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09.12.2019

Lateinamerikaner feiern Guadalupe-Fest in Wiener Votivkirche

Spanischsprachiger Gottesdienst zu Ehren der Patronin Mexikos, Amerikas und der Philippinen vor dem frisch renovierten Marienaltar.

Die Wiener Votivkirche wird am Donnerstag erneut zum Treffpunkt der in der Bundeshauptstadt lebenden Lateinamerikaner. Anlass dafür ist der Festtag der "Jungfrau von Guadalupe" am 12. Dezember, wobei es sich um ein auf dem gesamten amerikanischen Kontinent - ganz besonders in Mexiko - gefeiertes Kirchenfest mit Beteiligung von Millionen Gläubigen handelt. Der mexikanische Priester Jorge Francisco Curiel leitet als Hauptzelebrant um 18.30 Uhr einen Gottesdienst in spanischer Sprache vor dem heuer frisch renovierten Guadalupe-Altar im rechten Seitenschiff der Ringstraßen-Kirche, die erst vor zwei Wochen den 140. Jahrestag ihrer Weihe gefeiert hatte.

Zurück geht das Fest auf die Ereignisse zwischen dem 9. und 12. Dezember 1531 im heutigen Stadtgebiet der mexikanischen Hauptstadt. Dem damals schon zuvor zum Christentum konvertierten Indigenen Juan Diego Cuauhtlatoatzin - er wurde 2002 als erster Ureinwohner Amerikas heiliggesprochen, sein Festtag ist der 9. Dezember - erschien damals laut der Überlieferung an vier Tagen eine Frau mit Gesichtszügen einer Mestizin, die sich als Mutter Gottes bezeichnete und auf Juan Diegos Umhang ("Tilma") das weltberühmte Gnadenbild "Unsere Liebe Frau von Guadalupe" hinterließ. Auf dem Erscheinungshügel, dem Tepeyac, wurde eine große Kirche errichtet.

Die "Guadalupana" ist Patronin von Mexiko, Lateinamerika und ganz Amerika, der Philippinen, der indigenen Völker sowie auch der Ungeborenen, und wird bis heute ungebrochen und sogar über die konfessionellen Grenzen hinaus hochverehrt. Zu den vielen inzwischen errichteten Guadalupe-Heiligtümern auf dem ganzen Kontinent strömen rund um das Hauptfest am 12. Dezember die Pilger, allen voran zur Basilika in Mexiko-Stadt: Zum Ausstellungsort der "Tilma" kamen im Vorjahr laut Behördenangaben zwischen 9. und 12. Dezember über zehn Millionen Menschen, viele davon in mehrtägigen Fußmärschen. Die Kirche gilt damit als der größte katholische Pilgerort weltweit.
 

Feier auch im Vatikan

Mit Blick auf die vielen in Wien lebenden Lateinamerikaner feiern am darauf folgenden dritten Adventsonntag (15. Dezember) auch die spanischsprachigen Gemeinden der Bundeshauptstadt das Marienfest. Um 11.30 Uhr lädt die lateinamerikanische Gemeinde "Santa Maria de Guadalupe" in der Kirche St. Florian in Wien-Wieden zu ihrem Patrozinium. Nach dem Gottesdienst gibt es landestypische Speisen und ein Kulturprogramm.

Auch im Vatikan wird die Jungfrau von Guadalupe geehrt: Papst Franziskus zelebriert am 12. Dezember um 18 Uhr zu diesem Anlass eine Messe im Petersdom. Diese noch junge Tradition wurde erstmals 2012 vom damaligen Papst Benedikt XVI. eingeführt und von dessen aus Lateinamerika stammendem Nachfolger übernommen.


Wiener Altar seit 65 Jahren

Das Guadalupe-Madonnenbild hat auch in Europa Eingang in Gotteshäuser und auf Altäre gefunden. In der Wiener Votivkirche wird seit 1954 eine Kopie des Gnadenbildes verehrt, das hier im Hinblick auf die Gestalt des Bruders von Kaiser Franz Joseph Eingang fand. Erzherzog Ferdinand Maximilian, der 1854 Initiator der Votivkirchen-Errichtung war und dessen kurze Regierungszeit als Kaiser von Mexiko 1867 tragisch endete, galt als großer Verehrer der Muttergottes von Guadalupe. Daran erinnert eine Tafel beim Altar im nördlichen Seitenschiff der Votivkirche.

100 Jahre sollte es dauern, bis dann das von Maximilian gewünschte Gnadenbild 1954 auch tatsächlich aufgestellt und geweiht wurde; die Frau eines mexikanischen Botschafters war damals als Stifterin eingesprungen und hatte beim Maler Hans Schweiger die Herstellung des Gnadenbildes wie auch des dazu passenden Glasfensters in Auftrag gegeben. Wie einst vom Erzherzog angeordnet, wird der Altar bis heute in der sonst an den Winterabenden dunklen Kirche "immer gut beleuchtet" und ist zudem bis heute der größte seiner Art in Europa.