Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) ist seit Dezember 2017 Ministerin für Frauen, Familien und Jugend und pendelt zwischen Graz und Wien hin und her.
Gleichzeitig ist sie verheiratet und Mutter von zwei eigenen Kindern und einem Stiefsohn.
Ein Vollzeitjob und gleichzeitig Erziehungsaufgabe als Mutter: Wie lässt sich das vereinbaren? „Für mich ist das nichts Neues, bereits als Wissenschaftlerin war ich international viel unterwegs – beispielsweise auf Konferenzen, oft auch zwei Wochen am Stück“, erzählt die Ministerin zu Beginn unseres Interviews.
„Auch mein Mann arbeitet in einer Firma mit vielen internationalen Konferenzen. Wir haben uns das immer schon gut eingeteilt, beispielsweise im Vorfeld Termine abgesprochen.“
Wie lösen Sie dies mit Ihren Kindern?
Die Kinder sind in Ganztagesbetreuungen. Außer der Größte, der ist schon alt genug (lacht). Meine Tochter ist auch nicht jeden Tag in Betreuung, sie ist mit fast 10 Jahren sehr selbstständig, und der Kleinste geht noch in den Kindergarten.
Wir haben Gott sei Dank ein tolles Familiennetzwerk und ein sehr gutes Netzwerk aus der Schule und dem Kindergarten, in dem sich die Familien gegenseitig unterstützen. Dies funktioniert eigentlich wunderbar. Es hat schon unser ganzes Leben so funktioniert, wir haben 20 Jahre Erfahrung darin.
Was das Pendeln angeht, ist es so, dass ich meist zwei bis drei Nächte auswärts bin und die restliche Zeit pendle ich. Da kann ich im Auto arbeiten und Telefonate führen.
Worauf sind Sie als Mutter besonders stolz?
Wir leben unseren Kindern vor, wie wir Elternsein mit unserem Beruf in Einklang bringen und uns dennoch sehr viel Zeit für unsere Kinder nehmen. Es geht um die Qualität der Zeit, die man mit seinen Kindern verbringt, und nicht um die Quantität. Das Allerwichtigste ist, dass wir Werte wie soziales Miteinander, Toleranz und Aufmerksamkeit unseren Kindern mitgeben.
Als Politikerin steht man permanent in der Öffentlichkeit. Wie gehen Sie dabei mit Kritik um?
Wenn sie nicht konstruktiv ist, geht sie eigentlich auf Durchzug. Ich lasse mich auch emotional nicht angreifen. Ich habe in meiner langjährigen Tätigkeit gelernt, dass man in der Sache durchaus hart diskutieren kann und darf. Aber dass man dies auch ohne die persönlichen Befindlichkeiten machen muss.
Mit wem teilen Sie tägliche Belastungen?
Prinzipiell teile ich diese mit meinem Mann. Ich habe aber in den vergangenen Jahren gelernt, die Probleme in der Arbeit zu lassen. Das eine ist Arbeit, das andere ist Familie und Freizeit.
Denn man trifft Entscheidungen und wenn man sie getroffen hat, kann man sie sowieso nicht rückgängig machen. Also wieso soll ich mir hinterher den Kopf noch zerbrechen, wieso ich diese Entscheidung getroffen habe. Es ist gescheiter, man denkt vorher darüber nach.
Wie und wo schaffen Sie sich persönliche Oasen, um dem Alltagsstress zu entkommen?
Prinzipiell in der Familie und im Freundeskreis. Nach Hause fahren, abschalten, mit den Kindern spielen, wandern. Man ist zuhause sowieso von den Kindern in Beschlag genommen und sofort geht das Lachen und der Spaß los. Dann ist man schnell weg vom Alltag.
Wie gehen Ihre Kinder mit der Tatsache um, dass Ihre Familie in der Öffentlichkeit steht?
Meine Kinder stehen nicht in der Öffentlichkeit. Sie sind weder auf Fotos, noch gehen sie auf Veranstaltungen mit. Dass ich aber in der Öffentlichkeit stehe, dass finden die Kleinen lustig und nett. Besonders der Große findet es gut, dass ich versuche, etwas für Österreich zu machen.
Gab es einen familiären Fauxpas in Ihrem Familienleben, an dem Sie sich mit einem Schmunzeln zurückerinnern?
Wir haben beispielsweise als Kinder ein Motorrad für den Garten hinter dem Rücken unserer Mutter geschenkt bekommen.
Wir sind drei Kiddys und zu Ostern stand plötzlich ein kleines Kindermotorrad im Hof. Und meine Mutter war natürlich fürchterlich empört, wie mein Vater für die Kinder so ein kleines Kleingarten-Motorrad besorgen konnte. Aber mein kleiner Bruder war noch empörter und sagte: „Wos, nur ans?!“
Welches Thema liegt in Ihnen in der Umsetzung als Familienministerin besonders am Herzen?
Es gibt nichts Wichtigeres als die Familie. Daher werden ganze zehn Prozent des Bundesbudgets in Leistungen wie Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld, Familienbonus Plus, Schulbücher und den Ausbau der Kinderbetreuung investiert.
Mir liegt vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf am Herzen und damit auch das Thema Ausbau der Kinderbetreuung. Dies ist ein essentieller Punkt, um es Familien zu erleichtern, dass beide Elternteile sowohl Elternarbeit übernehmen, aber auch wieder in die Arbeit relativ schnell zurückfinden.
Wie soll dies genau aussehen?
Das Modell soll sich jeder selbst aussuchen, die Wahlfreiheit soll erhalten bleiben. Mir wäre es ein Anliegen, dass Kindererziehung wirklich als Elternarbeit gesehen wird und Frauen besser wieder in den Beruf einsteigen können, wenn sie den Wunsch danach haben. Und wenn es in Richtung Pension geht, sollen sie merken, dass etwas übriggeblieben ist und es nicht zu einem Karriereknick kommt.
Auf dem Webportal „meinefamilie.at“ finden Sie eine längere Version des Interviews mit Ministerin Juliane Bogner-Strauß, wo sie u.a. über den Wert der Familie für die Gesellschaft spricht.