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08.04.2021

Petrus Canisius - ein „Wanderer zwischen den Welten“

Zum 500. Geburtstag von Petrus Canisius, dem Apostel Deutschlands, der auch die Kirche in Wien und von Wien aus geprägt hat, erschien bei Tyrolia ein spannendes Lebensporträt des "Wanderers zwischen den Welten."

Noch vor wenigen Generationen war sein Name ein Synonym für Katechismus und selbstverständliches, katholisches Glaubenswissen. Die Gestalt des Petrus Canisius selbst verblasste beinahe hinter seinem katechetischen Werk. Pünktlich zum 500. Geburtstag des „ersten deutschen Jesuiten“ und „zweiten Apostel Deutschlands“, der sich am kommenden 8. Mai jährt, hat Mathias Moosbrugger, Universitätsassistent am Institut für Bibelwissenschaften und Historische Theologie der Universität Innsbruck, ein biographisches Porträt dieser spannenden Gestalt vorgelegt. Moosbrugger stellt ihn vor allem als „Wanderer zwischen den Welten“ dar. In fünf großen Kapiteln wird der Lebensweg von Canisius von verschieden Warten aus vermessen.


Schon allein unter geographischem Gesichtspunkt war dieser erstaunlich weit und spannungsreich. Etwa in der Mitte dieses Weges stehen seine drei Jahre in Wien. Freilich würde man da gerade als Wiener noch mehr erfahren, was den Rahmen des Porträts vermutlich sprengen würde.


Der spirituelle Werdegang von Canisius ist geprägt von der Spannung zwischen Mystik und hoch aktivem Apostolat. Ähnlich wie sein Zeitgenosse und Ordensvater Ignatius von Loyola zieht es ihn zunächst in die Einsamkeit, genauer in die Kartause von Köln, ehe er unter dem Eindruck der Exerzitien, die ihm Peter Faber, einer der ersten Gefährten des Ignatius von Loyola hält, aufbricht, um ganzer Jesuit zu werden.


Das erfolgreiche Bildungsmodell der Jesuitenkollegien, an dessen Entstehung er bereits in Sizilien mitgewirkt hat, kann er im deutschen Sprachraum von Wien aus erfolgreich verbreiteten und hat dabei noch Kraft und Zeit für heikle, diplomatischen Missionen am und für das Reformkonzil von Trient.

 

Sein theologisches und pädagogisches Werk als erfolgreicher Übersetzer der alten Kirchenväter verbindet sich mit dem epochalen katechetischen Werk des Katechismus, das in den folgenden Jahrhunderten weltweit einen neuen Standard für die Vermittlung des Glaubens setzt und wesentlich zur Erneuerung der katholischen Kirche beiträgt.


Ausgespart werden auch nicht die problematischen, ja dunklen Seiten dieser charismatischen Gestalt. Am schwersten wiegt wohl der Hexenwahn, dem er selbst erliegt, den er aber schlimmer noch, mitverbreitet. Das Porträt weicht hier nicht aus und löst die Spannungen in diesem leidenschaftlichen Christenleben nicht einfach auf. Eher entlässt Moosbrugger den Leser mit Fragen, auf die er wohl selbst Antworten finden muss.


Kurz: Moosbrugger legt das gut lesbare und spannende Lebensbild eines zugleich inspirierenden und unbequemen Heiligen vor, dessen Bedeutung für Mitteleuropa - nicht zuletzt auch für die Kirche in Wien - erst noch zu entdecken ist.