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05.07.2013

Erste Enzyklika: Das "Licht des Glaubens" wiedergewinnen

Franziskus vollendet die von Benedikt XVI. vorbereite Lehrschreiben.

Das Lehrschreiben "Lumen fidei" ist "vierhändig" entstanden. Franziskus schreibt, er habe dankbar auf die wertvollen Vorarbeiten seines Vorgängers Benedikt XVI. zurückgegriffen, der eine erste Fassung einer Enzyklika über den Glauben schon nahezu fertiggestellt hatte. Der Glaube an Jesus Christus könne und müsse das menschliche Leben in allen seinen Dimensionen bereichern, bekräftigt der Papst in seinem sehr theologisch und meditativ gehaltenen Schreiben. Gerade mit dem "Jahr des Glaubens" (Oktober 2012 bis 24. November 2013) wolle die Kirche den "Vorrang Gottes in Christus wieder zum Zentrum unseres kirchlichen und persönlichen Lebens" machen. Man müsse dem Glauben neue Horizonte erschließen und ihn in seiner Einheit und Unversehrtheit in Treue zu Christus erhalten und bekennen. Als grundlegende Elemente bezeichnete er dabei das Glaubensbekenntnis, die Feier der Sakramente, die Zehn Gebote und das Gebet.

 

Glaube ist Gegenteil von Götzendienst

Das Licht des Glaubens komme von Gott und habe daher die Kraft, das gesamte Sein des Menschen zu erleuchten, heißt es. Der Glaube sei nicht Privatsache des einzelnen Christen, vielmehr müsse dieser ihn in der Welt verkünden. Der christliche Glaube habe seinen Mittelpunkt in Christus und sei stets an Umkehr zum lebendigen Gott gebunden, so das Papstschreiben. Er sei damit das Gegenteil von Götzendienst. "Der Götzendienst bietet nicht einen Weg, sondern eine Vielzahl von Pfaden, die anstatt zu einem sicheren Ziel zu führen, vielmehr ein Labyrinth bilden." Glauben bedeutet, sich der barmherzigen Liebe Gottes anzuvertrauen, die dem Leben Richtung gebe. Diesen Weg des Glaubens müsse man in der Einheit der Kirche gehen.

 

Kein Widerspruch zu Vernunft

Glaube und Vernunft seien keineswegs Widersprüche. Sie stünden vielmehr in einer fruchtbaren Wechselbeziehung zueinander, heißt es zu einer Frage, die Benedikt XVI. häufig in seinen Reden und Texten behandelt hatte. Glaube respektiere den Anderen und auch den Andersdenkenden, er sei nicht arrogant: "Unsere Kultur hat die Wahrnehmung der konkreten Gegenwart Gottes und seines Handelns in der Welt verloren", schreibt der Papst in der Enzyklika. Es gebe die verbreitete Ansicht, "Gott befinde sich nur jenseits, auf einer anderen Ebene der Wirklichkeit, getrennt von unseren konkreten Beziehungen". Dagegen würden die Christen die "konkrete und mächtige Liebe Gottes, der wirklich in der Geschichte handelt und ihr endgültiges Los bestimmt", bekennen.

 

Knackpunkt Wahrheit

Freilich benötige Glauben stets auch Wahrheit, erklärt die Enzyklika. Gerade in der heutigen "Wahrheitskrise", die eine Sicherheit nur in der Technologie akzeptiere, brauche der Mensch Erkenntnis und Wahrheit, sonst habe er keinen Halt. "Glaube ohne Wahrheit rettet nicht"; er bliebe ein schönes Märchen oder reduziere sich auf ein schönes Gefühl, dass den Anfragen der Zeit jedoch nicht standhalte. Zur Durchdringung des Glaubens sei die Theologie erforderlich - die freilich ohne Glauben unmöglich sei. Ihre Orientierung am Lehramt des Papstes und der Bischöfe bedeute keine Grenze ihrer Freiheit, sondern sei "im Gegenteil eines ihrer inneren, konstitutiven Elemente, weil das Lehramt den Kontakt mit der ursprünglichen Quelle gewährleistet und folglich die Sicherheit bietet, aus dem Wort Christi in seiner Unversehrtheit zu schöpfen".