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10.12.2015

Ein Heiliger und „sein“ Cafe

Der neue Treff in der Pfarre St. Nepomuk (Wien 2) lockt Alleinlebende hinter dem Ofen hervor.

Elisabeth  starrt Löcher in die Luft. Seit dem Tod ihres Mannes vor vier Jahren ist sie tagtäglich allein mit sich selbst. Die Unmöglichkeit, mit einem Menschen zu sprechen, schnürt ihre Kehle zusammen. 

 

An Wochenenden und Feiertagen zählt sie die Stunden, bis die Geschäfte wieder geöffnet sind. Dann kann sie zumindest mit anderen die Auslagenfront entlangschlendern.

 

Schließlich beschließt sie unter großer Angst,  sich ihrem Pfarrer anzuvertrauen. Mit tränenerstickter Stimme ringt sie um Worte. 

 

Der Priester wundert sich wenig, schließlich kennt er etliche Menschen, die die Last des Alleinseins  erdrückt. Genau dem soll das „Cafe Nepomuk“ Abhilfe schaffen.


Im April 2014 hat Pastoralassistentin Roswitha Feige das „Cafe Nepomuk“ in der Pfarre St. Johann Nepomuk (Wien 2)  gemeinsam mit dem Pfarrcaritas-Kreis aus der Taufe gehoben.

 

Was ist das Besondere daran? „Es kommen Ältere und Jüngere, Geschiedene und Verheiratete, Moslems und Christen, Arbeitslose, Pensionisten und Berufstätige, Ausländer, Behinderte und Nichtbehinderte zusammen“, hält Feige fest. „Gruppen für Gleichartige, sei es für Arbeitslose, Pensionisten oder Ausländer, können mitunter den Kontakt zur Außenwelt verhindern“.

Viele Gesprächsthemen

Was unterscheidet dieses Cafe von einem Pfarrcafe? „Man sitzt nicht nur allein an seinem Tisch, sondern man wird in die Gruppe miteinbezogen“. 

 

Das heißt: Alteingesessene kommunizieren mit den „Neuen“. So sind diese von Anfang an nicht allein.

 

Darüberhinaus finden andere Aktivitäten wie Wanderungen oder Kekse-Backen statt, bei denen man einander näher kennenlernt. Gesprächsthemen gibt es viele: Von ernsten und tiefsinnigen („seit dem letzten Cafe ist meine Mutter gestorben“) bis zu heiteren spannt sich der Bogen. 

 

„Die Gruppe hat mich durch eine schwierige Zeit getragen“, sagt Elmar. „Das Cafe  tut mir jedes Mal gut“,  erzählt Katharina. „Ich bin so froh, wenn ich bei Euch bin“, bekennt Petra, „aber es fällt mir immer wieder schwer, mich aufzuraffen.“