
"Es ist wichtig, dass bei anstehenden Entscheidungen einer Diözese - wie Strukturplanung und Pastoralplanung - möglichst alle Ebenen mitreden können." Das betont der Wiener Pastoraltheologe Johann Pock in der aktuellen Ausgabe von "thema kirche", dem Mitarbeitermagazin der Erzdiözese Wien.
Zum "Tag der diözesanen Räte" am Freitag, 22. Juni 2012, sind alle Beratungsgremien der Diözese eingeladen - vom Priesterrat bis zu den Vorständen der Berufsgemeinschaft der Pastoralassistenten, vom Wirtschaftsrat bis zum Diakonenrat. Rund 250 Personen werden an dem Diskussionstag teilnehmen. Aus pastoraltheologischer Sicht sei dies ein sinnvoller Schritt, sagt Pock: "Das heißt, es wird der Rat der Menschen der Diözese gesucht."
Gesellschaftlichen Wandel wahrnehmen
Der große Wandel, in dem sich die Kirche derzeit befindet, werde mit dem "Tag der Räte" stärker wahrgenommen werden, meint Pock. "Je mehr Menschen ihre Augen und Ohren offen halten und sich einbringen, desto mehr von dieser Situation wird wahrscheinlich auch der Diözesanleitung bewusst werden." Man dürfe sich aber auch nicht zu viel von diesem Tag erwarten, gibt der Pastoraltheologe zu bedenken und verweist auf ein Wort des Wiener Erzbischofs: "Der Tag ist ein Element in dem Prozess des Hörens, von dem der Kardinal spricht."
Weltbezug in den Blick zu nehmen
Die Themenfelder, die in Gruppen- und Plenumsgesprächen zur Diskussion stehen, sind breit angelegt. Es geht um den "Dienst der Kirche in der Welt", um die dafür "hilfreichen Strukturen", um das "Miteinander im Dienst der Verantwortung" und um die "Kultur der Sonntagsgottesdienste". Für den Pastoraltheologen Pock sind damit wichtige Punkte angesprochen, die ganz offensichtlich "aus den Diözesanversammlungen heraus gewachsen" sind. "Man kann natürlich sagen, das ist viel zu viel für einen Tag - allein über das Verhältnis der Kirche zur Welt könnte man lange diskutieren", so Pock und erklärt: "Es ist der Versuch den Weltbezug in den Blick zu nehmen." Insgesamt lobt er den Ansatz, "zentrale Themen, die im Blick auf eine pastorale Planung einer Diözese wichtig sind, zu bündeln und thesenhaft zur Diskussion zu stellen".
Menschen warten auf klare Worte
Zu den anstehenden Strukturveränderungen in der Diözese sagt Pock: "Die Menschen in den Dekanaten wünschen sich klare Worte, wie es mit den Pfarren weitergeht. Denn es gibt sehr viel Unsicherheit." Die Betonung des "Miteinanders" im Vorfeld des "Tags der Räte", sei ihm besonders positiv aufgefallen. "Die Diözesanleitung sagt also nicht mehr, dass die Amtsträger alles allein gestalten, sondern dass die Kirche in Wien nur in einem Miteinander aller Kräfte gestaltbar sei." Laien werden in Zukunft nicht nur in der Beratung, sondern auch in der Gestaltung des Lebens der Kirche wichtig werden. "Besonderes Gewicht wird auf das Mittun und die Verantwortung gelegt, die man Laien – vor allem in der Leitung von Gemeinden – nun tatsächlich übergibt."
Nicht nur was neu ist, ist gut
Strukturerneuerung und innere Erneuerung - Stichwort Jüngerschulung - sollen im Reformprozess Hand in Hand gehen. "Diese Verbindung finde ich sehr gut", betont Pock. Einerseits dürfe "man nicht einfach hergehen und irgendwelche Pfarr- oder Dekanatsgrenzen verändern". Strukturveränderungen müssten "aus der Besinnung darauf erwachsen, wofür Kirche da ist". Dafür brauche es auch die spirituelle Vertiefung. Andererseits wäre auch eine bloße Spiritualisierung - "Hauptsache die Leute sind fromm und spirituell vertieft" - nicht gut, so Pock. "Strukturentwickung und das Blicken auf die eigenen Glaubensschätze und die Charismen der Menschen, diese Verbindung ist wichtig."
Vor allem aber hoffe er, dass im Reformprozess der Erzdiözese nicht nur auf das geschaut wird, was neu werden muss. "Es ist wichtig, dass man das wertschätzt, was in den Pfarren an Strukturen gewachsen ist", sagt der Pastoraltheologe. Insgesamt müssten alle Seiten "offen sein für Neues".
(sj)
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