Im Nahen Osten werden derzeit einzigartige Kulturgüter zerstört. Auch die syrisch-aramäische Sprache ist gefährdet, es ist die Sprache der syrisch-orthodoxen Christen und die Sprache, die Jesus von Nazareth gesprochen hat: Mit der Sprache sei es wie mit einer Pilgerreise an die heiligen Stätten, man fühle sich Jesus besonders nahe, sagt Aho Shemunkasho, Gründer des Salzburger Masterstudiums "Syrische Theologie". Aber auch die Art der Sprache, die voller Symbole steckt, verbinde uns mit Jesus. "Er hat in Gleichnissen und Beispielen gesprochen: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Weizenkorn…"
Viele aramäisch-sprachige Christen haben ihre Heimat verlassen. "Ihre Kinder wachsen in Europa auf, sprechen Englisch oder Deutsch und denken westlich", so Aho Shemunkasho. Er selbst ist in einem christlichen Dort im Tur Abdin, im Südosten der Türkei geboren worden. 1980 hat der damals 11-Jährige mit seiner Familie in Deutschland um Asyl angesucht.
"Was mich in dieser Zeit besonders geprägt hat, war mein Onkel Ibrahim Shemunkasho. Er hat den syrischen Kindern aus der Nachbarschaft Kirchenlieder und das Lesen und Schreiben der syrisch-aramäischen Sprache beigebracht." Ein Studium der "Syrischen Theologie" gab es damals in ganz Europa nicht. Aho Shemunkasho studierte also Katholische Theologie und promovierte später in Oxford. Vor zehn Jahren kam er nach Salzburg, "von Anfang an mit dem Wunsch, Lehre und Forschung in Syrischer Theologie anzubieten", erzählt er. Doch wie sollte das möglich sein, an einer Katholischen Fakultät?
Was in Deutschland nicht möglich war, konnte in Salzburg verwirklicht werden. Man stützte sich auf eine Vereinbarung der katholischen mit der syrisch-orthodoxen Kirche aus dem Jahr 1984, in der es in erster Linie darum geht, einander soweit wie möglich anzuerkennen, in der aber auch geschrieben steht, dass im Rahmen der Bildung Zusammenarbeit möglich sei. "Viele Kollegen haben mitgeholfen", sagt Shemunkasho und betont u.a. die Mitarbeit der Stiftung Pro Oriente und des Salzburger Dekans Dietmar Winkler, sowie die Gespräche mit der Erzdiözese Salzburg.
Das Besondere an dem nun im dritten Semestern laufenden Universitätslehrgang "Master of Arts in Syriac Theology" ist, dass es eine gleichwertige Ausbildung im Nahen Osten kaum noch gibt. "In den Ländern, wo die syrisch-orthodoxen und die ostsyrischen Christen zuhause sind, ist es ihnen nicht möglich, irgendeine staatlich anerkannte Ausbildung anzubieten. Weder in der Türkei, noch im Irak, auch im Libanon nicht." Das einzige Theologische Seminar, es war erst 1996 neu erbaut worden, liegt im Kriegsgebiet, in Damaskus, seine Zukunft ist ungewiss.
Der Salzburger Lehrgang sei "ein Hoffnungszeichen", so Shemunkasho. Nicht nur für die Studierenden aus dem Nahen Osten, auch für die Westlichen: Ein Blick in den Hörsaal zeigt eine bunte Gruppe, junge Menschen aus Indien, Deutschland, der Türkei, Griechenland und aus Syrien. "Syriac Theology verbindet Menschen aus der ganzen Welt", sagt Noah, ein Student aus Indien.
In der Integrationsdebatte sei das neue Studium nun besonders aktuell, erklärt Christoph Paar, ein Student aus Deutschland: "Viele Menschen meinen, es würden nur Moslems zu uns kommen, aber es kommen auch viele Christen. Wir sollten nicht glauben, dass wir ihnen das Christentum erklären müssen. Manches mag für uns fremd sein, dennoch wir können viel von ihnen lernen."
Der Klassiksender der Erzdiözese Wien brachte anlässlich der "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen" eine Reportage über den Salzburger Masterkurs "Syrische Theologie". Die Redakteurin und Theologin Stefanie Jeller hat die Studierenden getroffen und mit dem Gründer des Studiengangs, Aho Shemonkasho, gesprochen. Die 25-minütige Sendung in der Reihe Perspektiven steht auf der Website von radio klassik zum Nachhören und Herunterladen zur Verfügung.