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10.06.2023

Messiaen lässt Auferstehungshoffnung erklingen

Symposium & Konzert in Wien: Olivier Messiaen's Orgelzyklus 'Les corps glorieux' bringt die christliche Auferstehungshoffnung zum Klingen.

 In den Kompositionen des "katholischen Bach" Olivier Messiaen (1908-1992) durchdringen sich in einzigartiger Weise Musik und Theologie. Deutlich wurde dies bei einem von der Katholisch-theologischen Fakultät Wien veranstalteten Symposion an der Uni Wien und einem Konzert, bei denen der Orgelyzklus "Les corps glorieux" aus dem Jahr 1939 im Mittelpunkt stand. Nach zwei einführenden Referaten zu musikalisch-theologischen Hintergründen des Komponisten und Organisten Messiaen durch Jan-Heiner Tück und Dorothee Bauer interpretierte Jörg Abbing, Organist und Musikwissenschaftler aus Saarbrücken, das Werk in der Augustinerkirche, heißt es in am Freitag einem Bericht der Fakultät.

"Les corps glorieux" bringt nach den Worten der Theologin Bauer die christliche Auferstehungshoffnung zum Klingen: Messiaen, der 60 Jahre lang Organist an der Pariser Kirche La Trinité war, habe in sieben kurzen Visionen über das Leben der Auferstandenen meditiert und sich dabei stark an der Summa theologiae des Thomas von Aquin orientiert: "Das Leben der Auferstandenen ist frei, rein, leuchtend, farbig. Die Klangfarben der Orgel spiegeln diese Charaktere wider", hielt der Komponist einführend zu "Les corps glorieux" fest. Mit dem großen mittelalterlichen Kirchenlehrer suche Messiaen "die Identität des irdischen Leibes mit dem Auferstehungsleib zu wahren, der zugleich verklärt und vervollkommnet wird", erklärte Bauer.

Auch nach den Worten von Dogmatikprofessor Tück gibt das Orgelwerk der christlichen Hoffnung Ausdruck, "dass wir nicht im Abgrund des Nichts versinken", sondern im Tod "bei unserem Namen gerufen werden", um das göttliche Antlitz zu schauen und zugleich als einmalige Personen erkennbar zu bleiben. Messiaen habe aus seinem katholischen Glauben nie einen Hehl gemacht. Ein Spiritualismus, der die Vollendungshoffnung abseits des Körperlichen auf das Geistige reduziere, sei ihm suspekt gewesen, so Tück. Nicht umsonst tauche in den Glaubensbekenntnissen die Formel von der "resurrectio carnis", der Auferstehung des Fleisches auf; auch die Kirchenväter hätten die gnostische Vorstellung abgelehnt, dass Christus nur einen Scheinleib gehabt habe.

Tück attestierte dem 1939, noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs entstandenen Werk "eine deutliche Vorahnung vom großen Schlachten" mit Millionen von Opfern. Der Komponist sei später selbst in einem Arbeitslager bei Görlitz inhaftiert gewesen, nachdem er 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet. Nach seiner Rückkehr nach Paris wurde Messiaen 1941 zum Lehrer am Konservatorium ernannt, kehrte in die Trinité-Kirche zurück und wurde einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er schuf neben Orgelstücken auch Kammermusik, Orchesterwerke und eine dem heiligen Franz von Assisi gewidmete Oper.