
Mit ihrer Verbindung von Glaube, Kultur und Wissenschaft sind die Mechitharisten ein Vorbild für die Kirche von heute, hat Weihbischof Helmut Krätzl am Sonntag, 11. September 2011, bei einem Festgottesdienst zum 200-Jahr-Jubiläum der armenischen Benediktiner in Wien betont. In der Mechitharistenkirche im 7. Bezirk - einem der bedeutendsten Sakralbauten des Historismus - erinnerte Weihbischof Krätzl daran, dass der gläubige Christ in einer säkularen Umgebung und in der Begegnung mit anderen Religionen Rechenschaft ablegen und daher über ein hohes Maß an Bildung verfügen muss.
Schönheit und Würde der östlichen Kirche
Die Mechitharisten mit ihrer umfassenden Übersetzungs- und Verlagstätigkeit hätten gezeigt, dass Glaube und Humanwissenschaften einander bereichern und nicht wechselseitig bekämpfen sollen. Das Zweite Vatikanische Konzil habe in der Pastoralkonstitution "Gaudium et spes" darauf verwiesen, dass die Kirche der Welt vieles zu bieten, aber auch viel von der Welt zu lernen habe. Immer gehe es darum, die Botschaft Christi in den Sprachen und der Vorstellungswelt der Völker zum Ausdruck zu bringen, so Weihbischof Krätzl.
Die Mechitharisten hätten den Wienern auch die Schönheit und Würde der östlichen Kirche und ihrer Frömmigkeit nahegebracht. Der Weihbischof verband damit die persönliche Erinnerung, dass er vom legendären damaligen Abt der Wiener Mechitharisten, Erzbischof Mesrob Habozian, 1943 im Stephansdom gefirmt wurde.
Gutes Miteinander
Die Mechitharisten, deren Wiener Kloster als wichtigstes Zentrum armenischer Kultur in Mitteleuropa gilt, seien mit ihrer Bibliothek und ihren großartigen Sammlungen eine wichtige Brücke zwischen Ost und West. Die Verkündigung des Evangeliums müsse zur Einheit führen, unterstrich Weihbischof Krätzl.
Freilich gelte es, diese Einheit immer wieder neu zu erringen. Auch die Geschichte der Mechitharisten sei dafür ein Beispiel, weil die Spaltung des Ordens zwischen dem Wiener und dem venezianischen Zweig erst im Jahr 2000 überwunden werden konnte. Zugleich würdigte der Weihbischof das gute Miteinander zwischen den zur armenisch-katholischen Kirche gehörenden Mechitharisten und der armenisch-apostolischen Kirche in Österreich.
Hauptzelebrant des Gottesdienstes war der Abt der Wiener Mechitharisten, Pater Paulus Kodjanian. An dem Hochamt im armenischen Ritus nahmen auch der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, der Generalabt des Mechitharistenordens, Pater Elia Kilaghbian, der emeritierte Wiener armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian und der armenische Botschafter in Österreich, Ashot Hovakimian, teil.
(red/KAP)
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