundsätzlich gelte: immer, wenn wir anderen Menschen räumlich näherkommen, klassischerweise vor oder nach dem Gottesdienst vor der Kirche, sei es wichtig, den gebotenen Abstand einzuhalten.“

 

Eine häufig gestellte Frage: Wie gefährlich ist die Verwendung etwa von Weihwasser im Zusammenhang mit der Infektionskette?

 

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Es sei überhaupt keine Frage, dass es gerade was die Sauberkeit angeht ein Ruf nach mehr Bewusstsein gibt. Das Wasser könne öfter als üblich ausgetauscht werden. Auch eine größere Menge an Salz hinzuzufügen, sei sinnvoll. „Es gibt auch Diskussionen, ob man vielleicht andere Materialen wählt, wie beispielsweise Metalle, Kupfer. Die haben eine Art desinfizierende Wirkung.“ so Hutter.

 

Der zweite Fixpunkt bei den Maßnahmen ist der Abstand, warum ist er gerade beim Gottesdienst so wichtig?

 

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Hutter: „Aus meiner Sicht ist es speziell wichtig, wenn es ums Singen geht. Da braucht es einen größeren Abstand. Warum? Weil natürlich durch lautes Sprechen die Tröpfchen springend weitergetragen werden.“  Trotzdem ist der Mindestabstand gerade, wenn gesungen wird ohne Maske aus der Sicht des Spezialisten nicht ausreichend. „Das heißt: Abstand plus Maske. Dann haben wir wirklich einen sehr, sehr soliden Schutz“, stellt Professor Hutter klar.

 

Im Zusammenhang mit der Virusübertragung ist oft vom „Aerosol“ die Rede. Wie soll man sich das genau vorstellen?

 

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„Der Übertragungsweg sind Tröpfchen.“ erklärt der Umwelthygieniker: „Wenn wir zum Beispiel miteinander sprechen bewirken diese bei großem Abstand nichts. Denn wenn die Tröpfchen groß genug sind, sinken sie schnell zu Boden. Allerdings gibt es auch Tröpfchen aus ganz feinen Teilchen, mit Zehntausendstel Millimeter Durchmesser. Diese schweben dann durchaus noch einige Zeit im Raum herum. Derzeit nehmen wir an, dass auch in diesen winzigen Teilchen noch vermehrungsfähigen Viren enthalten sind, die wir einatmen könnten. Deswegen unser Fokus:


•    Wir brauchen die Maske im Innenraum.
•    Innenräume sollen häufig gelüftet werden.


Da müsste man sich deutlich mehr überlegen. Vor allem, wie man Frischluft im Gotteshaus sicherstellt. Etwa, indem man die Kirchentüren offenhält und andere Maßnahmen. Aber noch einmal: Wichtig bleibt die Maske.“

 

Es geht um uns alle

 

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Ganz allgemein fasst Professor Hutter seinen Standpunkt so zusammen: „Egal, ob es um Wasser geht, um das Singen oder um das gesellige Beisammensein. Es geht darum, dass wir eine Verantwortung haben: Nicht nur für uns, sondern auch für die anderen. Aus meiner medizinischen Sicht ist es ein ganz wichtiges Gebot. Es geht nicht nur immer um mich selbst. Es geht um uns alle. Wir wissen, dass es in Kirchen Clusterbildungen gegeben hat. Darauf sollten wir doch achten, dass unsere Kirchen nicht zu Infektionsquellen werden. Das wollen wir doch nicht.“

 

Dr. Thomas Figl CO: Wenn wir auf Gott schauen und sein Wort hören, verschwindet die Fixierung auf die Maske

 

Zu einem ähnlichen Schluss kommt P. Dr. Thomas Figl, Oratorianer aus Wien-Landstraße und Universitätsseelsorger:

 

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In diesen Wochen und Monaten, so P. Figl, fragen sich viele Gläubige, aber auch Menschen außerhalb der Kirche, wie lange die Pandemie noch andauere. Vor allem wollen sie wissen, warum man all diese Maßnahmen einhalten solle, wie den Abstand, die Maske oder die Einschränkungen beim gemeinsamen Gesang. „Letztlich geht es um die Nächstenliebe.“, so der Oratorianer. „Im Christentum ist die Nächstenliebe ist das Alpha und Omega.“ und schließlich: „Wenn wir nicht zuerst auf die Einschränkungen schauen, sondern versuchen- wie wir es beim Gottesdienst immer eigentlich versuchen- auf Gott zu schauen, auf sein Wort zu hören, wird sich ein manchmal verengter Blick auf die Maßnahmen auflösen.“