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28.04.2015

Im Sport ist die Kirche den Menschen nahe

Glaube und Spitzensport haben oft mehr Berührungspunkte, als man meinen könnte.

Unter den katholischen Fußballfans des Traditionsklubs und amtierenden Champions-League-Gewinners Real Madrid gingen im vergangenen Dezember die Wogen hoch.

 

Der Grund: Ein Werbedeal der „Königlichen“, wie der Verein auch genannt wird. Vereinspräsident Florentino Perez hatte einen Millionen schweren Werbevertrag mit der National Bank des Emirats Abu Dhabi abgeschlossen und kurzerhand das christliche Kreuz der spanischen Königskrone, eigentlich Teil des Klubwappens, entfernt. 

 

Die Empörung war groß: Mit dieser Aktion habe Vereinspräsident Perez „das Geld über die Geschichte und Werte des Vereins gestellt“, kritisiert Maria Isabel Moreno, die Sprecherin der katholischen Vereinigung „Enraizados“.

 

Er nehme damit vielleicht Rücksicht auf die religiösen Gefühle einiger Muslime, doch gleichzeitig schätze er die Gefühl Hunderttausender christlicher Real-Madrid-Fans gering.

 

Mehr als 2.000 Unterschriften sammelte die Laienvereinigung gegen die Verbannung des Kreuzes aus dem Vereinswappen.

 

Die Emotionen ebbten erst ein wenig ab, als klar wurde, dass das Kreuz zwar auf den Kreditkarten der Werbepartner nicht zu sehen ist, es bei den Spielen in der Liga und der Champions League aber fester Bestandteil bleibt.

Sport als Mittel der Mission

Der Glaube und der Spitzensport – da scheint  es mehr Berühungspunkte zu geben, als man meinen könnte.

 

Nicht nur, wenn es um die religiösen Gefühle der Fans geht. Skifahrer bekreuzigen sich, bevor sie starten. Fußballer knien mit gefalteten Händen am Rand des Spielfeldes.

 

Papst Franziskus hat den Sport gar als ein „hervorragendes Mittel der Mission“ bezeichnet, bei dem die Kirche den Menschen nahe sei. Franziskus erinnerte dabei an die Entstehungsgeschichte seiner Lieblingsmannschaft aus Buenos Aires, San Lorenzo, die von dem katholischen Priester und Ordensmann Lorenzo Massa gegründet wurde.


Viele Sportlerinnen und Sportlern lassen in Interviews durchblicken, dass ihnen ihr Glaube wichtig ist, er ihnen Kraft gibt.

 

Österreichs erfolgreichster Skispringer Gregor Schlierenzauer sagte einmal in einem Interview: „Ich glaube, dass vieles, was im Leben passiert, einen Grund hat. Für mich regelt dies jemand und das ist Jesus.“

 

Er besuche im Rahmen von Sportveranstaltungen auch Sportlergottesdienste, so Schlierenzauer. Diese würden ihm die Möglichkeit bieten, „mit positiver Energie in das Geschehen hineinzustarten, sowie mit Gott ein paar Worte zu sprechen.“ All das helfe ihm, sein Können am Tag X besser abrufen zu können. Nachsatz: „Ich glaube, dass Spitzensportler grundsätzlich sehr gläubige Menschen sind, obwohl nicht alle es zugeben würden.“

Rituale helfen – für manche ist es das Gebet  „Sportler sind – natürlich – ganz normale Menschen“, lacht Pater Johannes Paul Chavanne, seit 2014 Olympiakaplan und in dieser Funktion ganz nah am Sport und den Athletinnen und Athleten dran: „Die seelsorglichen Fragen sind deshalb im ersten Moment auch gar nicht so anders als bei anderen.“

 

Manche haben einen klaren Zugang zum Glauben, andere weniger. „Ich bin prinzipiell für alle da, stehe zur Verfügung, wo man mich braucht. Versuche eben ein Hirte mitten unter den Menschen zu sein.“

 

Als Seelsorger müsse man ohnehin oft spontan und flexibel sein, um auf die unmittelbaren Bedürfnisse eines Menschen adäquat reagieren zu können. 

 

Was ihm aber immer wieder auffalle ist, dass Spiritualität und Glaube, vor allem aber auch bestimmte Rituale bei den Sportlerinnen und Sportlern meist eine große Rolle spielen. „In einem Bereich, in dem es so sehr darum geht, Leistungen innerhalb kürzester Zeit abzurufen, in dem Hundertstelsekunden entscheiden, glauben viele, um es einmal neutral zu formulieren, an eine höhere Macht.“

 

Viele tragen Glücksbringer bei sich. Viele legen aber auch Wert auf Rituale, die beruhigend wirken und in die richtige Stimmung bringen. „Für viele ist so ein Ritual das Kreuzzeichen vor dem Start. Ein kurzes Stoßgebet sozusagen“, sagt Pater Johannes Paul.

 

Gerade den Profisportlern sei sehr bewusst, dass das, was sie tun, auch gefährlich ist. „Und da liegt ein ,Hilf mir, diese Situation sicher zu überstehen‘ eigentlich doch ganz nahe.“

 

Auf Geist, Seele UND Körper achten

Körper, Geist und Seele – das sei in jedem Fall eine klare Einheit, sagt P. Johannes Paul Chavanne. Und da sei es – egal ob für Spitzensportler oder jemand anderen – doch nur logisch auf jeden der drei Bereiche in gleicher Art und Weise zu achten.

 

„Weder mein Geist, noch meine Seele, noch mein Körper sollten zu kurz kommen“, sagt er: „Alle sollten in einer Form gefordert werden, die meinem allgemeinen Wohlbefinden zuträglich ist.“

 

Wieviel Forderung und Bewegung in welchem Bereich gut tut und auch notwendig ist, das müsse natürlich jeder für sich selbst entscheiden.