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15.07.2015

Nina Blum: "Märchen zeigen uns einen Spiegel"

Nina Blum

"Ich habe nie gedacht, dass es mir so viel Spaß macht, Menschen zu führen“, sagt Nina Blum.

"Meine Stücke sind nie pädagogisch. Sie haben eine schöne Aussage, sind aber dennoch witzig. Es gibt etwas zum Lachen und etwas Nachdenkliches", sagt die Schauspielerin, Regisseurin und Intendantin Nina Blum.

Sie sind Schauspielerin, Intendantin, gleichzeitig auch Psychologin und Unternehmensberaterin. Sind Sie tagsüber im Büro und am Abend auf der Bühne?


Nina Blum: Ich bin in meinem ersten Beruf Psychologin und habe eine Ausbildung für systemische Beratung absolviert und dann als Beraterin selbständig gemacht. In diesem Bereich arbeite ich sehr viel zum Thema Führungskräfteausbildungen, ich mache sehr viel Teamentwicklungen, wenn Teams neu zusammengesetzt werden oder Konflikte haben. Diesen Beruf habe ich eigentlich nur ein paar Jahre, nachdem ich die Schauspielschule absolviert hatte, nicht ausgeführt. Seit zehn Jahren mache ich beides parallel. Es gibt Jahreszeitenschwerpunkte. Im Herbst und Winter mache ich sehr viele Beratungen, Sommerzeit ist wirkliche Festivalzeit.

 


Wie funktioniert die Doppelidentität? Als Künstlerin sind Sie Nina Blum und  als Unternehmerberaterin Nina Halder-Schüssel.

 

Nina Blum: Ich trenne das relativ klar. Für mich sind diese zwei Namen sehr gut, um für mich selbst eine Rollenklarheit zu haben. Es ist für mich und die anderen eine gute Klarheit. Es ist keine Reduktion, eher eine Bereicherung. Wenn man berät, schadet es nicht, wenn man das Gespür dafür hat, vor einer Gruppe zu stehen, Wenn ich inszeniere, habe ich das Gefühl, meine psychologische Ausbildung  hilft mir dabei. Es geht darum, ein Ensemble in ein gemeinsames Tun zu bringen und sie unterstützen, ihre Rollen zu finden. Da braucht man sehr viel gruppendynamisches Knowhow.

War es wichtig, diesen Künstlernamen zu wählen, um sich vom Namen ihres Vaters Wolfgang Schüssel abzugrenzen?

 

Nina Blum: Ich bin 1999 in die Schauspielschule gekommen. Für mich war es damals schon wichtig, einfach zu wissen: Wenn ich die Aufnahmsprüfung mache, nehmen sie mich, weil ich Talent habe oder nicht? Ich hatte das Gefühl, wenn ich mit meinen normalen Namen antrete, weiß ich nicht, ob sie mich nur deshalb genommen haben oder auch nicht. Das wollte ich neutralisieren. Dann hat sich das so verselbständigt und ich habe die Nina Blum sehr ins Herz geschlossen. Der Name ist Teil meiner Identität.

Sie sind eine spätberufene Schauspielerin. War das eine wohlüberlegte oder Bauch-Entscheidung?

 

Nina Blum: Es war einfach ein Wunsch. Ich habe in der Schule schon sehr viel Theater gespielt. Nach der Matura haben mich zwei Wege interessiert. Entweder die Aufnahme am Reinhardt-Seminar probieren oder Psychologie studieren. Dann habe ich beschlossen, mit Psychologie zu beginnen, Das Studium hat mir so Spaß gemacht, die Schauspielerei war nicht so wichtig. Wie ich fertig war und zwei Jahre gearbeitet habe, ist immer wieder dieser Wunsch gekommen: Ich war so schnell mit dem Studium fertig, und eigentlich mag ich das auch noch probieren. Ich wurde in die Schauspielschule genommen., habe meinen damaligen Job gekündigt und mich als Beraterin selbständig gemacht.

Sie machen Kindertheater auf der einen Seite und Theater für Erwachsene auf der anderen. Wo liegen die Unterschiede in der Produktion?

 

Nina Blum: Ich finde Kinder ein wahnsinnig interessantes, aber auch schwieriges Publikum. Wenn ihnen fad ist, dann sind sie unruhig und stehen auf. Sie haben nicht diese Höflichkeit: Es ist schlecht, aber ich bleibe sitzen. Wenn es gelingt, Kinder zu faszinieren, weiß man es sofort. Beim Märchensommer in Poysbrunn gelingt es seit vielen Jahren. Man braucht sehr viel Improvisationsgespür als Schauspieler, auch die Musik ist sehr wichtig. Und das Interaktive. Bei den Erwachsenen sehe ich wie beim Sommertheater Rosenburg, dass wir Theater für das Publikum machen. Ich möchte bei meinem Sommerfestivals  Theater machen im Sinne, dass die Besucher verzaubert werden, dass sie in eine Welt hineinkippen, in eine Fantasiewelt, in einen anderen Raum entführt werden und dann ein wenig glücklicher hinausgehen als sie gekommen sind.

 

Märchen funktionieren nach wie vor für Kinder. Sind diese etwas Zeitloses?

 

Nina Blum: Ich bekomme oft das Feedback, dass Erwachsene sich genauso freuen wie die Kinder. Märchen sind archäische Geschichten, die die Grundthemen, die uns Menschen bewegen, sehr gut ansprechen. Der Blechmann im "Zauberer von Oz" sehnt sich nach einem Herzen, der Löwe nach Mut, die Vogelscheuche nach Verstand. In Wirklichkeit besitzen sie das schon, aber es ist ihnen nicht bewusst. Das ist eine schöne Metapher, dass wir Menschen oft glauben, etwas nicht zu haben, was wir eigentlich eh in uns tragen.  Das ist das Schöne an Märchen, dass sie uns einen Spiegel vorzeigen, ohne pädagogisch sein zu müssen. Meine Stücke sind nie pädagogisch, sie haben eine schöne Aussage, sind aber dennoch witzig. Es gibt etwas zum Lachen und etwas Nachdenkliches. Trotzdem geht jeder raus und ist ein Stück bereichert.

Sie haben vorher gesagt: Man trägt etwas in sich und weiß es noch gar nicht. Ist es Ihnen persönlich auch so gegangen?

 

Nina Blum: Als Kind war ich sehr verträumt, ein wenig schüchtern, eher beobachtend. Jetzt bin ich eine, die sehr gerne gestaltet und bewegt, andere mitzieht. Ich habe nie gedacht, dass es mir so viel Spaß macht, Menschen zu führen. Ich bekomme von den Mitarbeitern  sei es Schauspieler und in der Produktion die Rückmeldung, dass sie sich wohlfühlen. Es gelingt, eine gute Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Das hätte ich mir vor zehn Jahren nicht gedacht, ob ich das so kann. Durchs Tun habe ich gemerkt, das ist total meins. Ich finde es schön, Menschen zu begleiten und Räume zu öffnen.  

erstellt von: Der Sonntag / Marlene Groihofer & Markus Langer
15.07.2015
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Zur Person

Nina Blum wurde 1973 in Wien als Tochter des späteren Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel und seiner Frau Krista geboren. Sie studierte Psychologie an der Universität Wien. Danach absolvierte sich eine Schauspielausbildung an der Schauspielschule Krauss in Wien.

Im Frühjahr 2006 hat Nina Blum den Märchensommer Niederösterreich ins Leben gerufen.Dieser ist ein interaktives Wandermärchentheater für Kinder ab vier bis zwölf Jahren – und für all jene Menschen, die Märchen lieben.

Seit 2008 findet er auf dem 800 Jahre alten Schloss Poysbrunn im Weinviertel statt. Das Schloss mit seinen alten Räumlichkeiten, Schlossgarten, Keller und Dachboden fungiert als Märchentheater-Bühne. Für den Märchensommer Niederösterreich auf Schloss Poysbrunn wird jedes Jahr ein eigenes Märchentheater verfasst sowie die dazu passende Musik komponiert. Das Publikum teilt sich in Gruppen, welche sich parallel durch das Schloss bewegen und somit unterschiedliche Szenen und Perspektiven einer Geschichte erleben.

Im Sommer 2015 steht zum zehnjährigen Jubiläum "Der Zauberer von Oz" auf dem Programm (www.maerchensommer.at). In der Steiermark gibt es seit dem Sommer 2014 ebenfalls einen „Märchensommer“, Spielort ist der Hof des Priesterseminars in Graz.

Im Herbst 2014 hat Nina Blum die Funktion als Intendantin und künstlerische Leiterin der Sommernachtskomödie Rosenburg übernommen.
Nähere Informationen zu den Vorstellungen im Waldviertler Renaissanceschloss:
www.sommernachtskomoedie-rosenburg.at

 

 


 

 

 

Weitere Informationen zu "Der Sonntag" - die Zeitung der Erzdiözese Wien

 

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Sr. Franziska Madl OP schreibt ihre Gedanken zum Evangelium zum Sonntag der Barmherzigkeit (19.4.2020)

Vorurteil oder nicht? Die Kirche ist mächtig

Die eigentliche Macht der Kirche sind aber das Wort und die Tat.

Vorurteil oder nicht? Wasser predigen und Wein trinken

Was meint die Rede von der „glücklichen Schuld“ in der Osternacht?     

„Die Diagnose war der Anfang, nicht das Ende“

Diagnose Brustkrebs: Über ein Jahr lang  kämpft die zweifache Mutter mit der Erkrankung, erfolgreich.

Keine Sympathie für Pilatus (Mt 27,1-26)

Elisabeth Birnbaums Evangeliumsauslegung zum Palmsonntag (5.4.2020)

Vorurteil oder nicht? Die Kirche ist konservativ.

Ist die Kirche zu konservativ?

Durchkreuzt: Keine Antwort auf das Warum?

Ein Gott, bei dem uns alles klar wäre, ist nicht der Gott Jesu Christi.

Auferweckung ist nicht gleich Auferstehung (Joh 11, 3-7.17.20-27.33b-45 )

Br. Günter Mayer SDB: Evangeliumsauslegung zum 7. Fastensonntag (29.3.2020)

Vorurteil oder nicht? Ignoranz und Vertuschung

Der Skandal des Vertuschens

Weihbischof Turnovszky: Unser aller Leben hat sich schlagartig verändert

Corona und die Folgen, Weihbischof Turnovszky zur aktuellen Lage und wie sich auch sein Tagesablauf verändert hat.

Fürchtet euch nicht

Vom Umgang mit der Angst

Jetzt ist die Zeit der anderen Backe

Darauf müssen wir uns einfach einstellen. Lassen wir die Unduldsamkeit an der Liebe zerschellen!

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Freude einüben, Leben schöpfen (Joh 9,1)

Barbara Ruml: Evangeliumsauslegung zum 4. Fastensonntag (22.3.2020)

Christus, Heil der Kranken...

Es ist nicht mangelndes Gottvertrauen wenn wir medizinisch vorsichtig sind

Lebendig (Joh 4,5-26. 39a. 40-42)

Markus Beranek: Evangeliumsauslegung zum 3. Fastensonntag ( 15. März 2020)

Vorurteil oder nicht? Die Kirche ist: Verstaubt oder zeitgemäß?

Ist der Glaube und die Kirche überhaupt (noch) zeitgemäß.

Nach 66 Tagen.

Ein Kind, das lebensverkürzend erkrankt, verändert eine ganze Familie und die Hospizarbeit in Österreich.

Vorurteil oder nicht?: Nur Kinder, Küche und Kirche?

Welche Rolle spielen die Frauen in der Kirche? Sind Frauen generell spiritueller als Männer?

Hoffnung und Trost aus Stein und Glas?

Es macht nachdenklich, wenn Kirchen in Zeiten von Angst und Verunsicherung gesperrt werden.

Es ist gut, dass wir hier sind! (Mt 17, 1-9)

Sr. Franziska Madl OP: Evangeliumsauslegung zum 2. Fastensonntag (8.3.2020)

„Passionswege“ durch die Fastenzeit: Völlig allein gelassen

Die Geschichte eines Missbrauchs: Mit einem Mal ist die Zeit wieder präsent. Die Ereignisse liegen 40 Jahre zurück.

Genau hinschauen (Mt 4, 1-11)

Markus Muth und Michael Haller schreiben ihre Gedanken zum Evangelium zum 1. Fastensonntag, (1. März 2020)

Vorurteil oder nicht?: Zwischen Glaube und Geld

Den gängigsten Vorurteilen gegen die katholische Kirche auf den Grund gegangen.

Österreichweite Kooperation und Digital-Abo

Neuer Online-Auftritt und wöchentliches Digital-Abo

Der SONNTAG in der Offensive

Selfie schicken und gewinnen

Hilfe für unbegleitete Flüchtlinge in Bosnien

„Pfarrnetzwerk Asyl“ hilft jugendlichen  Flüchtlingen konkret vor Ort in der Stadt Bihac.

Gesund durch den Winter mit Hildegard von Bingen. 7: Mit neuer Kraft ins Frühjahr

Expertin Brigitte Pregenzer gibt Tipps für eine wohltuende Reinigungskur, für Pollen-Allergiker und bei Frühjahrsmüdigkeit.

Gelassen pilgern durch das Weinviertel

Auf 153 Kilometern führt der „Jakobsweg Weinviertel“ von Drasenhofen nach Krems.

„Wir wollen nicht nationale Not gegen andere ausspielen“

Interview mit Andreas Knapp, Auslandshilfechef der österreichischen Caritas.

„In der Bibel ist immer Fasching“

Auch wenn der Fasching keine explizit kirchliche Erfindung ist, offensichtlich gibt es durchaus biblische Anleihen für ausgelassenes Feiern.

Genussvoll glauben: Immer der Nase nach

In dieser Ausgabe widme ich mich den Freuden, die wir uns durch Gerüche und Düfte bereiten können.

Nicht schon wieder! (Mt 5,38-48)

Elisabeth Birnbaums Evangeliumsauslegung zum 7. Sonntag im Jahreskreis (23.2.2020)

Neue Lektüre für Klein und Groß

Warum auch Erwachsene das eine oder andere Kinder- und Jugendbuch unbedingt zur Hand nehmen sollten, haben wir uns für Sie angeschaut.

Was tun bei Demenz?

Kurse und Lehrgänge vermitteln grundlegendes Wissen und einige hilfreiche Methoden und Ideen für einen stressarmen Alltag

Durchkreuzt: Einfach da sein dürfen vor Gott - ein Interview

Schicksalsschläge werfen oft aus der Bahn. Benediktinerpater Martin Werlen im Interview

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