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16.06.2015

Voll Humor & Menschlichkeit - Gedenken an WB Dr. Ja­kob Wein­ba­cher

30. Todestag von Weihbischof Dr. Ja­kob Wein­ba­cher

„Er war un­ge­heu­er kon­takt­freu­dig, hat es ver­stan­den Be­rüh­rungs­ängs­te ab­zu­bau­en und ist im­mer sehr be­hut­sam mit den Men­schen und der Kir­che um­ge­gan­gen“, sagt Bi­schofs­vi­kar Karl Rüh­rin­ger über Weih­bi­schof Dr. Ja­kob Wein­ba­cher, des­sen Ze­re­mo­ni­är er von 1972 bis zu sei­nem Tod 1985 war: „Er war ein lie­bens­wür­di­ger, geduldiger und sehr hu­mor­vol­ler Mensch und mir im­mer ein groß­ar­ti­ger Chef. “

 

Be­weg­tes Le­ben

1901 wird Ja­kob Wein­ba­cher in Gun­trams­dorf bei Wien ge­bo­ren, 1924 zum Pries­ter ge­weiht. 1926 er­nennt in Kar­di­nal Fried­rich Gus­tav Piffl zu sei­nem Ze­re­mo­ni­är. Wenige Zeit spä­ter geht er zum wei­te­ren Stu­di­um nach Rom, macht dort das Doktorrat in Ka­no­ni­schem Recht. 1932 holt ihn Kar­di­nal Theo­dor In­nit­zer als sei­nen Sek­re­tär zurück nach Wien.

 

„Die Zeit die dann kam, ge­hört be­stimmt zu den schwers­ten sei­nes Le­bens. Allerdings hat er nur sel­ten da­rü­ber ge­spro­chen“, be­rich­tet Bi­schofs­vi­kar Karl Rühringer.

 

In be­son­de­rer Er­in­ne­rung blei­ben ihm aber die Er­zäh­lun­gen über den Sturm der Hitler­ju­gend auf das Erz­bi­schöf­li­che Pa­lais im Ok­to­ber 1938. „Weih­bi­schof Wein­ba­cher hat er­zählt, dass sie die Po­li­zei an­ge­ru­fen ha­ben, dass die aber nicht ge­kom­men ist.

 

Die Hit­ler­ju­gend ist dann ins Pa­lais ein­ge­drun­gen und hat ver­sucht, ihn und auch den spä­te­ren Erz­bi­schof Ja­chym aus dem Fens­ter zu stür­zen. In To­des­angst ha­ben sich die bei­den Män­ner an das Fens­ter­kreuz ge­klam­mert und konn­ten sich so ret­ten.“

 

1943 wird Weih­bi­schof Wein­ba­cher ver­haf­tet. 22 Mo­na­te lang sitzt er im Ge­fäng­nis in Stet­tin. „Nur der be­din­gungs­lo­se Ein­satz von Prä­lat Wag­ner hat ihn vor dem Tod geret­tet“, weiß Bi­schofs­vi­kar Karl Rüh­rin­ger aus zahl­rei­chen Ge­sprä­chen.

 

Nach dem Krieg 1945 wird Weih­bi­schof Wein­ba­cher Lei­ter der Wie­ner Ca­ri­tas. 80.000 Kin­der wer­den in sei­ner Amts­zeit auf Er­ho­lung im In- und Aus­land ge­schickt. 1952 wird er in Rom zum Rek­tor der Ani­ma er­nannt.

 

1961 holt ihn Kar­di­nal Franz Kö­nig nach Wien zu­rück und macht ihn zum Ge­ne­ral­vi­kar. Nur ein Jahr spä­ter wird er von Papst Jo­han­nes XXI­II. zum Weih­bi­schof er­nannt. Weih­bi­schof Wein­ba­cher war Lei­ter des Erz­bi­schöf­li­chen Schul­am­tes, Prä­si­dent der Wie­ner Ka­tho­li­schen Aka­de­mie, Sek­re­tär der Bi­schofs­kon­fe­renz und Bi­schofs­vi­kar für die Or­dens­ge­mein­schaf­ten.

 

Mit Leib und See­le

„Je­des sei­ner Äm­ter hat er mit un­er­müd­li­chem Ein­satz aus­ge­füllt“, so Bi­schofs­vi­kar Karl Rüh­rin­ger: „Vor al­lem aber sei­ne bi­schöf­li­chen Funk­tio­nen ha­ben ihm gro­ße Freude be­rei­tet.

 

Ich er­in­ne­re mich ger­ne da­ran, welch gro­ßes An­lie­gen es ihm war, sich et­wa nach einer Fir­mung bei al­len für die Vor­be­rei­tun­gen zu be­dan­ken – auch na­tür­lich bei den Frau­en in der Kü­che.

 

Ein­mal gin­gen wir durch den Hin­ter­ein­gang in die Kü­che und sehen da die Frau­en am Fens­ter ste­hen, wie sie be­obach­ten, wie der bi­schöf­li­che Wa­gen schon vor­fährt. Wohl in der An­nah­me, dass er ge­ra­de weg­fährt und in der Erleich­te­rung, dass al­les planmä­ßig ver­lau­fen ist und es kei­ne Pan­nen ge­ge­ben hat, sagt ei­ne ,Gott sei dank, er fährt schon‘.

 

Weih­bi­schof Wein­ba­cher stand hin­ter ihr, hat ge­lacht und ge­sagt ,Gell, nix wie Schere­rei­en hat man, wenn ein Bi­schof kommt.‘ Er­schreckt hat sich die Frau umgedreht, aber der Weih­bi­schof ist ihr so herz­lich ent­ge­gen ge­kom­men, dass sich ih­re Be­den­ken, ei­nen un­ver­zei­li­chen Feh­ler ge­macht zu ha­ben, so­fort in Wohl­ge­fal­len auf­ge­löst ha­ben.“