Als „Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten“ bezeichnet der zuständige Bischofsvikar für das Vikariat Nord, Weihbischof Stephan Turnovszky, den Verkauf des Schlosses Großrußbach an den Unternehmer Dieter Gruschina. Wegen steigender Erhaltungskosten und anstehender Renovierungen in zweistelliger Millionenhöhe in dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude hatte der Wirtschaftsrat der Erzdiözese dafür plädiert, den Betrieb des Bildungshauses zu beenden, die Erwachsenenbildung im Weinviertel von Gaweinstal aus an verschiedenen Standorten weiterzuführen und die Immobilie zu verkaufen.
Im Schlosstrakt werden zukünftig weiterhin die Kapelle, der Festsaal sowie Seminarräume, Bücherei, Übernachtungsmöglichkeiten und Büroräume für das Vikariat, den Verein „Jakobsweg Weinviertel“ und den „Verein der Freunde und Förderer“ zur Verfügung stehen. Die Zimmer im Schloss werden vom neuen Eigentümer als Wohnungen für qualifizierte Mitarbeiter von Partnerunternehmen adaptiert, die in die Region expandieren, das regionale Bahnnetz ausbauen und neue Arbeitsplätze schaffen. Im stillgelegten ehemaligen Gästehaus wird nach dem Umbau zu Büros und Mitarbeiterwohnungen ein Teil von Gruschinas Firmenstruktur angesiedelt.
Bischofsvikar Turnovszky: „Nach unangenehmen Jahren der Ungewissheit liegt nun eine vielversprechende Lösung für die Zukunft des Schlosses Großrußbach vor. Das Vikariat wird weiterhin einen Standort für Besprechungen und Veranstaltungen am gewohnten Ort haben, auch die Kapelle bleibt benutzbar. Die Bildungsakademie und der Jakobsweg Weinviertel werden berücksichtigt, und der Verein der Freunde und Förderer hat die Möglichkeit, sich weiterhin für den Standort zu engagieren.“ Für die Region erhoffe er sich Arbeitsplätze und Impulse, nicht zuletzt durch die bevorstehenden Investitionen in die Bausubstanz. „Der Firma Gruschina wünsche ich Freude mit der Liegenschaft und wirtschaftlichen Erfolg.“
Dieter Gruschina hat große Pläne mit der Liegenschaft: „Unser Konzept ist auf eine nachhaltige Entwicklung der Region ausgerichtet – wobei bestehende Werte und Errungenschaften erhalten bleiben sollen. Wir sind dankbar, dass wir einen Teil unserer Firmenstruktur in ein so wunderschönes, geschichtsträchtiges und wertgeschätztes Gebäude verlegen können. Es war uns während des ganzen Prozesses ein großes Anliegen, dass alle Stakeholder mit der Lösung zufrieden sind und das Schloss auch in Zukunft für Pilger, Gäste, Vereine und Seminarteilnehmer ein Fixpunkt in der Region bleiben kann.“ Im erneuerten Gästetrakt ist auch ein Gastronomiebetrieb geplant.
Erfreut ist auch Franz Knittelfelder, Direktor der Bildungsakademie Weinviertel: „Ich freue mich, dass es mit dem neuen Betreiber eine gute Kooperation für die Erwachsenenbildung im Weinviertel geben wird. Wir planen am Standort Großrußbach vorrangig mehrtägige Kurse mit Übernachtungsmöglichkeit anzubieten. Auch unsere Pilger werden versorgt sein, weil der Verein Jakobsweg Weinviertel seinen Sitz im Schloss behält.“ Die Bildungsakademie Weinviertel bietet Erwachsenenbildung zu verschiedenen Themen wie Pilgern, Hospizbegleitung oder Theologie, aber auch kreative Angebote wie Schnitzen oder Ikonenmalen, sowie eine Mediathek mit regionalem Bücherbus an.
Großrußbachs Bürgermeister, Josef Zimmermann, war in den Prozess von Anfang an eingebunden und ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Wir sind für die Zukunft, die Entwicklung des Schlosses betreffend, sehr optimistisch und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit mit Herrn Gruschina für unsere Gemeinde und die gesamte Region. Herr Gruschina möchte das Schloss als Beherbergungsbetrieb erhalten und in enger Abstimmung mit allen unmittelbar Beteiligten das Angebot weiter ausbauen. Das Areal ist weiterhin für die Allgemeinheit zugänglich und auch Veranstaltungen im Festsaal werden möglich sein. Mit den wichtigsten Arbeiten am Gebäude soll laut Auskunft des neuen Eigentümers rasch begonnen werden. Unter anderem wird das Schloss wie schon länger geplant künftig durch das gegenüberliegende Nahheizwerk der Gemeinde versorgt werden.“
Fritz Macher, Obmann des Vereins der Freunde und Förderer: „Seit bald 20 Jahren unterstützt der „Verein der Freunde und Förderer“ die regionale Bildungsarbeit im Weinviertel am Standort Schloss Großrußbach. Wir sind in Gesprächen mit dem zukünftigen Eigentümer und der Bildungsakademie Weinviertel zur Überzeugung gekommen, dass es für das Schloss nun eine gute Lösung für alle gibt, und wir sind froh, dass unser Verein seinen Sitz im Schloss behalten kann. Es ist uns ein Herzensanliegen, Ausbildungsaktivitäten am Standort Großrußbach weiterhin fördern zu können.“
Bischofsvikar Turnovszky anlässlich des Vertragsabschlusses: „Ich danke allen, die in den jahrelangen und schwierigen Entscheidungsprozessen Vertrauen, Humor, Nachsicht und Zielstrebigkeit bewahrt haben!"