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07.09.2021 · Glaube · Glaubenswissen

Gerl-Falkovitz: Magnificat "Schlüsseltext" der Marienfrömmigkeit

 

Religionsphilosophin bei Mariologischem Kongress in Wien: Biblischer Lobgesang der Mutter Jesu bildet Gegensatz zu Absolutsetzung des Einzelnen und zu "Zukunft, die vor allem als Katastrophe erwartet wird".

Auf den tiefen theologischen Inhalt des sogenannten "Magnificat"-Gebets - des Lobgesangs, den die werdende Gottesmutter Maria im Lukasevangelium bei der Begegnung mit ihrer ebenfalls schwangeren Cousine Elisabeth anstimmt - hat die Religionsphilosopin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz hingewiesen. Der Text enthalte "unerschöpfliche Bezüge" auf Traditionen Israels wie auch anderer Kulturen und eröffne auch heute noch Zugänge zur Mutter Jesu, sagte die emeritierte Dresdener Professorin, die weiterhin an der Hochschule Heiligenkreuz lehrt, am Sonntag in Wien. Anlass gab ein Mariologischer Kongress, den die katholische Bewegung "Legio Mariens" zu ihrem 100-Jahr-Jubiläum in der Aula der Wissenschaften veranstaltete.

 

Die Aussagen der Heiligen Schrift über Maria seien "großartig, aber zugleich sparsam" und ließen sie immer eine "Unbekannte" bleiben, hielt Gerl-Falkovitz fest; dabei habe es gleichzeitig zu der biblischen Knappheit schon seit dem frühen Christentum einen enormen Reichtum an Symbolen in ihrer Verehrung gegeben. Evangelische Christen, die sich nur an die Bibel halten, seien karg und zurückhaltend in der Marienverehrung, während Orthodoxe und Katholiken eine starke innere Beziehung zur Mutter Jesu entwickelt hätten. Das Magnificat liefere dafür einen Schlüsseltext.

 

Dieser sei vor allem eine Freudenbotschaft, betonte die Religionsphilosophin. Völlig überraschend sei dies nicht, habe doch Maria zu diesem Zeitpunkt erstmals - durch den Mund Elisabeths - "von außen" eine Bestätigung der Botschaft des Engels erhalten, was "wie eine zweite Verkündigung" gewesen sei. Gerl-Falkovitz: "Welche Frau hat schon Gott geboren? Welche Frau kennt seine kindlichen Regungen, sein Weinen, sein Lachen, lebt dreißig Jahre mit ihm, der für sie sorgt - und welche Frau erfährt die Hochstunden seines Lebens, als die Menge ihm ergriffen zuhört, als er zum König ausgerufen werden, als das geheimnisvolle Reich anbrechen soll und als er zuletzt verblutet." Maria sei Zeugin des "Menschen, der das Weltall geschaffen und die Geschichte umgestürzt hat".

 

Gegenimpuls zu heutigen Tendenzen

Doch noch viele andere Ebenen ließen sich in dem neutestamentlichen Text entdecken. Heute werde der Einzelne fast absolut gesetzt und losgelöst von tragenden Kräften wie Herkunft, Geschichte und Kontinuität, aber auch von einer Zukunft, die vor allem als Katastrophe erwartet wird, so die Bestandsaufnahme der Religionsphilosophin. "Was sind schon Eltern, was Heimat, was Blutbindung - wenn wir autonome Weltbürger werden sollen? Was ist schon Zukunft, wenn unterschwellig im Alter die autonome Selbsttötung erwartet wird, wenn Kinder als Gefahr für das Klima gelten und Frauen deswegen den Uterus herausoperieren lassen?"

 

Völlig im Gegensatz dazu streiche das Magnificat das "Einbinden des Einzelnen in ein Gesamtwert" hervor - auch durch Marias Einsicht, "dass sie von Anfang an vorgesehen war und durch die Geschlechterketten vorbereitet wurde", worin sie Gottes Größe erkannt und Anlass für Jubel gefunden habe. Das von ihr Formulierte dürften Christen auf sich übertragen. Die Vorstellung, dass jeder Mensch schon im Anfang der Welt von Gottes Vorsehung gewollt sei, öffne den Sinn und das Dasein auch auf ein Ziel hin. Gott werde nach christlicher Vorstellung dem Menschen darin Einblick geben und ihn dabei sowohl aus der "scheinbaren Verlorenheit und Vergeblichkeit des Tuns" wie auch als seinem schuldigen Versagen lösen.

 

Vom Wert des Unscheinbaren

Weiters sei an Maria auch erstmals eine bedeutende "Umwertung aller Werte" sichtbar geworden, betonte Gerl-Falkovitz. "Seit der Stunde in Nazareth gilt die Schönheit, das Leuchtende des Unscheinbaren und 'Kleinen', des 'Unmündigen'." Der Verweis Mariens auf ihre "Niedrigkeit", die durch die Selbstbezeichnung als "Magd" noch verstärkt worden sei, mute "anstößig" an, bedeute aber kein Schlechtmachen ihrer selbst, sondern stehe für "dort stehen, wo man hingehört". Das "Unten" als der Ort des Menschen sei nicht das Schlechte und Verächtliche, sondern vielmehr Gegenbild des Göttlichen und Herrlichen, das jedoch unerwartet mit der Menschwerdung Jesu zum Ort der Gegenwart und Herrlichkeit Gottes geworden sei - und zwar "für alle Zukunft".

 

Ein Sozialprogramm aus dem Magnificat abzuleiten hielt Gerl-Falkovitz für unangemessen. Wohl sei der Sozialismus immer schon die "subtile Versuchung des Christentums" gewesen, zitierte sie die Philosophin Simone Weil. Die in dem biblischen Gebet erwähnten Umstürze ("Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; / er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. / Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.") passten jedoch nicht zu jenem opferreichen Elend, welches Revolutionen mit bloßem Austausch von Reichtum und Armut gebracht hätten. Gottes Machtfülle und Gerechtigkeit seien von anderer Natur und weit tiefergehend als die des Menschen.

 

Maria als Mittlerin

Über die innerkirchliche Diskussion darüber, welche Rolle Maria im Heilsgeschehen besitzt, sprach in einem weiteren Vortrag des Kongresses der in Lugano wirkende Theologe Manfred Hauke. Im täglichen Gebet der Mitglieder der Legion Mariens, der "Catena", die ebenfalls das "Magnificat" enthält, werde Marias "geistliche Mutterschaft" hervorgehoben und Bezüge zu ihr als geistliche "Heerführerin" hergestellt. Die abschließenden Gebetsworte seien den liturgischen Texten vom 1921 durch Papst Benedikt XV. in Belgien eingeführten Fest Mariens als "Mittlerin aller Gnaden" entnommen.

 

Zu einem Dogma der universalen Gnadenmittlerschaft Mariens, welches der belgische Kardinal Désiré-Joseph Mercier angestrebt habe, habe sich der Vatikan jedoch nicht durchgerungen, auch wenn er 1922 drei päpstliche Kommissionen zur Klärung dieser Frage eingesetzt habe und die Debatte auf dem Zweiten Vaticanum weitergeführt worden sei. "Ökumenische Rücksichten" und der von Papst Johannes XXIII. gewollte pastorale Charakter des Konzils hätten dann schlussendlich dagegen gesprochen.

 

Dennoch sei in der Konstitution "Lumen Gentium" die "Mutterschaft Mariens in der Gnadenökonomie" angesprochen und Maria als Fürsprecherin, Helferin, Beistand und Mittlerin bezeichnet worden. Maria füge der Würde und Wirksamkeit Christi, des einzigen Mittlers, nichts hinzu, werde dabei betont. Die "Einzigkeit der Mittlerschaft des Erlösers" schließe "im geschöpflichen Bereich eine unterschiedliche Teilnahme an der einzigen Quelle in der Mitwirkung nicht aus, sondern erweckt sie", zitierte Hauke aus den Konzilstexten. Deren Fußnoten-Verweise auf Kirchenväter und das päpstliche Lehramt bräuchten im Falle einer Dogmatisierung nur "in den Haupttext gestellt werden", sah der Theologe die Vorarbeit dafür bereits weit vorangeschritten.

erstellt von: red/kathpress
07.09.2021
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Pater Markus Langer von den Wiener Dominikanern lädt Interessierte und Gläubige zum Beta-Online-Kurs  ‚beta – neue Fragen‘ ein. An zehn Abenden im Mai, Juni und Juli 2021 gibt es die Möglichkeit, spezifische Glaubensinhalte zu vertiefen – aufbauend auf der Erfahrung des verbreitet angebotenen Alpha-Glaubenskurses.

Warum das Kreuz?

"Jemand, der am Holz hängt, galt nach dem Alten Testament als von Gott verflucht", und doch ist das Kreuz zu einem der wichtigstens Symbole im Christentum geworden. Eine zeitgemäße Deutung von Erhard Lesacher.

Corona-Mythen: Kirchliche Experten starten Info-Kampagne

Corona-Mythen: Kirchliche Experten starten Info-Kampagne

Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen will mit Kampagne zu Corona-Krise, Engel und Glück über Verschwörungstheorien, Esoterik und Lebenshilfeangebote informieren. Neue Website bündelt österreichweite Informations- und Beratungsangebote.

Erntedank, St. Martin und Leopoldi in Zeiten von Lockdown und Terror

Das Kirchenjahr geht weiter. Erntedank, Martinsfest und Leopolditag heuer schlichter als gewohnt. Neue Wege, verbindende Werte zu feiern: einfach und auf das Wesentliche bedacht.

Dominikaner Wien: ALPHA-Kurs im Herbst startet

Pater Markus Langer von den Wiener Dominikanern lädt Interessierte und Gläubige zum ALPHA-Kurs ein.

Michelangelo Merisi da Caravaggio: Hl. Hieronymus beim Schreiben

Papst würdigt Kirchenlehrer Hieronymus zum 1.600 Todestag

Heiliger und Bibelübersetzer aus dem 4./5. Jahrhundert sei ein Vorbild durch "absolute und rigorose Hingabe an Gott sowie beharrliche Forschungstätigkeit".

Kirchenlehrer Hieronymus

Kirchenlehrer Hieronymus

Vom römischen Philosophiebegeisterten über den Einsiedler in der syrischen Wüste zum Asketen in einer Grotte in Bethlehem: Das Leben des Hieronymus war so bunt wie das Werk, das der Kirchenvater hinterlassen hat. Von Andrea Krogmann.

Was ist ein Kardinal?

Der Papst ernennt aus freien Stücken Bischöfe oder Priester seines Vertrauens zu Kardinälen, deren Aufgabe es ist, ihn zu beraten und in der Leitung der Kirche zu unterstützen.

Was ist ein Erzbischof?

Der Erzbischof ist der Titel eines Bischofs, der eine Erzdiözese leitet, oder eines Metropoliten, der eine Kirchenprovinz leitet.

Was ist ein Bischof?

Der Bischof ist im Verständnis der katholischen Kirche ein Nachfolger der Apostel. Seine erste Aufgabe ist die Verkündigung des Glaubens, die Feier der Eucharistie und der Sakramente, aber auch die Leitung seiner Ortskirche in allen Belangen.

Curhaus / Dompfarrre, Stephansplatz 3.     Wien, 2.6.2005         ? Franz Josef Rupprecht; A-7123 M?nchhof; Bank: Raiffeisenbank M?nchhof (BLZ: 33054), Konto.-Nr.: 17.608

80 Jahre theologischen Kurse

Festakt am 1. Oktober in der Wiener Donaucitykirche u.a. mit Bundespräsident a.D. Heinz Fischer und Uni Wien-Vizerektorin Christa Schnabl.

Glaubenskurs Gamma: Weil der Glaube auch das Verstehen sucht

Am 9. September startet im Wiener Dominikanerkloster ein faszinierender Glaubenskurs. Der SONNTAG hat mit Pater Markus Langer OP über "Gamma - noch mehr Fragen" gesprochen.

Rosa von Lima

Rosa von Lima

Als Isabella Flores de Oliva 1586 wurde sie in Lima geboren. Ihre Eltern nannten sie bald Rosa, weil sie nicht nur ein außerordentlich hübsches, sondern auch ein feinfühliges Mädchen war. Umso erstaunlicher ist, was uns von Rosa von Lima überliefert wird.

Mariä Himmelfahrt: Festmessen in ganz Österreich

Schiffsprozession mit Marketz am Wörthersee. Kräutersegnungen in vielen Pfarren. Schönborn feiert im Stift Schlierbach anlässlich dessen 400-Jahr-Jubiläums.

Projekt "TheoZoo" erklärt theologische Themen in Kurzvideos

Hinter dem Projekt stehen vier Theologen, eine Theologin und eine Videojournalistin.

150 Jahre nach der Definition der Unfehlbarkeit des Papstes

Am 18. Juli 1870 definierte das Erste Vatikanische Konzil den Primat des Papstes als Dogma  - Erst das Zweite Vatikanum ergänzte Kollegialität der Bischöfe - Von Alexander Brüggemann und Johannes Schidelko.

Li.: Othmar Posch (Pfarrer von Wimpassing im Schwarzatale) mit einer Familie, die gerade die 'Wander-Bibel-Truhe' erhalten hat. Die Truhe ist best?ckt mit einer Bibel, einer Kinderbibel sowie einem 'Logbuch' f?r die Eintragung von Gedanken, Gebeten,

Katechese erfordert eine missionarische Spiritualität

Vatikan veröffentlich "Direktorium zur Katechese". Glaubensverkündigung in Zeiten von Digitalisierung, Globalisierung und Migration

Kardinal König

Wien: "Kardinal König-Archiv" feiert zehnjähriges Bestehen

Archiv umfasst neben Bibliothek Kardinal Königs rund 2.000 Archivschachteln mit persönlichen Dokumenten, Fotos, Briefen aber auch zahlreichen Gegenständen.

Vom anderen her, auf andere hin (Joh 17,1-11)

Markus Muth und Boris Porsch schreiben ihre Gedanken zum Evangelium zum 7. Sonntag der Osterzeit  (24.5.2020)

Ich mag Liebesfilme (Joh 14,15-21)

Elisabeth Birnbaums Evangeliumsauslegung zum 6. Sonntag der Osterzeit (17.5.2020)

Gottesmutter Maria auch heute "absolut geeignet als Role Model"

Grazer Religionswissenschaftlerin Heimerl: Maria im Evangelium nicht so demütig und gehorsam wie oft in der späteren Glaubenstradition. "Bedürfnis nach weiblicher Transzendenz" ergänzte männlich geprägte Trinität.

Wer fragt, bekommt eine Antwort (Joh 14,1-12)

Br. Günter Mayer SDB: Evangeliumsauslegung zum 5. Sonntag der Osterzeit (10.5.2020)

Corona weckt auch unter Kirchenanhängern Aberglauben

Wiener Theologe Prüller-Jagenteufel übt auf "Corona-Blog" u.a. Kritik an Aussagen des Churer Weihbischofs Eleganti und an theologisch fragwürdiger Grundhaltung all jener, die Glauben und Vernunft in Corona-Krise gegeneinander ausspielen.

Öffnet die Türen (Joh 10,1-10)

Barbara Ruml: Evangeliumsauslegung zum 4. Sonntag der Osterzeit (3.5.2020)

Begegnung am Tiefpunkt (Joh 21,1-14)

Markus Beranek: Evangeliumsauslegung zum 3. Sonntag der Osterzeit (26.4.2020)

Durch verschlossene Türen (Joh 20,19-31)

Sr. Franziska Madl OP schreibt ihre Gedanken zum Evangelium zum Sonntag der Barmherzigkeit (19.4.2020)

Vorurteil oder nicht? Die Kirche ist mächtig

Die eigentliche Macht der Kirche sind aber das Wort und die Tat.

Vorurteil oder nicht? Wasser predigen und Wein trinken

Was meint die Rede von der „glücklichen Schuld“ in der Osternacht?     

Ostern darf dauern (Joh 20,1-18)

Markus Muth und Christoph Sperrer schreiben ihre Gedanken zum Evangelium zum Ostersonntag (12.4.2020)

Was ist eigentlich geistliche Kommunion?

Was ist die geistliche Kommunion? Wir haben Weihbischof Stephan Turnovszky um eine Erklärung gebeten.

Keine Sympathie für Pilatus (Mt 27,1-26)

Elisabeth Birnbaums Evangeliumsauslegung zum Palmsonntag (5.4.2020)

Vorurteil oder nicht? Die Kirche ist konservativ.

Ist die Kirche zu konservativ?

Durchkreuzt: Keine Antwort auf das Warum?

Ein Gott, bei dem uns alles klar wäre, ist nicht der Gott Jesu Christi.

Auferweckung ist nicht gleich Auferstehung (Joh 11, 3-7.17.20-27.33b-45 )

Br. Günter Mayer SDB: Evangeliumsauslegung zum 7. Fastensonntag (29.3.2020)

Vorurteil oder nicht? Ignoranz und Vertuschung

Der Skandal des Vertuschens

Fürchtet euch nicht

Vom Umgang mit der Angst

Freude einüben, Leben schöpfen (Joh 9,1)

Barbara Ruml: Evangeliumsauslegung zum 4. Fastensonntag (22.3.2020)

Christus, Heil der Kranken...

Es ist nicht mangelndes Gottvertrauen wenn wir medizinisch vorsichtig sind

Lebendig (Joh 4,5-26. 39a. 40-42)

Markus Beranek: Evangeliumsauslegung zum 3. Fastensonntag ( 15. März 2020)

Vorurteil oder nicht? Die Kirche ist: Verstaubt oder zeitgemäß?

Ist der Glaube und die Kirche überhaupt (noch) zeitgemäß.

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