Wie ein Schwerverbrecher im Gefängnis über die Zerstörung einer Bibel zum Glauben findet und dies seinem Leben einen völlig neue Wendung gibt: Darüber berichtet der neueste Kirchenpodcast, der u.a. auf der Website der katholischen Kirche in Österreich - www.katholisch.at - abgerufen werden kann. Als Jugendlicher stiehlt Wilhelm Buntz in Innsbruck ein Auto und fährt einen Mann tot, ein zweiter landet im Rollstuhl. Gerichtssaal, Gefängnis und Bewährung bestimmen fortan seinen Lebensrhythmus. - Bis zum Jahr 1983.
In einer Einzelzelle nimmt er eine Bibel zur Hand, reißt eine Seite heraus, liest sie und rollt sich damit eine Zigarette. So qualmt Buntz sich vom Alten Testament bis zum Neuen Testament durch. Doch da packt ihn plötzlich der Text und er wagt den Schritt in eine völlig neue Richtung. Im Podcast spricht Buntz über diese Kehrtwende, sein Leben davor und sein aktuelles Buch "Der Bibelraucher".
Insgesamt beging Buntz in seinem Leben 148 Straftaten. "Da war, abgesehen von Verbrechen an Kindern und Sittlichkeitsdelikten, alles dabei", wie er berichtet. Dass er auf die schiefe Bahn geriet, habe bei ihm schon bei der Geburt begonnen, als seine Mutter sagte, sie wolle das neugeborene Kind nicht. "Sie hat sich nicht um mich gekümmert, meine damals vierjährige Schwester hat mich wie eine Puppe versorgt und gefüttert. Ich war unterernährt, hatte überall Geschwüre und habe immer geschrien." Seiner Mutter wurde das Geschrei irgendwann zu viel, also setzte sie ihn außerhalb von Ulm auf einem Feld aus. Er wurde gefunden und verbrachte die nächsten Monate in einer Ulmer Klinik. Dort sagte eine der Krankenschwestern zu seinem Vater, dass sein Kind wahrscheinlich zu 100 Prozent behindert sei und nie normal reagieren könne. Eine glatte Fehldiagnose, aber: "Das war der Einstieg in ein total verkorkstes Leben bei mir."
Die Umkehr in seinem Leben kommt, als Buntz in Bruchsal im Einzelarrest sitzt. Dorthin dürfe man, abgesehen von einer Bibel, nichts mitnehmen. Doch Buntz verwendet sie auf unkonventionelle Art. "Ich hatte immer ein Problem mit Gott und wollte ihm eins auswischen." Er holt beim Pfarrer eine Bibel, stopfte dort Tabak hinein und klebte sie zu. Den so versteckten Tabak raucht nun Buntz ebenfalls mithilfe der Heiligen Schrift, die er seitenweise zum Rollen und Rauchen der Zigaretten verwendet.
Als er schließlich bei der Bergpredigt Jesu ankommt, fallen ihm zwei Sätze auf: "Ihr seid das Salz der Erde" und "Ihr seid das Licht der Welt". Da habe er bemerkt, dass er für niemandem das Salz oder das Licht sei, sondern eher "bitteres Gift und Finsternis", berichtet der Bekehrte, denn dies setzt in ihm eine Veränderung durch Gott in Gang, die ihm selbst zuerst gar nicht auffällt. Erst ein Zellengenosse macht ihn darauf aufmerksam, dass er immer dann ruhiger sei, wenn er in der Bibel liest.
Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie Buntz damals, würde er raten, Gott herauszufordern und folgendes zu ihm zu sagen: "Wenn es dich wirklich gibt, dann bestätige dich in meinem Leben." Er würde die Menschen begleiten, bis sie stabil seien. Den Dialog mit Gott müssten sie selbst führen.
Das Buch "Der Bibelraucher. Die knallharte Lebensgeschichte eines Ex-Knackis" ist 2020 im SCM Hänssler Verlag erschienen.