Einen kritischen Blick auf die Sozialen Medien hat die Wiener "Akademie für Dialog und Evangelisation" bei ihrem jüngsten Talk über "Gott & die Welt" geworfen. Zu Gast waren die evangelische Pfarrerin Julia Schitzlein, die Influencerin Linda Lime und Ali Mahlodji. Schnitzlein zeigte sich überzeugt, dass es eine Sehnsucht nach dem Glauben gibt. Junge Menschen würden die Erfüllung dieser Sehnsucht aber nicht in der Kirche suchen, weil die "uncool" sei. Doch es gäbe coole Pfarrer auf Instagram oder TikTok, die leicht zugänglich Glaubensinhalte teilen.
Ihr persönlich seien für die Sozialen Medien manche Dinge aber schlichtweg zu persönlich. "Ich kann auch authentisch sein, ohne alles über mich preiszugeben", sagte sie. Besonders ihre Tochter, die mit nur einem halben Herz zur Welt kam, spiele immer wieder eine wesentliche Rolle in ihren Geschichten. Schnizlein: "Verletzbarkeit zu zeigen, ist mir wichtig." Das würde aber auch immer wieder zu Hass-Reaktionen führen. Auch wenn sie über die Ehe für alle spricht, wären Wut und Drohungen ein ständiger Begleiter.
Der Unternehmer und Autor Ali Mahlodji berichtete, dass er solchen Hass mehrmals selbst erlebt habe. Er mahnte dringend einen respektvolleren Umgang ein. "Wir müssen aufhören zu verurteilen und lernen zu entschuldigen", sagt Mahlodji, und verwies auf die Bibel: "Es gibt da ein schlaues Buch, da stehen Dinge drin wie: 'Wer unschuldig ist, werfe den ersten Stein'."
In Sachen Social Media würden junge Menschen vor allem an der "Hochglanzgesellschaft" zerbrechen, wie Mahlodji die Darstellungsformen auf Instagram und TikTok nannte. "Wenn du dort jeden Tag gut gelaunt sein musst, wirst du depressiv." "Social Media ist eine Plattform, die uns was verkaufen will", warnte Mahlodji.
Bei all dem Guten - Mahlodji nannte die feministischen Proteste im Iran oder Fridays for Future - die Social Media bewirken können, "haben wir da ein Monster erschaffen, dass wir erst zu reiten lernen müssen." Er plädierte deshalb für einen differenzierten Umgang: "Wir müssen uns für unsere Kinder interessieren und dürfen die Sozialen Medien nicht pauschal verteufeln." Vielmehr müsse man den Kindern dabei helfen, Verantwortung zu übernehmen.
Linda Lime, die auf ihren Social-Media-Kanälen vor allem Hotels oder Ausflugsziele bewirbt und bewertet, würde auch nicht alles empfehlen, sagte sie. Sie fahre nur an Orte, von denen sie selbst überzeugt sei und die auch für ihre Community Sinn machen würden. "Ich sage aber in meinen Videos nichts Negatives." Wenn bestimmte Dinge nicht passen, bringe sie diese direkt bei den Verantwortlichen zur Sprache.
Die im Jahr 2000 begonnene TALK-Serie über Gott & die Welt der Akademie für Dialog und Evangelisation findet u.a. in Kaffeehäusern, Kunst- und Theatergalerien oder auch Musikhallen statt.
Infos: https://akademie-wien.at