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19.05.2014 · Gedanken zum Evangelium

Der andere Anwalt

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 25. Mai 2014

Jesus verspricht den Seinen einen Gratisanwalt. Wenn er nicht mehr bei ihnen sein wird, nach seinem Weggang, wird er ihnen einen Anwalt besorgen, der immer für sie da sein wird. "Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen." Verwaist werden sie sich fühlen, wenn Jesus nicht mehr bei ihnen ist. Deshalb verspricht er ihnen "einen anderen Anwalt", der sie ebenso gut vertreten und verteidigen wird, wie er es zu Lebzeiten getan hat.

 

Wer ist dieser Anwalt? Und wozu braucht es ihn? Jesus verwendete wahrscheinlich das griechische Fremdwort "Paraklet", das auch im jüdischen Sprachgebrauch Eingang gefunden hatte, so wie wir das lateinische Fremdwort "Advokat" gebrauchen, um einen Rechtsbeistand zu bezeichnen.

 

Wozu brauchen wir einen Advokaten? Was soll ein Rechtsanwalt in unserem Leben? Sind wir denn Angeklagte, die einen Strafverteidiger benötigen? Sind wir in einen Prozess verwickelt, dass wir einen Anwalt zu unserem Schutz brauchen? Können wir uns nicht selber verteidigen? Sind wir gar unmündig? Wer klagt uns an? Alle diese Fragen stellen sich mir, wenn ich dieses Wort vom anderen Anwalt höre.

 

Ich glaube, wir leben in einer Welt der ständigen Beschuldigungen und Anklagen. Dauernd müssen wir uns verteidigen, uns rechtfertigen. Es wird in allem andauernd nach Schuldigen gesucht. So ist es in der Politik, in den Medien, aber auch im persönlichen Leben. Meistens suchen wir die Schuld bei anderen und verteidigen unsere eigene Unschuld. Manche wiederum leiden an übergroßem Schuldgefühl und halten sich selber für wertlos, untauglich, für nicht liebenswert und daher ungeliebt. Besonders schmerzlich ist es, wenn Menschen sich von Gott verstoßen und nicht angenommen empfinden. Nichts schmerzt mehr als das Gefühl, ungewollt und ungeliebt zu sein.

 

Ich habe den Eindruck, dass viele Gott selber oft vor allem als Richter sehen, der uns wie ein Buchhalter genau alles vorhält, was wir falsch gemacht haben. Nicht als unser Anwalt, sondern eher als unser Ankläger. Eher als der, der Angst macht als der, der Angst nimmt. Genau gegen diese Angst richtet sich die Ankündigung Jesu, er werde uns einen Beistand, einen Anwalt erbitten und schicken, damit wir gegen alle Anklagen einen Verteidiger haben.

 

Johannes, der Jesus so nahe war, sagt einmal: "Auch wenn unser Herz uns verurteilt, Gott ist größer als unser Herz." Ich glaube, das ist das Herz dessen, was Jesus wollte und immer noch will. Allen Menschen will er sagen: Du bist gewollt und geliebt, soviel du auch von anderen oder von dir selber angeklagt wirst. Diesen Geist hat Jesus versprochen und geschickt. Er sagt, die Welt könne diesen Geist nicht empfangen, "weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt". In der Welt und leider oft auch in der Kirche herrscht der Geist der Beschuldigungen, der gegenseitigen Anklagen und Verurteilungen. Der Geist Jesu ist anders. Er tritt für uns ein, nicht gegen uns. Er macht nicht nieder, sondern richtet auf. Er klagt nicht an, sondern macht Mut. Er wird zu Recht auch der Tröster genannt. Denn in allen Nöten dieses Lebens brauchen wir vor allem einen, der uns Zuversicht schenkt. Diesen guten Geist hat Jesus versprochen. Und er hält sein Versprechen.

19.05.2014
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Johannesevangelium 14, 15-21

 

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Nachrichten

Wien: Internationale Tagung zu synodalen Traditionen an der Universität Wien

Internationale Tagung in Wien beleuchtet historische Synoden, um heutige kirchliche Reformdebatten mit wissenschaftlicher Tiefe und globaler Expertise besser zu verstehen.

Deutscher Orden bestätigt Hochmeister Frank Bayard im Amt

Beim Generalkapitel in Wien bestätigte die Ordensgemeinschaft ihre Leitung und stellte zugleich zentrale Weichen für strukturelle und geistliche Weiterentwicklungen.

Eröffnung der Ausstellung "Kreuzbilder" im Stephansdom

Für Erzbischof Grünwidl sind Rainers Kreuzbilder mehr als Kunst: Sie weisen den Weg zu Aufmerksamkeit, Hoffnung und innerer Wandlung.

Pionierarbeit am Diözesankonservatorium Wien: Orgelspiel als Training für das Gehirn

Das Diözesankonservatorium für Kirchenmusik der Erzdiözese Wien startet ein außergewöhnliches Forschungsprojekt: Eine neue Vorstudie widmet sich der Frage, ob das komplexe Spiel an der Orgel positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit haben kann – und das über die gesamte Lebensspanne hinweg.

Neuer geistlicher Assistent für "Kirche in Not Österreich"

Wiener Pfarrer und Dechant Stefan Reuffurth von vatikanischer Klerusbehörde ernannt

Stephansdom zeigt Arnulf Rainers Kreuz-Werke trotz Widerruf

Mit 77 Kreuz-Darstellungen des im Dezember verstorbenen Künstlers Arnulf Rainer eröffnet das Wiener Domkapitel gemeinsam mit der Sammlung Trenker eine Ausstellung im Stephansdom. Die Präsentation läuft bis 7. Juni.

„Wenn wir mit unserem Latein am Ende sind, sollten wir ermutigt sein!“

Der Kurs Synodale Prozessbegleitung mit 40 Teilnehmenden im Dialog.Hotel Am Spiegeln geht in die zweite Runde. Eine down-to-earth Lern-Erfahrung, um in den kirchlichen Dienst als synodale ProzessbegleiterInnen hineinzuwachsen.

Kardinal Schönborn lädt zu Gebet für die Ukraine in den Stephansdom

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Ordensspitäler schaffen vier Milliarden Euro Wertschöpfung

Eine neue Studie zeigt: Österreichs 23 Ordensspitäler erzeugen vier Milliarden Euro Wertschöpfung und sichern über 41.000 Arbeitsplätze.

Starkes Team für starke Bildung: Neue pädagogische Leitung der Privatschulen der Erzdiözese Wien

Seit Dezember führt Constantin Haider als pädagogischer Geschäftsführer die Privatschulen der Erzdiözese Wien. Gemeinsam mit Eva Lindl, Leiterin von Kindergärten und Nachmittagsbetreuungen, gestaltet er die 12 Standorte zukunftsorientiert und wertebasiert. Ihre gemeinsame Basis: Leidenschaft für gute Pädagogik.

 

Erzbischof Grünwidl stellt erste Personalentscheidungen vor

Mit zwei zentralen Personalentscheidungen startet der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl in seine Amtszeit: Ab 1. Februar übernimmt Richard Kager die Leitung des Vikariats unter dem Wienerwald. Im Herbst folgt Andreas Kaiser als Generalvikar und tritt damit am 1. September die Nachfolge von Nikolaus Krasa an.

10 Jahre Pfarre Franz von Sales

„Zum zehnten Geburtstag feierte die Pfarre Franz von Sales ihr lebendiges Zusammenwachsen und die Vielfalt ihrer drei Teilgemeinden in Wien.“

Internationaler Schoa-Gedenktag -„Erinnern, um Menschlichkeit zu bewahren“

Zum Internationalen Holocaust-Gedenktag mahnen Erzbischof Grünwidl, Regina Polak und Bischof Scheuer zu wachem Erinnern und persönlicher Verantwortung. Betroffenheit allein reiche nicht – das Gedenken müsse vor Gleichgültigkeit schützen und sensibel machen für die Gefahren von Hass und Ausgrenzung heute.

Tag des geweihten Lebens 2026 – Einladung zur Vesper im Stephansdom

Am 30. Jänner 2026 lädt die Erzdiözese Wien alle Frauen und Männer des geweihten Lebens zur Pontifikalvesper um 16 Uhr in den Stephansdom ein.

„Hier bin ich“ – Admissio der angehenden Ständigen Diakone in Laa

Elf Männer wurden in Laa zur Diakonatsweihe zugelassen: Die festliche Admissio mit Weihbischof Turnovszky am vergangenen Freitag bezeichnet ihren nächsten Ausbildungsschritt.

Josef Grünwidl feierte erste Messe als Erzbischof mit 100 Armutsbetroffenen

Seine erste Messe als Erzbischof feierte Josef Grünwidl am Sonntag, 25. Jänner 2026, mit 100 Armutsbetroffenen. Danach lud er Sie zu einem gemeinsamen Mittagessen ein.

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Statue des Petrus

Petrus und der Papst

Gedanken zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag, 29. Juni, 2025 (Matthäus 16,13-19).

Am Ufer des Sees Genezareth versammeln sich 5000 Menschen, um die Rede Jesu vom Reich Gottes zu hören. Christus fordert die Jünger auf den Menschen Essen zu geben. Sie haben aber nur 2 Fische und 5 Brote. Jesus spricht das Dankgebet und teilt das Ess

Gebt ihr ihnen zu essen

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 19. Juni 2025.

Wer bin ich für dich?

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 22. Juni 2025

Was ist die ganze Wahrheit?

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 15. Juni 2025.

Am 50. Tag nach Ostern (griechisch pentecoste = 50) wird die Sendung des Heiligen Geistes gefeiert. Der Heilige Geist kommt wie Feuerzungen auf die versammelten Jünger herab und sie sind fähig in fremden Sprachen zu reden. Es ist gleichsam die Überwi

KI und der Heilige Geist

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zur Lesung vom 8. Juni 2025.

Segnende Hände

 

Christus geht mit seinen Jüngern in den Garten Gethsemane am Ölberg. Er will beten und fordert Petrus, Jakobus und Johannes auf, mit ihm zu beten. Er weiß, was ihm bevorsteht. Todesangst befällt ihn und er schwitzt Blut. Er bittet seinen Vater den Ke

Alle sollen eins sein

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 1. Juni 2025

mit freundlicher Genehmigung der Russisch-Orthodoxe Kathedrale zum heiligen Nikolaus

Was Jesus wirklich wichtig war

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 25. Mai 2025

Liebt einander!

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 18. Mai 2025

Was der Papst zu tun hat

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 11. Mai 2025

Das Schifflein des Petrus

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 4. Mai 2025

Nicht ungläubig, sondern gläubig

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 27. April 2025

Das Kreuz ist im Weg

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 18. April 2025

Was mir Ostern bedeutet

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 20. April 2025

Das Tor zur großen Woche

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 13. April 2025

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