Donnerstag 19. März 2026

Schnellsuche auf der Website

12.12.2017

Kurz verspricht mehr Einsatz der Regierung für verfolgte Christen

Traditioneller Fackelzug für verfolgte Christen in der Wiener Innenstadt.

Mit einem Fackelzug von der Oper durch die Wiener Innenstadt bis zum Stephansdom haben am Dienstagabend, 12. Dezember 2017 hunderte Vertreter der verschiedensten christlichen Kirchen und Organisationen auf die weltweite Christenverfolgung aufmerksam gemacht. "Wir setzen ein Zeichen, dass wir unsere verfolgten Brüder und Schwestern nicht vergessen", so der Wiener Weihbischof Franz Scharl. Außenminister und VP-Chef Sebastian Kurz versprach in einem beim Marsch verlesenen Grußwort, sich künftig im Rahmen der heimischen Politik wie auch auf EU-Ebene verstärkt für weltweite Religionsfreiheit einzusetzen. "Der Schutz von Christen muss einen stärkeren Bezug für unser außenpolitisches Handeln erhalten, bilateral und auf EU Ebene", so Kurz wörtlich.

 

Situation im Nahen Osten besorgniserregend

Die Situation von Christen und anderen religiösen Minderheiten sei vor allem in Asien und im Nahen Osten besorgniserregend, unterstrich der Außenminister in seiner Botschaft. Gravierende systematische Menschenrechtsverletzungen bis hin zum Genozid an chaldäischen, syrischen, assyrischen, melkitischen und armenischen Christen, Jesiden, Turkmenen, Schiiten, Sunniten und vielen anderen religiösen und ethnischen Minderheiten hätten die Natur des Konfliktes im Nahen Osten dramatisch geändert. Österreich setze sich daher dafür ein, "dass Kriegsverbrechen und alle gravierenden Menschenrechtsverletzungen untersucht und die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden", stellte der Außenminister in den Raum.

 

Hilfsleistungen aus Österreich

Österreich habe zudem eine lange Tradition humanitären Engagements und unterstütze in diesem Sinn die diesbezüglichen Anstrengungen der internationalen Staatengemeinschaft. Bei den Hilfsleistungen gehe es Österreich insbesondere um die Stabilisierung von Krisenregionen und damit um die Bekämpfung der Ursachen von Flucht und Migration. Kurz: "Die Hilfe vor Ort soll vor allem zur Schaffung eines Umfeldes zur Rückkehr und Reintegration von Flüchtlingen und intern Vertriebenen beitragen."

Helmut Kukacka, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV), zeigte sich am Rande des Fackelzuges im "Kathpress"-Interview erfreut über die Ankündigungen des Außenministers. Den Worten müssten nun freilich Taten folgen, so Kukacka in Richtung der kommenden Regierung. Der AKV-Präsident bedauerte zugleich, dass der Einsatz gegen Christenverfolgung in Österreich wie in ganz Europa nur ein Randthema sei. Es fehle in der Bevölkerung schlicht die persönliche Betroffenheit, "dass so etwa heute überhaupt noch möglich ist". Freilich sei es in vielen Ländern tragische Realität.

 

P. Wallner: "Westen sieht untätig zu"

In die gleiche Kerbe schlug auch "Missio"-Nationaldirektor P. Karl Wallner. "Heute werden Christen weltweit verfolgt wie nie zuvor. Und das Tragische ist, der Westen sieht untätig zu", so Wallner wörtlich. Der Glaube in Europa sei schwach geworden. Wallner: "Aus dem Glauben an Christus sind ein säkularer Humanismus, ein naiver Tolerantismus und verharmlosender Pazifismus entsprungen." Christenverfolgung sei aber "blutige Wirklichkeit", so der "Missio"-Nationaldirektor. Sein Gewissen verbiete es ihm, zu schweigen.

Kurt Igler von der NGO "Open Doors" wies auf die besonders dramatische Situation der Konvertiten hin. Vor allem in muslimischen Ländern hätten diese nicht nur die Mehrheitsgesellschaft als solche gegen sich sondern würden oftmals sogar von den eigenen Familien mit dem Tod bedroht. Igler wies u.a. auf den Iran hin, wo es seiner Aussage nach inzwischen bis zu eine Million Untergrundchristen gibt.

Die VP-Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler ortete beim Fackelzug einen Zusammenhang zwischen der mangelnden Reaktion Europas auf die Christenverfolgung und der Abneigung der europäischen Eliten gegenüber christlichen Positionen in der Öffentlichkeit. Ein Beispiel dafür seien die Hasspostings, denen Kardinal Christoph Schönborn ausgesetzt war, als er sich kritisch zum VfGH-Erkenntnis zur Ehe zu Wort meldete, so Kugler.

Das "Dokumentationsarchiv der Intoleranz gegen Christen in Europa" habe eine Liste von 42 Gesetzen in 15 europäischen Ländern veröffentlicht, die die Ausübung von Religionsfreiheit, Gewissensfreiheit oder Elternrechten für Christen einschränken, erinnerte Kugler. Und die OSZE habe die Mitgliedsstaaten bereits im Jahr 2011 aufgefordert, relevante Gesetzesbereiche auf diese Thematik hin zu überprüfen. "Leider ist dies noch nicht geschehen, und sogar bei christlich-geprägten Entscheidungsträgern noch nicht wirklich angekommen", kritisierte Kugler.

 

Der traditionelle Fackelzug wurde von der Plattform "Solidarität mit verfolgten Christen" veranstaltet. In dieser sind u.a. die NGOs "Kirche in Not", "open doors", "Christian Solidarity International-Österreich", die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV) und das "Dokumentationsarchiv der Intoleranz gegen Christen in Europa" vertreten. Am Fackelzug nahm auch die österreichische OSZE-Sonderbeauftragte im Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung, Prof. Ingeborg Gabriel, teil.

 

Appell des syrisch-orthodoxen Chorepiskopos Aydin

Der Wiener syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emanuel Aydin hat an alle Verantwortungsträger in den Kirchen und in der Politik appelliert, "der Christenverfolgung ins Auge zu sehen, sie ehrlich zu benennen und politisch zu bekämpfen". Aydin hielt die Predigt beim ökumenischen Gottesdienst, mit dem der Fackelzug für verfolgte Christen durch die Wiener Innenstadt abgeschlossen wurde. "Das orientalische Christentum schrumpft zusammen. Die Geopolitik der führenden Mächte hat kein Interesse an den Christen im Orient, in Syrien, im Irak, in der Türkei", kritisierte Aydin wörtlich.

 

Als Seelsorger der syrisch-orthodoxen Gemeinde sei er sehr besorgt über die Verfolgung, "die in unseren Heimatländern in den letzten Jahren immer stärker geworden ist". Dazu komme: "Die Verfolgung ist näher gekommen. Sie hat Europa erreicht. Christliche Flüchtlinge, die vor der Verfolgung in ihren Heimatländern nach Österreich, nach Deutschland, nach Schweden, geflohen sind, sind hier schon lange nicht mehr sicher."

 

In engem Zusammenhang mit der zunehmenden Christenverfolgung steht für Aydin auch der Schwund des Glaubens im Westen. Er sprach u.a. die "Zerstörung von Ehen und Familien" oder das "Töten von Ungeborenen" an. All dies führe zur "Auflösung der christlichen Gesellschaft und zum Verschwinden des Glaubens".

 

Aydin kam in seiner Predigt auch auf die aktuellen Regierungsverhandlungen zu sprechen. "Es muss klar sein, dass das Wort Gottes Maßstab für die Politik sein muss", so der Chorepiskopos wörtlich. Er wolle deshalb auch an die Politik appellieren, Gesetzgebung auf der Grundlage des Christentums und des Naturrechtes zu betreiben. Die Amtsträger der Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften müssten dies unterstützen.